Das EU-Programm zur Verteilung von Obst und Gemüse in den Schulen gegen zunehmende Fettleibigkeit bei Kindern steht in Deutschland vor dem Aus. Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hatten schon im August dagegen entschieden, nicht in gesunde Kost für Grundschüler zu investieren. Nun gesellen sich Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein zu den Vitaminverweigerern, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal21".
Zwar stellt die Europäische Kommission für Deutschland in diesem Schuljahr gut 20 Millionen Euro zur Verfügung, damit Schüler kostenlos frisches Obst und Gemüse essen können. Die Bundesländer sollen allerdings noch einmal rund 18 Millionen Euro dazugeben. Dieser Betrag ist den Bundesländern offenbar zu hoch.
Auch in Baden-Württemberg, das offiziell noch an der Einführung des Programms arbeitet, steht das Vorhaben auf der Kippe. Der baden-württembergische Städtetag zweifelt an dem Projekt und will seinen Mitgliedstädten die Teilnahme nicht empfehlen. "Der Aufwand steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen", sagte Verbandssprecher Manfred Stehle. Das Programm sei "chronisch unterfinanziert" und daher fast wirkungslos. "Es weckt bei den Eltern Erwartungen, die nicht annähernd erfüllt werden können." Baden-Württemberg erhält für das Programm rund zwei Millionen Euro von der EU, muss aber dieselbe Summe aus eigener Kraft beisteuern.
Nur das Saarland verschenkt bislang Obst
Schon im vergangenen Sommer hatten die Bundesländer das Vorhaben, Kinder in der Schule mit natürlichen Vitaminen zu versorgen, im Bundesrat ausgebremst. Sie forderten mehr Geld vom Bund und weigerten sich, die EU-Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro mit 12,5 Millionen Euro aufzustocken.
Bislang wurden Obst und Gemüse finanziert aus EU-Mitteln lediglich an Schulen im Saarland verteilt. Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen arbeiteten noch an der Umsetzung, meldet "Frontal21". Europaweit nehmen 18 Länder am Schulobstprogramm teil, weitere fünf arbeiteten daran. Lediglich drei EU-Länder wollten nicht teilnehmen, berichtet die Kommission.
Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, hält die geringe Beteiligung in Deutschland "dumm" und "völlig daneben". Das Programm sei eine Möglichkeit, Kinder mit gesunder Ernährung vertraut zu machen. Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, kritisierte die Absage der neun Bundesländer. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien wüssten wenig über gesunde Ernährung.
Mehrere Länder geben als Grund für ihren Verweigerungshaltung bürokratische Probleme an: "Wir müssen für jedes Kind einzeln nachweisen, dass es auch das Stück Obst oder Gemüse bekommen hat", sagte der sächsische Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) dem ZDF. Im Saarland, wo über 10.000 Schüler in einem Pilotversuch bis zu den Weihnachtsferien kostenloses Obst erhalten, ist die Bilanz des Umweltministeriums positiv. Für ein halbes Jahr wurde jede dritte Schule mit 100 Gramm Obst oder Gemüse je Schüler versorgt. Im April soll eine zweite "Projektphase" starten.
cht/afp/apn
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Hat man das nicht schonmal versucht und ist daran gescheitert? Ich wäre ja eher für die Auflösung der BRD und die Eingliederung der Bundesländer in die europäische Union... dreifache Verwaltung braucht jedenfalls keiner. ^^ mehr...
Zum einen habe ich gesehen, wie es andere EU-Länder machen. Da wird gegen Ende des Schultages ein mehr oder weniger appetitliches Stück Obst (geschnittene Ananas, ein Viertel Apfel oder ähnliches in Plastik verpackt) an die [...] mehr...
Eine Tüte reicht da wohl nicht: *Für ein halbes Jahr* wurde jede dritte Schule mit 100 Gramm Obst oder Gemüse je Schüler versorgt. For half a year, ... ;-) mehr...
Wenn den Ländern mit ihren aufgeblähten Administrationen schon dieses Pillepalle-Problem zu stressig ist, dann betteln diese Länder geradezu für ihre Auflösung. Es kann nur eines bedeuten: im Interesse aller Kinder dieser [...] mehr...
Zwei Aspekte fehlen im Bericht: 1. Das Programm dient leider auch dem Abbau von landwirtschaftlicher Überproduktion. Deutschland als relativ unbedeutender Obstproduzent hat wohl nicht den Rückenwind aus der Agrarlobby. Einfach [...] mehr...
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