Von Birger Menke und Jochen Leffers
Der Ausgang des Volksentscheids hat Konsequenzen, die weit über Hamburg hinausreichen. Alle Studien der vergangenen Jahre zeigten für Deutschland eine massive Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Schulleistungen - größer als in fast allen anderen Industrieländern. Zu häufig verlassen Jugendliche die Schule ohne jeden Abschluss oder mit einem Lernstand, der für den Berufseinstieg nicht ausreicht: Deutsche Schulen entlassen rund ein Fünftel Bildungsverlierer ohne echte Perspektive.
Kein Politiker kann leugnen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Doch wie gegensteuern? Allen voran die Grünen drängen darauf, Schüler - wenn überhaupt - möglichst spät zu trennen. Auch die SPD sympathisiert in weiten Teilen mit dem längeren gemeinsamen Lernen; die Linkspartei ohnehin. Demgegenüber halten CDU und FDP fast überall am dreigliedrigen System und der vierjährigen Grundschule fest.
Doch selbst in konservativ regierten Ländern ist das Schulsystem im Wandel: Sinkende Schülerzahlen bedeuten für die bei Schülern wie Eltern unbeliebte Hauptschule das Aus. Denn vielerorts sehen Kommunen sich gezwungen, Haupt- und Realschulen zusammenzulegen; oft drängen sie auch auf Gesamtschulen. Trotzdem sperren sich Länder wie Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Bayern dagegen, solche integrierten Schulformen flächendeckend zuzulassen.
Die Hamburger Koalition setzt bei den Grundschulen an. Christa Goetsch und Beust wären die ersten Politiker seit Jahrzehnten, die längeres gemeinsames Lernen durchfechten. Weil jede einzelne Schule in Hamburg sich verändern muss, ist es ein Wagnis mit großem Nachhall. Für andere Reformer wäre es der Beweis, dass ein echter Schulumbau gegen konservativen Widerstand bestehen kann.
Scheitert der Vorstoß aber, könnte die "Bildungsrepublik" sich im ängstlichen Zaudern, im Stillstand einrichten. Denn wer würde es noch wagen, ein solches Modell auf die Agenda zu setzen? Kaum etwas fürchten Landesregierungen mehr als eine Neuauflage der Schulkämpfe aus den siebziger Jahren. Vor der neuen Macht der Eltern erschauern sie. Das Saarland und Nordrhein-Westfalen steuern gerade mitten hinein in solche Auseinandersetzungen.
"Wer das Gymnasium abschaffen will, wird abgewählt", sagte der Bildungsforscher Wilfried Bos vor zwei Jahren im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Sollte die Oberschicht-Apo in Hamburg reüssieren, lautet die neue republikweite Lektion: Howgh, die Eltern haben gesprochen - wer das Gymnasium auch nur anfasst, wird abgewatscht.
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Ja, da sind wir wieder bei den 'faulen Säcken'... Sie als engagiertes Elternteil werden sicher die Kompetenz haben einen kompletten Berufsstand zu ver-/beurteilen. Beim Thema Schule ist es ähnlich wie beim Fußball: Jeder fühlt [...] mehr...
VOR die Wahlurne zu holen? Quatsch. Stimmenthaltungen oder gar nicht zur Wahl gehen sind Stimmen für die Gegner. Gestern eine Statistik veröffentlicht. 40 Prozent des vietnamesischen Nachwuchses besucht ein Gymnasium, 30 [...] mehr...
Da stimme ich zu. Aber glauben Sie im Ernst, dass man sich auf die "Bildungsstruktur" von Bayern oder Baden-Württemberg einigen könnte? Das sind doch Länder, die in der Pisa-Studie gut abschneiden. Aber deren [...] mehr...
Und die mindestens ebenso professionell betriebene Kampagne der Reformbefürworter, hat - trotz des Einsatzes erheblicher Steuermittel - eben nicht genug Klientel "an die Urnen gelockt". Offensichtlich gab es nicht [...] mehr...
Das sehe ich ähnlich. Bei der Vorstellung von Lehrpersonal, das mit dieser am Sonntag demonstrierten Schere im Kopf Schüler und Schülerinnen aus weniger privilegierten Familien unterrichtet, wünscht man sich ja fast ein weiteres [...] mehr...
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