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Buchauszüge "Amok im Kopf"

4. Teil: Lektion 8: Vorbereitungen für einen Anschlag erkennen

Es kommt bei Schul-Amokläufern sehr häufig vor, dass sie ihr Vorhaben in der Fantasie durchspielen. Das kann sich in Zeichnungen, Animationen, Videos oder einer Kurzgeschichte äußern. Eric Harris und Dylan Klebold machten an der Columbine High School einen Videokurs. Einer ihrer Filme trug den Titel Hitmen for Hire (Auftragskiller). Darin ging es um ein schulisches Mobbingopfer, das Eric und Dylan anheuerte, alle Leute umzubringen, die ihn schikanierten. Neben diesem Projekt, das tatsächlich gefilmt wurde, redeten sie auch davon, ein Video über einen Anschlag in der Schulkantine zu drehen. Außerdem schrieb Dylan eine Geschichte über einen Mann, der eine Gruppe von Schülern umbringt. Michael Carneal schrieb eine Geschichte über einen Jungen, der Schüler verstümmelt, foltert und tötet. Jeffrey Weise machte einen Trickfilm über eine Person, die Unschuldige erschießt, ein Polizeiauto in die Luft jagt und sich dann selbst in den Kopf schießt.

Im Rückblick kann man diese Erzeugnisse unschwer als Warnzeichen deuten. Allerdings sind Schularbeiten, in denen es um Kriege, Verbrechen oder Horrorszenarien geht, in unserer Kultur allgemein üblich. Wie unterscheidet man einen potenziellen Amokläufer von einem Stephen-King-Epigonen?

Es gibt keine Garantie dafür, dass man potenzielle Killer durch eine ihrer Kurzgeschichten identifizieren kann. Wenn man Warnzeichen für einen Mord aus kreativen Erzeugnissen ablesen will, muss man sehr vorsichtig sein. Da aber Schul- Amokläufer häufig derartige kreative Ergüsse über ihre Taten vorgelegt haben, erscheint es sinnvoll, mögliche Warnzeichen zu identifizieren.

Dazu gehört die Identifikation des Schülers mit dem Gewalttäter. In Michael Carneals Geschichte beispielsweise heißt der Killer Michael. Außerdem tragen die Opfer alle Namen von Mitschülern. Diese Faktoren weisen auf eine unmittelbare Gefahr hin. Ein Schüler, der über den Mord an realen Mitschülern schreibt, muss genauer betrachtet werden.

In Dylans Geschichte ist zwar der Erzähler nicht der Mörder, aber es besteht eine eindeutige Identifikation. Dylan war Linkshänder, etwa 1,93 m groß und trug einen schwarzen Trenchcoat - ebenso wie die Hauptfigur in seiner Geschichte. Zudem äußerte der Erzähler Verständnis für die Morde und eine Bewunderung für den Mörder, die an Anbetung grenzte.

Das Ende der Geschichte lautet folgendermaßen: "So wie dieser Mann muss Gott sich fühlen. In seinem Gesicht sah ich Macht, Selbstzufriedenheit, Verschlossenheit und Göttlichkeit, und all das strahlte auch von ihm aus. Der Mann lächelte, und in diesem Augenblick, ganz von selbst, verstand ich ihn."

Dylan schuf also den Mörder nach seinem Bild, sein Erzähler äußerte Verständnis für den Massenmord und er versah einen kaltblütigen Mörder mit göttlichen Attributen. Solche Indizien können Lehrern oder Eltern helfen, mögliche Warnzeichen für Gewalt von Schülern zu identifizieren.

Erwähnenswert ist außerdem das Bedürfnis mancher Amokläufer, sich selbst mit ihren Waffen zu filmen. Eric Harris und Dylan Klebold drehten Videofilme, in denen sie sich, mit den Waffen in der Hand, über den geplanten Angriff unterhielten. Sie filmten sich auch bei Schießübungen mit ihren illegalen Waffen.

Kimveer Gill, ein Fünfundzwanzigjähriger, der 2006 zwanzig Studenten in Montreal erschoss, stellte 51 Fotos auf seine Homepage, die ihn allesamt in verschiedenen Posen mit seinen Schusswaffen zeigten. Seung Hui Cho stellte ein Multimedia- Manifest her, zu dem auch Fotos gehörten, auf denen er mit unterschiedlichen Waffen posierte. 2007 präsentierte ein finnischer Schüler namens Pekka-Eric Auvinen ein Video über seinen geplanten Angriff auf YouTube. Und wie bereits erwähnt, verhinderte die Mitarbeiterin eines Fotolabors, der Fotos von einem jungen Mann mit einem ganzen Arsenal von Waffen auffielen, ein Schulmassaker. Solche Aufnahmen können geplante Angriffe signalisieren.

Wenn ein Schüler in irgendeinem Projekt den Wunsch erkennen lässt, zu morden, dann muss man dem nachgehen. Die Geschichten oder Videos können sich als harmlos herausstellen, sie können aber auch die rote Flagge sein, die es uns ermöglicht, Menschenleben zu retten.

Die verheerendsten Amokläufe
Der Begriff Amok kommt von dem malaysischen Wort "amuk" und bedeutet so viel wie "wütend" oder "rasend". Mehr auf der Themenseite...

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Buchtipp

Peter Langman: "Amok im Kopf"

Beltz GmbH, Julius., 334 Seiten, 19,95 Euro.

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Zur Person
Kristin Greenberg / KidsPeace
Peter Langman arbeitet seit 20 Jahren als Psychologe, er ist klinischer Direktor der Organisation Kidspeace und spezialisiert auf jugendliche Patienten mit Gewaltneigung. Für sein Buch "Amok im Kopf" hat er die Fälle von zehn "School Shooters" in den USA untersucht - und beschreibt die Täter als psychopathische, psychotische oder traumatisierte Jugendliche.


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