"Sieht dir gar nicht ähnlich!" Oder auch: "Ganz die Mama" - wenn Väter solche Kommentare zum Sprössling bekommen, wankt mitunter ihre Überzeugung von der Vaterschaft. Solche Zweifel können begründet sein: Studien zeigen, dass etwa vier Prozent aller Kinder nicht vom angeblichen Vater stammen - es sind sogenannte Kuckuckskinder.
Folglich sind auch viele Geschwister in Wirklichkeit nur Halbbrüder oder Halbschwestern. Aber wie ist das bei Zwillingen: Ist wenigstens in diesem Fall eindeutig klar, dass sie denselben Vater haben?
"Das kommt darauf an, ob es sich um eineiige oder zweieiige Zwillinge handelt", sagt Christine Luckenbach vom Institut für humangenetische Analytik in Tübingen. "Eineiige Zwillinge haben tatsächlich zwangsläufig denselben Vater." Sie entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, haben das gleiche Erbgut und identische Erbanlagen. Dadurch sind sie optisch kaum oder auch gar nicht zu unterscheiden - das klassische "doppelte Lottchen". "Eineiige Zwillinge sind durch ein Spermium entstanden, und das kann ja nur von einem einzigen Vater stammen", erklärt Luckenbach.
Nicht so bei zweieiigen Zwillingen: Normalerweise entwickelt sich bei der Frau im monatlichen Zyklus nur ein befruchtungsfähiges Ei, manchmal sind es aber auch zwei. Für deren Befruchtung sind zwei Spermien nötig, damit zweieiige Zwillinge entstehen. "Das sind genetisch gesehen ganz normale Geschwister, sie werden eben nur zeitgleich geboren", erläutert Luckenbach.
Dadurch können beispielsweise auch ein Mädchen und ein Junge als Zwillingspaar zur Welt kommen. "Das Zeitfenster für eine Befruchtung der Eizellen kann bis zu fünf Tage betragen", sagt Luckenbach. Spermien bleiben 48 Stunden befruchtungsfähig. Hat eine Frau also in diesem Zeitraum Geschlechtsverkehr mit unterschiedlichen Männern, können demzufolge auch Zwillinge entstehen, die in Wirklichkeit nur Halbgeschwister sind.
ddp/jol
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