Von Jochen Leffers
"Mr. Pisa" international: Andreas Schleicher ist bei der OECD der weltweite Koordinator der Pisa-Studien. Dass er sich mit scharfer Kritik am deutschen Bildungssystem nie zurückhielt, machte ihn zu einer Reizfigur für die deutschen Kultusminister. Bei Pisa piesackt er sie immer wieder mit Zwischenrufen aus Paris. Der Statistiker und Bildungsforscher monierte besonders das schleppende deutsche Reformtempo, die frühe Selektion bereits nach der vierten Klasse sowie die Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Auseinandersetzungen gab es bereits nach der ersten Pisa-Studie, 2007 kam es zum Eklat: Mehrere deutsche Kultusminister forderten seine Entlassung - was Schleicher als "absurde Posse" bezeichnete.
Vor der neuen Pisa-Veröffentlichung 2010 gab Andreas Schleicher sich ungewohnt schmusig und attestierte Deutschland "Riesenfortschritte", vor allem bei der frühkindlichen Bildung, der Schulstruktur und beim Zentralabitur. Das frühe Sortieren schon unter Zehnjährigen hält der streitbare Pisa-Koordinator jedoch weiter für einen Fehler und kann auch nicht erkennen, dass Bildungspolitik in Deutschland Chefsache ist.
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