Der neurotische Physikprofessor Boris Yellnikoff singt zweimal laut "Happy Birthday", wenn er sich die Hände wäscht. Das vernichtet alle Keime, meint er. Im Prinzip hat der Kauz aus Woody Allens Film "Whatever Works" Recht: Denn zweimal "Happy Birthday" dauert etwa 30 Sekunden. Und so lange sollte man sich seine Hände mit Seife und warmen Wasser reinigen. Das verringere die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, sagen Experten. Doch spielt die Wassertemperatur tatsächlich eine Rolle?
"Alles, was hilft, Partikel von der Hautoberfläche wegzuspülen, macht Sinn", sagt Axel Kramer, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald. "Und warmes Wasser ist ein besseres Lösungsmittel als kaltes."
Dieses Prinzip kennt jeder, der schon mal Geschirr abgespült hat. Auf unserer Haut befindet sich ähnlich wie bei Tellern und Besteck ein dünner Film aus Fett und Schmutzpartikeln. Daran kleben auch die Krankheitskeime, die wir beispielsweise an der Haltestange in der U-Bahn aufgesammelt haben, die zuvor ein erkälteter Fahrgast berührt hatte.
Mit ungewaschenen Händen nicht an die Augen fassen
Wer sich zu Hause die Hände mit Seife und warmem Wasser wäscht, löst den Fettfilm von den Händen besonders effektiv und spült damit auch einen großen Teil Keime davon. Das gelte nicht nur für Erkältungsviren, sondern auch für Erreger anderer Erkrankungen wie Grippeviren und Bakterien, sagt Kramer.
"Jeden einzelnen Keim schwemmt das Händewaschen zwar nicht weg, aber die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, ist von der Anzahl der Erreger abhängig, die der Körper aufnimmt", sagt Kramer. Effektives Händewaschen reduziert sie deutlich. Vor dem Händewaschen sollte man deshalb nicht mit den Händen ins Gesicht oder gar an den Mund fassen. Eine typische Eingangspforte für Erreger seinen auch die Augen. "Da sollten möglichst keine ungewaschenen Hände rumwischen", sagt Kramer.
In Erkältungszeiten oder während einer Grippewelle sei es generell sinnvoll, unterwegs so wenig wie möglich anzufassen. Viele Türen lassen sich beispielsweise mit dem Ellenbogen aufschieben. Ein guter Schutz sind im Winter auch Handschuhe: Sie wärmen nicht nur, sondern sorgen zugleich dafür, dass kein direkter Hautkontakt mit den Infektionsherden der Umwelt entsteht.
fln/dapd
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