Deutsche Pisa-Experten: Die Schülerlotsen

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4. Teil: Manfred Prenzel, Spezialist für Naturwissenschaften

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Ins Rampenlicht drängt sich Manfred Prenzel eher ungern. Als Leiter des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Kieler Uni stand er 2003 und 2006 an der Spitze des deutschen Pisa-Konsortiums, war auch schon an der ersten Pisa-Studie beteiligt. Prenzel gilt als zurückhaltender Pragmatiker und lässt sich nicht so leicht zu polemischen Thesen hinreißen.

2007 kam es zu einer Auseinandersetzung mit Andreas Schleicher, der zuvor erklärt hatte, man könne nicht von einer Verbesserung der Schüler in Deutschland reden, weil Pisa 2006 wegen einer veränderten Aufgabenstellung nicht mit den beiden früheren Studien vergleichbar sei. Prenzel widersprach: Die Ergebnisse seien "sehr wohl vergleichbar".

Auch bei der Frage nach dem Einfluss des Schulsystems deutet Prenzel die Pisa-Ergebnisse anders als Schleicher, der immer wieder die traditionelle Dreigliedrigkeit in Deutschland kritisierte. Aus Sicht des Forschers, der inzwischen Dekan an der TU München ist, findet man bei internationalen Tests Beispiele für alle möglichen Schulsysteme: gute Beispiele für gegliederte Schulsysteme und solche, die nur eine Schulart haben - aber auch schlechte Beispiele für beide Varianten. Viel wichtiger sei "das, was im Unterricht stattfindet, und ob die Schüler, egal welche Lernvoraussetzungen sie mitbringen, dort Anregungen finden, weiterzulernen". Das Schulsystem sei "nicht der letztlich entscheidende Faktor", so Prenzel.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Schleich dich
anrheiner111 06.12.2010
Zitat von sysopEine neue Pisa-Debatte rollt an. Wer sind die Köpfe, die in Deutschland hinter dem weltweiten Schulvergleich stecken? Und welche Auffassung vertreten sie in heiklen Fragen der Bildungspolitik? SPIEGEL ONLINE zeigt das Quartett der deutschen Pisa-Köpfe und weitere wichtige Experten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,732821,00.html
Naja, der selbsternannte Experte Herr Schleicher hat nicht wirklich den großen Durchblick bewiesen. Seine Mantras von der Ungerechtigkeit des Schulsystems sind Legende - und unbewiesen. Nicht nur er vergisst andauernd - es gibt neben dem klassischen Weg über das Gymnasium noch viele andere Wege zum Abitur. Das berufliche Schulsystem ist in Deutschland großartig aufgebaut und muss sich nicht verstecken. In den Beruflichen Schulen unseres Landes kann JEDER junge Mensch, der sich befähigt fühlt und halbwegs motiviert ist, JEDEN Schulabschluss entweder sofort machen oder nachholen. In Ländern wie Baden-Würt. oder NRW machen inzwischen ca. 45% aller Abiturienten das normale Abi gerade NICHT im klassischen Gymnasium, sondern z.B. im Wirtschaftsgymnasium - womit sie gleichzeitig eine berufliche Grundbildung im Leistungsfach erhalten (hier z.B. BWL und Rechnungswesen). Die klassische Schülerschaft dort sind Real- oder Gesamtschulabsolventen, die sich auf diesem Wege weiterqualifizieren, sogar Hauptschüler schaffen dies. Außerdem gibt's noch die Berufachschule wie die Höhere Handelsschule, die nach 2 Jahren zum "Fachabi" (FH-Reife, also FH-Sudienberechtigung) führt und deren Absolventen bei den Personalverantwortlichen für die Betriebliche Ausbildung sehr beliebt sind. Ganz zu schweigen von den Fachoberschulen, die Leute besuchen, die nach der betr. Ausbildung noch mal durchstarten wollen und in max. 2 Jahren zum "Voll-Abi" führt. Also Mr. Schleicher: erklären Sie mir mal, was daran UNGERECHT ist!!!! Ansonsten: schleich dich....
2. Das alles ist ein Fake!
bernhard 06.12.2010
Fragen Sie einfach mal Lehrer nach der Punkte-Notentabelle. In Berlin wurde diese in den letzten Jahren radikal geändert: um bis zu fast 60 Prozent darf man heute schlechtere Ergebnisse für dieselbe Note bringen als 2006. Es gibt keine objektive Leistungsbeurteilung mehr, es gilt für die Politik nur noch: durchwinken! Ergebnis: deutliche Verschlechterung der Leistungen. Aufgaben, die vor 5 Jahren noch "locker" möglich waren, sind heute "schwerst". Ebenso ist Ergebnis, dass Unternehmen nun Schülern Basiswissen beibringen. Erschütternd ist, ich habe die Tabellenanalyse BILD, allen Parteien und etlichen Zeitungen der OECD und dem BDI vorgestellt, allein das Handelsblatt hat Interesse gezeigt.
3. Bei PISA gibt es keine Kritik
achwas35 06.12.2010
Auch die kritischsten Geister scheinen beim Wort PISA spontan die Hacken zusammenzuschlagen und ehrfürchtig staunend Befehle entgegen zu nehmen. Wenn man erlebt hat, was Schüler in hochgelobten PISA-Ranglisten-Spitzenplatz-Ländern im Schulalltag wirklich leisten, bekommt man schnell Zweifel am vernichtenden Urteil über die deutschen Schulen. Aber bevor man die Studien anzweifelt, wird lieber unser gesamtes Schulsystem umgekrempelt. ----- Den Ratschlägen von "Experten" folgend, werden unsere Schulen seit 50 Jahren ununterbrochen verbessert - mit so herrlichen Dingen wie Mengenlehre und Ganzwortmethode (falls sich noch irgendjemand erinnert). Das Dumme ist nur, dass die Fachleute von früher heute für Deppen (oder Schlimmeres - siehe v. Hentig) gehalten werden. Und ich fürchte stark, dass die Fachleute von heute in der Zukunft wieder nichts gelten werden.
4. @anrheiner111: Das ist ungerecht:
norbertr 06.12.2010
Zitat von anrheiner111Naja, der selbsternannte Experte Herr Schleicher hat nicht wirklich den großen Durchblick bewiesen.
Wenn du schon so anfängst, lieber wirklicher Experte anrheiner111, willst du dann wirklich ernst genommen werde? Ungerecht ist, dass Schüler aufgrund der idiotischen Schularttrennung, dem damit verbundenen Leistungsdruck und der bei vielen dann daraus resultierenden Lernunlust und -demotivation den langen Weg gehen müssen und dabei Staat und Eltern auf der Tasche liegen. Betrogen werden Sie um das entgangene Gehalt, dass sie anders früher erzielen würden, um den Spaß am Lernen und die Freude an einem prägenden und wichtigen Lebensabschnitt. Die Vita von Andreas Schleicher ist dafür das beste Beispiel. Die Möglichkeit über Berufsoberschulen, Fachbereichsaufbauklassen, Handwerksbildungskollege oder was es sonst noch an Skurrilitäten gibt einen höheren Abschluss nachzuholen, ist ja wohl nur selbstverständlich. Und wer sind die Kunden dieser Bildungseinrichtungen? Kinder aus Familien mit sozial schwachem Hintergrund, deren Eltern die das Familienklima so fördernde Paukerei mit dem Nachwuchs mangels Bildung und Geld für Nachhilfeunterricht schlicht nicht leisten können. Das findest du im Unterschied zu Andreas Schleicher gerecht? Denk lieber mal nach statt das deutsche Bildungssystem auswendig zu lernen.
5. Sie haben das alles nicht verstanden
gorge11 06.12.2010
Zitat von anrheiner111Naja, der selbsternannte Experte Herr Schleicher hat nicht wirklich den großen Durchblick bewiesen. Seine Mantras von der Ungerechtigkeit des Schulsystems sind Legende - und unbewiesen. Nicht nur er vergisst andauernd - es gibt neben dem klassischen Weg über das Gymnasium noch viele andere Wege zum Abitur. Das berufliche Schulsystem ist in Deutschland großartig aufgebaut und muss sich nicht verstecken. In den Beruflichen Schulen unseres Landes kann JEDER junge Mensch, der sich befähigt fühlt und halbwegs motiviert ist, JEDEN Schulabschluss entweder sofort machen oder nachholen. In Ländern wie Baden-Würt. oder NRW machen inzwischen ca. 45% aller Abiturienten das normale Abi gerade NICHT im klassischen Gymnasium, sondern z.B. im Wirtschaftsgymnasium - womit sie gleichzeitig eine berufliche Grundbildung im Leistungsfach erhalten (hier z.B. BWL und Rechnungswesen). Die klassische Schülerschaft dort sind Real- oder Gesamtschulabsolventen, die sich auf diesem Wege weiterqualifizieren, sogar Hauptschüler schaffen dies. Außerdem gibt's noch die Berufachschule wie die Höhere Handelsschule, die nach 2 Jahren zum "Fachabi" (FH-Reife, also FH-Sudienberechtigung) führt und deren Absolventen bei den Personalverantwortlichen für die Betriebliche Ausbildung sehr beliebt sind. Ganz zu schweigen von den Fachoberschulen, die Leute besuchen, die nach der betr. Ausbildung noch mal durchstarten wollen und in max. 2 Jahren zum "Voll-Abi" führt. Also Mr. Schleicher: erklären Sie mir mal, was daran UNGERECHT ist!!!! Ansonsten: schleich dich....
Pisa ist von der OECD. Das ist eine Nachfolgeorganisation der CARE-Pakete-Firma nach dem 2ten Weltkrieg. Man interessiert sich für das Wirtschaftwachstum jedes einezelnen Mitgliedslandes, inwieweit sich es dadurch erhöhen lässt, dass seine Firmen in einem andreren (mitglieds)ländern expandieren. Das betrift die Herstellung/vertrieb aber auch den Kauf erklärungswürdiger Produkte und Dienstleitungen. PISA bieten nun Entscheidungskriterien soweit es die Schulbildung möglicher Arbeitkräfte und auch Kunden im Zeilland betrifft, anhand derer ausländischer Firmen investieren sollen oder nicht, und ob die Regierungen dabei holfen sollen. Ein Bildungsssytem dass nur hochkommunikative NS-Gedenkstätten-Leiter produziert, und Kernphysiker, die massenweise nach CERN berufen werden, interressiert nicht im Hinblick auf PISA. Es nutzt ja nichts, wenn sie nicht wissen, wenn sie PIZZA ausfahren sollen, für eine Pizza-Kette. Insbesondere der Markt für Arbeitkräfte, die nicht so attraktiv sind, aber billig, -das hilft beim Markteintritt im Ausland- bietet kein hinreichendes Mindestniveau. Es ist der PISA egal, ob die Schüler am Ende Abitur schaffen oder nicht, wenn manche/viele ausgesiebt werden, sind ja nicht mal mit komplexeren Dingen in Kontakt gekommen, und das interssiert die PISA. Wenn sie gut abschliessen, und auch sonst keine Makel haben, sind sie ja schon woanders, und nur teuer abzuwerben, und das interessiert die PISA, das sonst nichts mehr da ist. PISA ist kein Selbstbeweihräucherungstool für Schul(amts/ministeriums)personal.
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