1000 Fragen: Hilft es, am Münz-Automaten zu reiben?

Man will eine Fahrkarte, eine Briefmarke oder einen Kaffee - "Pling" macht es, und wieder ist die Münze durchgefallen. Der echte Automaten-Profi reibt jetzt mit dem Geldstück eine Scharte neben den Schlitz. Aber bringt's das überhaupt?

Es bringt leider nichts. Genauso wie ein Placebo-Medikament eigentlich nicht wirkt, hat das eifrige Reiben neben dem Einwurf-Schlitz keinen Effekt. "Ein Aberglaube", der nicht totzukriegen sei, sagt Norbert Monßen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft.

Rubbeln am Automaten: Nützt gar nichts, sagt der Experte
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Rubbeln am Automaten: Nützt gar nichts, sagt der Experte

"Physikalisch ist das Reiben völlig bedeutungslos", sagt er. So eine Kiste funktioniere nämlich folgendermaßen: Jedes Gerät ist mit einem elektronischen Münzprüfer versehen. Dieser hat zu jeder Münze, die man in ihn hineinschmeißen darf, die genauen Daten abgespeichert.

Wenn die Münze durch den Schlitz kommt, vermisst der Prüfer sie: Größe, Leitfähigkeit und die elektromagnetischen Eigenschaften. Einige Automaten können sogar das Prägungsbild abtasten. "Entspricht die Münze nicht den gespeicherten Daten, spuckt der Automat sie wieder aus", sagt Monßen.

Durch Rubbeln, Reiben oder Kratzen lässt der Prüfer sich aber nicht beeindrucken. Die Münzen würden dadurch auch nicht elektrostatisch aufgeladen, ebenso wenig verändere sich ihre Dicke, sagt Monßen. Aber warum nimmt der Automat die Münze dann beim zweiten, dritten oder vierten Versuch? Wenn man ordentlich gerieben hat?

Einfach wieder versuchen - oder nächste Münze nehmen

Reine Glückssache - beim blitzschnellen Prüfvorgang kann es eben zu Fehlern kommen. Das passiere, wenn der Automat zu eng oder zu genau eingestellt sei - wenn der "eingespeicherte Toleranzrahmen" zu klein gefasst ist, so Monßen. Keine Münze gleicht der anderen völlig. Und so fallen Münzen wieder und wieder durch, weil der Prüfer sie nicht richtig erkennt. Und das nervt. Klar, dass man versucht, das Gerät irgendwie zu beeinflussen.

Die enge Toleranz sei aber "notwendig, um die Annahme von Falschgeld oder ausländischen Münzen sicher ausschließen zu können", sagt Monßen. Damit versuchen es die Leute immer wieder: Dänische Kronen passen manchmal, Dollar-Münzen und wer weiß, was noch.

Automaten-Profi Monßen rät, es einfach mehrmals zu versuchen oder die nächste Münze zu nehmen. Aber bloß nicht wieder rubbeln! Monßen ärgert das, weil der Lack am Automaten zerstört werde. Wie sind die Menschen eigentlich darauf gekommen, dass das funktionieren könnte? "Das kann ich mir auch nicht erklären", sagt Monßen. Der eine gebe seine Erfahrung an den nächsten weiter, "manche sind eben der Meinung, dass es hilft".

maf/ddp

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