Bildungs-Kleinstaaterei: Wie Schüler und Eltern am Schulchaos verzweifeln

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Von Hessen nach Bayern - Britta Beckmann wundert sich über das Ansehen der Hauptschule

Britta Beckmann, 48, Kinder Gina und Marlon: Angst vor dem Schulsystemwechsel Zur Großansicht

Britta Beckmann, 48, Kinder Gina und Marlon: Angst vor dem Schulsystemwechsel

"Ich hatte Angst, wie es wird mit dem Systemwechsel. Aber meine beiden Kinder hatten kaum Probleme, als wir vor einem Jahr aus der Nähe von Wiesbaden, Hessen, nach Giebelstadt in Bayern gezogen sind. Ich hatte eine Stelle als Sachbearbeiterin angeboten bekommen bei einem mittelständischen Unternehmen, einer Gebäudereinigungsfirma - ein sehr gutes Angebot, das ich annehmen wollte. Ich konnte den Umzug in die Sommerferien legen, so dass er mit dem Wechsel meines Sohnes von der Grundschule aufs Gymnasium zusammenfiel.

Glücklicherweise genügte es, die Gymnasialempfehlung vorzulegen, denn Übertrittszeugnisse gibt es in Hessen nicht. Für meine jüngere Tochter war es schon etwas schwerer: Sie kam in die vierte Klasse, und die Anforderungen sind an der bayerischen Grundschule deutlich höher, vor allem in Englisch.

In Hessen haben die Lehrer mit den Kindern spielerischer geübt, englische Lieder gesungen und solche Dinge. In Bayern musste sie ganz schön viel üben, um den Rückstand aufzuholen. Sie hat es dank ihrer engagierten Lehrerin gepackt und wird nach dem Sommer aufs Gymnasium gehen.

Aufgefallen ist mir, dass die Hauptschule hier in Bayern einen viel besseren Ruf hat. In Hessen rümpften viele die Nase, auch für mich wäre die Hauptschule nie in Frage gekommen. Hier ist es ganz normal, dass von 30 Kindern in der Klasse meiner Tochter fast ein Drittel auf die Hauptschule gehen wird. Niemand schämt sich dafür, das ist mein Eindruck.

Ein weiterer Unterschied: In Hessen läuft die Anmeldung für die weiterführende Schule über die Grundschule. Hier in Bayern muss man sich mit dem Übertrittszeugnis bei den Gymnasien in die Schlange stellen und hoffen, dass es klappt.

Auch wenn es bei uns gut gelaufen ist und ich nicht das Gefühl habe, meinen Kindern mit dem Umzug etwas Schlechtes getan zu haben, finde ich es absurd, dass jedes Bundesland sein eigenes Schulsystem hat. Kinder aus Ländern mit geringeren Ansprüchen werden so zu den absoluten Verlierern, sobald die Familie umzieht."

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Forum - Deutschland, ein Schul-Chaos-Land?
insgesamt 1101 Beiträge
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1. Quatsch mit Soße
Websingularität 07.07.2010
Zitat von sysopNeue Lehrpläne, neue Schulbücher, neue Anforderungen: Jedes Jahr ziehen Zehntausende Schüler um in ein anderes Bundesland - und müssen ausbaden, dass schulpolitisch jeder Bildungsminister macht, was er will. Die Kinder und Jugendlichen leiden unter dem Durcheinander, ihre Eltern ebenso. Deutschland, ein Schul-Chaos-Land?
Das Schimpfen auf das Bildungssystem gehört heutzutage zum guten Ton. In vielen Fällen sind einfach nur die Schüler zu verwöhnt und überdreht. Damit will ich ja nicht ausschließen, dass man das ein oder andere besser machen könnte.
2.
kamii 07.07.2010
Zitat von WebsingularitätDas Schimpfen auf das Bildungssystem gehört heutzutage zum guten Ton. In vielen Fällen sind einfach nur die Schüler zu verwöhnt und überdreht. Damit will ich ja nicht ausschließen, dass man das ein oder andere besser machen könnte.
Der erste Post und schon wird wieder der Schwarze Peter an die Schüler weitergereicht...tztzt
3. Ja!
PeterShaw 07.07.2010
Zitat von sysopNeue Lehrpläne, neue Schulbücher, neue Anforderungen: Jedes Jahr ziehen Zehntausende Schüler um in ein anderes Bundesland - und müssen ausbaden, dass schulpolitisch jeder Bildungsminister macht, was er will. Die Kinder und Jugendlichen leiden unter dem Durcheinander, ihre Eltern ebenso. Deutschland, ein Schul-Chaos-Land?
Ich will endlich ein Einheitssystem - am liebsten das Bremer, weil die bei PISA so toll abgeschnitten haben.
4. Herrgott gib Hirn
A&O 07.07.2010
Zitat von sysopNeue Lehrpläne, neue Schulbücher, neue Anforderungen: Jedes Jahr ziehen Zehntausende Schüler um in ein anderes Bundesland - und müssen ausbaden, dass schulpolitisch jeder Bildungsminister macht, was er will. Die Kinder und Jugendlichen leiden unter dem Durcheinander, ihre Eltern ebenso. Deutschland, ein Schul-Chaos-Land?
Ja. Aber offensichtlich lassen sich das immer weniger Eltern gefallen. Immerhin geht es um die Zukunft der Kinder. Genau daher wird auch die rein ideologisch motivierte Hamburger Schulreform in 1 1/2 Wochen scheitern. Sie würde im Übrigen nichts verbessern, sondern nur neues Chaos im alten stiften. Es muss einen Masterplan geben, um Deutschland in der Mittelmässigkeit versinken zu lassen. Anders lassen sich viele hiesige Entscheidungen nicht mehr erklären. Der Letzte macht das Licht aus.
5. Leseschwäche ?
alexl1966, 07.07.2010
Zitat von WebsingularitätDas Schimpfen auf das Bildungssystem gehört heutzutage zum guten Ton. In vielen Fällen sind einfach nur die Schüler zu verwöhnt und überdreht. Damit will ich ja nicht ausschließen, dass man das ein oder andere besser machen könnte.
Wo im Artikel steht bitte, dass das hohe Lernniveau in anderen Ländern moniert wird? Das Problem ist doch, dass jedes BL sein eigenes Süppchen kochen kann, und dass die Kultusminister der Länder hier eine Bühne für ihre Profilneurosen haben. Jeder meint, er hätte das beste Rezept. Und Kinder, die die Schule von einem Bundesland ins andere wechseln, müssen mal wieder die Folgen der Politik ausbaden. Hier ist eine Vereinheitlichung lnage überfällig! Und die hilflosen Erklärungsversuche von unseren Landespolitikern, warum das so beliebn muss, wie es ist, sind einfach nur lächerlich. Andere Länder in Europa machen Schulpolitik erfolgreich vor. Aber das funktionirt bei uns ja angeblich alles nicht. Ich habe übrigens drei schulpflichtige Kinder und kann täglich die "Errungenschfaten" der Schulpolitik in NRW bestaunen....
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