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Schul-Umfrage: Deutsche wollen Gymnasium erhalten

Schüler in Bayern (Archiv): Diese Kinder lernen am besten, finden die Deutschen Zur Großansicht
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Schüler in Bayern (Archiv): Diese Kinder lernen am besten, finden die Deutschen

Was denken die Deutschen über Schule? Eine aktuelle Studie zeigt: Sie sind für Ganztagsschulen und für das Sitzenbleiben und vom bayerischen Schulwesen sehr angetan.

Die beste Schulbildung, davon sind mehr als die Hälfte der Bundesbürger überzeugt, gibt es in Bayern. Weniger gut lernt es sich ihrer Meinung nach in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Hamburg und im Saarland. Das ergibt zumindest eine repräsentative Telefonumfrage unter 2000 Männern und Frauen in Deutschland.

Einschränkend muss erwähnt werden: Entsprechend der Bevölkerungszahl in den einzelnen Bundesländern haben besonders viele Menschen aus Bayern - und besonders wenige aus dem Saarland sowie Hamburg und Sachsen-Anhalt teilgenommen.

Auftraggeber der "Schulstudie 2014" ist die CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Mike Mohring, CDU-Fraktionschef in Thüringen, hat sie am Montag in Berlin vorgestellt zusammen mit Julia Klöckner, CDU-Fraktionschefin in Rheinland-Pfalz (Studie als PDF). Die beiden dürften diese Ergebnisse gern präsentiert haben, entsprechen sie doch - wenig überraschend - in weiten Teilen der bildungspolitischen Agenda der Union.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • "Sind Sie für den Erhalt des Gymnasiums als Schulform?" 92 Prozent der Befragten sagten Ja. 7 Prozent verneinten die Frage.
  • "Schüler sollten auch weiterhin bei nicht ausreichender Leistung die Klassenstufe wiederholen." Dieser Aussage stimmten 76 Prozent der Befragten zu. 9 Prozent lehnten sie ab.
  • "Wie stehen sie zur Ganztagsschule?" Die Mehrheit (62 Prozent) sagt, sie seien für Ganztagsschulen mit freiwilligem Angebot am Nachmittag. Nur eine Minderheit (20 Prozent) befürwortet eine Ganztagsschule mit verpflichtender Teilnahme. Gleichzeitig sagten aber auch nur 16 Prozent der Teilnehmer, Halbtagsschulen seien ausreichend. Ganztagsschulen haben sich demnach also inzwischen in Deutschland durchgesetzt.
  • "Welche Rolle spielen Förderschulen für Sie im Bildungssystem?" 89 Prozent der Befragten sagen, sie seien ein wichtiger Bestandteil für ein ganzheitliches Bildungssystem. Nur 6 Prozent stimmen der Aussage zu: "Sie sind überflüssig und gehören abgeschafft."
  • Mehr Geld: In die Bildung, finden zwei Drittel der Befragten, sollte die Politik mehr investieren. Dafür würde ein Drittel auf Steuersenkungen verzichten. Drei Viertel der Befragten wünschen sich dabei mehr Investitionen in außerschulische Bildungsangebote.
  • Zweifel am Föderalismus: Der Wettbewerb zwischen den Bundesländern soll für eine höhere Qualität im Bildungsbereich sorgen - aber tut er das auch? 26 Prozent der Befragten glauben das, 46 Prozent glauben das nicht.

Unterdessen fordert der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, in der "Bild"-Zeitung eine 35-Stunden-Woche für Schüler. "Schüler lernen bis zu 45 Stunden in der Woche, mehr als viele Erwachsene arbeiten. Ich trete für eine maximale 35-Stunden-Woche ein", sagte Weinberg, der Jugendliche durch zu viel Schulstress gefährdet sieht.

Nach einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz muss jeder Schüler von der fünften Klasse an bis zum Abitur 265 Unterrichtswochenstunden erteilt bekommen. Bei einem achtjährigen Gymnasium (G8) entspricht dies im Schnitt 33,1 Unterrichtsstunden pro Woche, bei einem neunjährigen (G9) 29,4. Zwischen den neunten und elften Jahrgangsklassen werden diese Mittelwerte jedoch häufig überschritten.

Weinbergs Forderung ist allerdings nicht mehr als ein Appell. Schließlich ist Schulpolitik nach dem Grundgesetz reine Ländersache. Mit der Föderalismusreform von 2006 und der Einführung eines Kooperationsverbots von Bund und Ländern in der Bildung hat der Bund seine Gestaltungsmöglichkeit in der Schulpolitik aufgeben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand im Vorspann, die Deutschen seien gegen das Sitzenbleiben. Richtig ist - so wie es auch im Text steht: Die befragten Deutschen befürworten das Sitzenbleiben. Wir haben den Fehler korrigiert.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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fln/dpa

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Fehlerhafte Einleitung?
pallmall78 03.06.2014
Lt. Umfrage gibt es eine überwältigende Mehrheit (76%) FÜR das Sitzenbleiben. Denn das Wiederholen einer Klassenstufe bedeutet genau dies. Insofern müsste die Einleitung des Artikels geändert werden, auch wenn sie sich dann nicht mehr so hübsch anhört. Desweiteren interessant: Offenbar gibt es in Deutschland weiterhin eine große Mehrheit, die das Erwerben von Schulbildung mit der Forderung nach Leistung und mit Differenzierung verbindet und damit im Gegensatz zu den Homogenisierungsbestrebungen (oder deutlicher: Zur Gleichmacherei) rot-grüner Bildungspolitik steht. Diese Tendenz im Umfrageergebnis mag allerdings dem Auftraggeber der Befragung geschuldet sein...
2. gegen sitzenbleiben?
kamii 03.06.2014
"Schüler sollten auch weiterhin bei nicht ausreichender Leistung die Klassenstufe wiederholen." Dieser Aussage stimmten 76 Prozent der Befragten zu. 9 Prozent lehnten sie ab. Klingt für mich eher nach dem Gegenteil.
3. gegen sitzenbleiben?
kamii 03.06.2014
"Schüler sollten auch weiterhin bei nicht ausreichender Leistung die Klassenstufe wiederholen." Dieser Aussage stimmten 76 Prozent der Befragten zu. 9 Prozent lehnten sie ab. Klingt für mich eher nach dem Gegenteil.
4. Oh man
LDaniel 03.06.2014
Die Sache ist doch ganz einfach und sollte endlich auch einmal so gehandhabt werde. 1. Bildung wird alleinige Bundessache 2. Dreigliedriges Schulsystem beibehalten (insbesondere das Gymnasium) 3. Abitur nach 8 Jahren, Grund-/Volksschulzeit 4 Jahre. 4. Eignungstest fürs Gymnasium. 5. Ganztagsschulen (Am NM Sport und Lernen) 6. Sitzenbleiben beibehalten. 7. Die Autorität der Lehrer stärken, den Einfluss von Meckereltern zurückdrängen. 8.-100. : Das Gejammer irgendwelcher "Experten" oder "Mütter" ignorieren und nicht alle 2 Jahre aus Populismus wieder irgend etwas ändern. Es ist doch wirklich nicht so schwer... .
5. Deutsche wollen ja auch den kaiser wiederhaben oder noch schlimmer einen
criticalsitizen 03.06.2014
deshalb ist es noch lange nicht richtig oder sinnvoll, eine antiquierte Schulöform zu huldigen, die nichteinmal wirklich bessere Resultate erbringt. Oder weshalkb gibt es so wenig qualifizierte Hochulabgänger (außer der in den Hochschulen grassierenden kaufmännischen Lehre BWL), verglichen zu westlich freien Ländrn ohne "Gymnasium"(Übersetzt lat. Turnhalle, klingt ja so akademisch...)
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