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12. Dezember 2012, 14:08 Uhr

Neuer Finanzbericht

Mehr Geld für Bildung als je zuvor

An der Bildung wird gespart? Eigentlich nicht. Für 2012 haben Bund, Länder und Gemeinden mehr Geld für das Bildungswesen veranschlagt als je zuvor. International steht Deutschland jedoch weiterhin recht knauserig da.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildung steigen dieses Jahr voraussichtlich auf etwas mehr als 110 Milliarden Euro - und damit auf eine Rekordsumme. Bund, Länder und Gemeinden veranschlagten für 2012 4,7 Milliarden Euro mehr für das Bildungswesen als im vergangenen Jahr. Das steht im aktuellen Bildungsfinanzbericht, den das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlichte. Allgemeinbildende und berufliche Schulen sollen demnach knapp 60 Milliarden Euro abbekommen, die Hochschulen fast 25 Milliarden Euro.

Endgültige Zahlen gibt es bisher nur bis zum Jahr 2009. Die öffentlichen Ausgaben für Bildung einschließlich der Jugendarbeit und Kindertagesstätten betrugen damals knapp unter 100 Milliarden Euro, im Jahr 2000 lagen sie noch bei unter 80 Milliarden Euro.

Den größten Teil der Bildungsausgaben schulterten erwartungsgemäß die Bundesländer, sie übernehmen gut 80 der veranschlagten 110 Milliarden Euro für 2012. Die Gemeinden zahlen fast 23 und der Bund 7 Milliarden Euro. Das Kooperationsverbot im Grundgesetz untersagt es dem Bund, die Bildung dauerhaft zu fördern. Pläne der Bundesregierung, das Verbot aufzuweichen, bezogen sich bisher nur auf Hochschulprojekte. Die SPD-geführten Länder fordern jedoch, dass der Bund sich auch beim Ausbau von Kitas, Ganztagsschulen und Bildungshilfen für Behinderte engagiert.

International unter dem Durchschnitt

Rechnet man die Bildungsausgaben auf die Bevölkerungszahl um, ergibt sich ein Betrag von 1356 Euro pro Einwohner. Auch das ist ein Rekordwert, 2009 ließen sich Bund, Länder und Kommunen die Bildung 1221 Euro pro Kopf kosten. Das Statistische Bundesamt erstellte den Bericht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz.

Die endgültigen Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor, Abweichungen sind möglich. So waren für 2011 zuerst 105,6 Milliarden Euro für das öffentliche Bildungswesen eingeplant, ausgegeben wurden dann 106,8 Milliarden Euro.

2010 lag das Gesamtbudget für Bildung, Forschung und Wissenschaft bei knapp 235 Milliarden Euro. Hier flossen neben den öffentlichen Ausgaben auch die von Unternehmen, privaten Haushalten, der Bundesagentur für Arbeit und dem Ausland mit ein. Auf öffentliche und private Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Berufsbildung entfielen 133 Milliarden Euro. Beide Beträge lagen über denen des Vorjahrs.

Während Deutschland im nationalen Vergleich also recht gut abschneidet, sieht es international düsterer aus. Die öffentlichen Ausgaben für alle Bildungsbereiche zusammen machten 2009 hierzulande 10,5 Prozent des gesamten Haushalts aus. Der Durchschnitt der OECD-Staaten lag bei 13 Prozent. Andere Länder schnitten deutlich besser ab. So flossen in Neuseeland und in Mexiko zum Beispiel mehr als 20 Prozent der öffentlichen Ausgaben in die Bildung, in der Schweiz waren es 16,4 Prozent.

Der Anteil, den öffentliche Stellen in Deutschland gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2009 in die Bildung investierten, betrug 5,1 Prozent. Hier lag der OECD-Schnitt bei 5,8 Prozent.

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