Bildungs-Kleinstaaterei: Wie Schüler und Eltern am Schulchaos verzweifeln
Von Hessen nach Bayern - Britta Beckmann wundert sich über das Ansehen der Hauptschule
"Ich hatte Angst, wie es wird mit dem Systemwechsel. Aber meine beiden Kinder hatten kaum Probleme, als wir vor einem Jahr aus der Nähe von Wiesbaden, Hessen, nach Giebelstadt in Bayern gezogen sind. Ich hatte eine Stelle als Sachbearbeiterin angeboten bekommen bei einem mittelständischen Unternehmen, einer Gebäudereinigungsfirma - ein sehr gutes Angebot, das ich annehmen wollte. Ich konnte den Umzug in die Sommerferien legen, so dass er mit dem Wechsel meines Sohnes von der Grundschule aufs Gymnasium zusammenfiel.
Glücklicherweise genügte es, die Gymnasialempfehlung vorzulegen, denn Übertrittszeugnisse gibt es in Hessen nicht. Für meine jüngere Tochter war es schon etwas schwerer: Sie kam in die vierte Klasse, und die Anforderungen sind an der bayerischen Grundschule deutlich höher, vor allem in Englisch.
In Hessen haben die Lehrer mit den Kindern spielerischer geübt, englische Lieder gesungen und solche Dinge. In Bayern musste sie ganz schön viel üben, um den Rückstand aufzuholen. Sie hat es dank ihrer engagierten Lehrerin gepackt und wird nach dem Sommer aufs Gymnasium gehen.
Aufgefallen ist mir, dass die Hauptschule hier in Bayern einen viel besseren Ruf hat. In Hessen rümpften viele die Nase, auch für mich wäre die Hauptschule nie in Frage gekommen. Hier ist es ganz normal, dass von 30 Kindern in der Klasse meiner Tochter fast ein Drittel auf die Hauptschule gehen wird. Niemand schämt sich dafür, das ist mein Eindruck.
Ein weiterer Unterschied: In Hessen läuft die Anmeldung für die weiterführende Schule über die Grundschule. Hier in Bayern muss man sich mit dem Übertrittszeugnis bei den Gymnasien in die Schlange stellen und hoffen, dass es klappt.
Auch wenn es bei uns gut gelaufen ist und ich nicht das Gefühl habe, meinen Kindern mit dem Umzug etwas Schlechtes getan zu haben, finde ich es absurd, dass jedes Bundesland sein eigenes Schulsystem hat. Kinder aus Ländern mit geringeren Ansprüchen werden so zu den absoluten Verlierern, sobald die Familie umzieht."
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- Mittwoch, 07.07.2010 – 16:20 Uhr
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