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12.02.2010
 

Schülerstreik in Bayern

Mit Tomate gegen die Tücken des Turbo-Abiturs

Sie fordern mehr Zeit zum Lernen, kleinere Klassen und mehr Lehrer: In Bayern haben Tausende Schüler gegen die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre demonstriert. Viele Eltern und Lehrer schlossen sich an. Kultusminister Ludwig Spaenle traf ein Tomatenwurf an der Schulter.


Rund 5000 Schüler, Lehrer und Eltern haben am Freitag in Bayern für die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit demonstriert. Sie forderten weniger Schulstunden pro Woche, leichtere Aufgaben im Abitur, mehr Lehrer und kleinere Kurse. Auf Plakaten stand "G8 - nimmt uns die Nacht", "Wir sind überarbeitet, nicht die Lehrpläne" oder "G8 - Hirntotverdacht". Ein zorniger Schüler warf eine Tomate nach dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle und traf ihn an der linken Schulter.

Vor der Demonstration hatte Spaenle die Aktion als "Provokation" bezeichnet und gesagt, sie verletze die Schulpflicht. Er wurde sofort ausgepfiffen, als er die Bühne in München betrat, und kam erst zu Wort, nachdem einer der Organisatoren die Demonstranten um Ruhe gebeten hatte. Seine Teilnahme an einer Diskussionsrunde auf der Bühne sagte er nach dem Tomatentreffer ab.

"Ich sag ja nicht, dass es perfekt ist", so Spaenle zu den Demonstranten. Jede einzelne Schule müsse den Stundenplan individuell prüfen. Zudem kündigte er einen Vergleich der Halbjahresnoten zwischen G8 und G9 an. Der Prozess der Umstellung sei schwierig; damit könne man "politisch keinen Blumentopf gewinnen".

"Der Stress geht schon in der Früh los"

Allein in München versammelten sich bei Schnee und Minusgraden rund 2500 Demonstranten, noch mal so viele gingen in Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Kempten und Würzburg auf die Straße.

"Ich habe 39 Wochenstunden und keine Zeit für Freizeit", sagte die 17 Jahre alte Julia Biermeier, eine der Mitorganisatorinnen des Streiks. An drei Tagen pro Woche habe sie keine Mittagspause und bekomme erst um vier Uhr nachmittags etwas zu essen. "Wir wollen, dass für die Schüler, die nach uns kommen, was getan wird", forderte die Elftklässlerin.

Auch ihre Mutter marschierte bei der Demo mit. "Der Stress geht schon in der Früh los", sagte sie. Die Nerven der Schüler lägen blank, weil ihnen der Ausgleich fehle. Ähnlich sei es im Studium: "Bis sie ins Berufsleben eintreten, brauchen sie die erste Kur."

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, erklärte sich in einer Rede solidarisch mit den Schülern. "Bildung ist zu wichtig, als dass man sie nur den Politikern überlassen sollte", sagte er. Die Demonstrationen seien "gelebte Demokratiepädagogik" und "Politikunterricht vom Feinsten".

vet/apn/dpa

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insgesamt 82 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.02.2010 von fabian9: Gut

Das freut mich für Sie, allerdings fällt es mir trotzdem immer wieder schwer zu verstehen, warum man sich in Deutschland so schwer tut schneller mit der Ausbildung fertig zu werden. Ich finde es schade, dass man ihrer Ansicht [...] mehr...

23.02.2010 von fabian9: Falsch

Wow wo kommen denn die ganzen Mutmassungen her? Ich hab nicht das Amerikanische Schulsystem "genossen" und stimme voll und ganz zu, dass das Amerikanische System nicht sehr gut ist. Allerdings gibt es in diese Welt [...] mehr...

23.02.2010 von kamii: .

War doch nur ein Beispiel ;-) Ich denke, dass da eine Mitte gefunden werden muss, da das zwei Extreme sind. Ich kenne jetzt Ihre Gym-Zeit nicht, aber 5-8% hört sich so nach 70er-Jahren an. Und zur damaligen Zeit gingen [...] mehr...

22.02.2010 von ensarah: Die armen G8-ler...

Hallo ElCappitane! Ich gebe zu, dass ich auch schon einige Zeit aus der Schule raus bin (seit 2006) ich studier aber Lehramt und hab mich deswegen mit der neuen Oberstufe beschaeftigt. Ach ja und weil du ein G8-Schueler bist, [...] mehr...

17.02.2010 von auf.ein.wort: # 78 - @ kamii/Replik

Betrachtet man ausschließlich den Theoriedruck und die Stofffülle der beiden (Aus-)Bildungsgänge, haben Sie, was die Höherbelastung des Gymnasiasten anbelangt, fraglos recht. Aber - wie gesagt - man sollte, um zu einem [...] mehr...

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