Bayern: Ministerium verschickt Heu für 120.000 Euro

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Bayerns Landwirtschaftsminister: Helmut Brunners (CSU) Haus gab Geld für Heu Zur Großansicht
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Bayerns Landwirtschaftsminister: Helmut Brunners (CSU) Haus gab Geld für Heu

Bayern gilt als reiches Bundesland, diese Aktion wirkt denn aber doch überzogen. Das Landwirtschaftsministerium kaufte in großem Umfang Heu und verschickte es an Schulkinder. Kostenpunkt der Werbeaktion für die Landwirtschaft: rund 120.000 Euro.

Gut gerechnet müssten ungefähr 250 große Rundballen Heu in DIN-A4-Kuverts gestopft worden sein. Eine Heidenarbeit. Aber ein gutes Geschäft für einen unbekannten Landwirt und für eine Werbefirma, die dem bayerischen Landwirtschaftsministerium die wahrscheinlich sinnloseste Aktion des Vorwahljahres unterjubeln konnte.

Das Programm "Erlebnis Bauernhof", zu dem das Landwirtschaftsministerium bayerische Schulklassen animieren wollte, kam 2012 nicht so recht in Schwung. Eigentlich sollte jede 3. oder 4. Grundschulklasse einen Tag auf dem Bauernhof verbringen. Ein ausgesuchter "Erlebnislandwirt", der die Kinder durch seinen Hof führt, bekommt 140 Euro Honorar. Und bei den Schülern soll das Bewusstsein dafür wachsen, woher Nahrungsmittel stammen.

Die Buchungen für die Tagestouren "Vom Korn zum Brot" und "Vom Gras zur Butter" liefen zäh, vor allem im ländlichen Raum, wo man Schulkindern unterstellen darf, dass sie sich mit Ackerbau und Viehzucht ein wenig auskennen. Das Ministerium versuchte das Geschäft mit Duftproben anzukurbeln. Im November erreichten 11.350 Briefumschläge mit Heu die Grund- und Förderschulen.

Ministerium: Aktion kostete nur 50 Cent pro Schüler

Einer der Umschläge ging über die Schule auch an Familie Noichl in Rosenheim und damit an Maria Noichl, die für die SPD im bayerischen Landtag sitzt. Noichl wunderte sich, dass frisches Wiesenheu aus der Stadt München zu ihr aufs Land verschickt werden muss. Auf Noichls Nachfrage räumte das Ministerium ein, dass man für die Werbeaktion Heu für 25.000 Euro eingekauft hatte. Samt Infoblättern und Porto verschlang die Bauernhof-Reklame sogar 120.000 Euro.

Kein großes Ding zwar, wenn man den bayerischen Milliardenhaushalt betrachtet. Für die SPD aber ein willkommener Anlass, auf einen klaren Fall von verschwendeten Steuergeldern hinzuweisen. Zumal der Haushaltsposten 0803/TG 75, aus dem die Mittel für die Heu-Verschickung entnommen wurden, den Titel trägt: "Maßnahmen zur Begleitung des demografischen Wandels im ländlichen Raum".

Aus dem Ministerium heißt es, die Aktion habe unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, es habe aber auch positive Bewertungen der Schulen gegeben. Einige Lehrer würden bereits nach passenden Bauernhöfen in ihrer Umgebung suchen. Und schließlich habe man pro beschicktem Schüler ja nur 50 Cent ausgegeben.

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1.
at@at 05.04.2013
Die Meldung ist uralt... Ich habe über die Aktion schon letztes Jahr im Dezember einen Bericht im TV (BR) gesehen.
2. kann nicht sein
derdingens 05.04.2013
Der Rundballen Heu hat inklusive Anlieferung selbst bei Engpässen bisher nicht mehr als 120€ gekostet. Bei einem Gewicht von 250 kg (können auch 400 kg sein, aber wir wollens ja teuer rechnen) ergeben die 25.000€ 208 Ballen mal 250kg = 52.000kg Heu. Jeder Brief hätte da 4,5kg Heu enthalten ...
3. Gras ist nicht gleich Gras!!!
Steff-for 05.04.2013
Zitat von sysopBayern gilt als reiches Bundesland - aber warum gab das Landwirtschaftsministerium Tausende Euro für Heu aus und verschickte das getrocknete Gras an Schulkinder? Werbung, sagt das Ministerium und verteidigt die Aktion. Bayern: Ministerium verschickt Heu an Schüler - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/geschenk-fuer-bayerns-schueler-ministerium-verschickt-heu-fuer-25-000-euro-a-892822.html)
Egal ob alt oder nicht - es haut dem Zwangssteuerzahler den Vogel raus!!! Haben die Typen denn noch alle Latten am Zaun??? Wenn sie das Geld wirklich für Schulen eingesetzt hätten - ok, aber sich von so Werbedoldies derart übers Ohr hauen lassen ist sträflich! Wer also räumt diesmal seinen heiß geliebten Schreibtisch? Einen guten Effekt hats ja.... die Kids wissen jetzt, dass man Gras getrocknet nicht rauchen kann, schmeckt besch...eiden und heisst HEU. Gras wiederum ist auch illegal und gehört unter die BTM. Äh... doch nix kapiert :)
4. halb so wild
donald_rumsfeld 05.04.2013
dass diese Aktion unnötig ist leuchtet wohl vielen ein. Aber Bayern kann es sich leisten, weil es ein Geberland ist. Immerhin hat man für diese Geld eine materielle Sache erhalten. Setzt man die 120.000? in Relation zu >130.000.000.000? die die Rettung der HypoRealEstate gekostet hat (bei dem keine materielle Gegenleistung erbracht wurde), finde ich die Heulballengeschicht in Ordnung
5. Klientelpolitik
eagle29 05.04.2013
Dass die Aktion Steuergeldverschwendung pur ist, dürfte völlig klar sein. Wenn man dazu noch bedenkt, dass die Bauersfrau, die an einem Vormittag zwei Schulklassen auf ihrem Hof rum führt, zweimal 140€ dafür bekommt, haut es einem zusätzlich den Vogel raus. 280 Euro für ein bisschen Kinder rumführen. Die meisten Beschäftigten bei einer Zeitarbeitsfirma müssen für diese Summe eine ganze Woche lang malochen. Hier wird den ach so armen Landwirten wieder mal ein nettes Zubrot zugeschanzt.
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