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Frisch preisgekrönt: Das beste eingewanderte Wort

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Von Anorak bis Zebra: Die deutsche Sprache ist reich an zugereisten Vokabeln. Die schönsten "Wörter mit Migrationshintergrund" - das Goethe-Institut hat sie gesucht und gefunden. "Fisimatenten" war ein Favorit, "Currywurst" weit vorn. Aber das Gewinner-Wort kommt aus Ungarn.

Die lieben Fremdwörter: Meeting, Wording, Workout? Postmodern, Performance, Postage Point? Gender Mainstreaming? Haben Sie verstanden? Viele Menschen reagieren verschnupft auf den Fremdwort-Overload, Verzeihung: die Überfrachtung der deutschen Sprache. Der Oma beim Sonntagskaffee darf man mit diesem Kauderwelsch nicht kommen. Und dem gestrengen Deutschlehrer schon gar nicht.

Aber ist das eigentlich sinnvoll? "Sobald von eingewanderten Wörtern die Rede ist, denkt der eine oder andere gleich an einen drohenden Verfall der deutschen Sprache", sagt Katharina von Ruckteschell, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts. Gerade deshalb rief das Institut einen Wettbewerb aus - auf der Suche nach dem "besten eingewanderten Wort", dem schönsten Wort mit Migrationshintergrund.

3500 Wörter aus 42 Sprachen

Der Gewinner steht jetzt fest: Trommelwirbel, Tusch - "Tollpatsch", aus dem Ungarischen ins Deutsche eingewandert, überzeugte die Jury am meisten. Barbara Eulberg aus Berlin reichte das Wort ein. Als Preis erhält sie eine Reise nach Ungarn und wurde am gestrigen Freitagabend beim internationalen Goethe-Symposium zur "Nationalkultur" im Berliner Bode-Museum ausgezeichnet.

Der Rücklauf war enorm: "Uns erreichten über 3500 Wort-Einsendungen aus 42 Sprachen", sagt Katharina von Ruckteschell. Darunter waren so exotische Zungen wie Hindi, Nahuatl (Aztekisch), Japanisch, Malaiisch, Jiddisch, Norwegisch, Schwyzerdütsch, Kiswahili oder Kalaallisut (Grönland).

Eins ist für das Goethe-Institut völlig klar: Deutsch ist eine Einwanderungssprache. Dass die Sprache so viele Wörter eingemeindet hat, ist ein Beweis dafür, wie lebendig sie ist. Und die "Einwanderung" ins Deutsche gibt es, seit es die Sprache gibt. Manche Ausdrücke haben sich festgesetzt, andere waren Mode-Erscheinungen, die bald wieder verschwanden. "Sprache entwickelt sich immer weiter. Ob neue Wörter sich durchsetzen, hängt von den Sprechern ab", sagt von Ruckteschell.

Um beim Wettbewerb mitmachen zu können, musste man sein migrantisches Lieblingswort einsenden - und eine Begründung aufschreiben, warum gerade dieses Wort das beste ist. Das sah dann zum Beispiel so aus:

Lieblingswort: Hängematte
"Wer sich an einem deutschen Samstag in seinem Garten, zwischen Apfelbaum und Jägerzaun, für eine bescheidene halbe Stunde in seine Hängematte flegelt, um in enttäuschter Sehnsucht von karibischer Ruhe zu träumen, findet immerhin Trost in der Sprache."

Zur Erklärung: Die "Hängematte" ist aus der haitianischen Ureinwohnersprache ("Amaca") über Spanien ("Hamaca") und Holland ("Hangmak") ins Deutsche eingewandert. Am häufigsten reichten die Sprachliebhaber "Fisimatenten" ein, nämlich 150 Mal. Auf 69 Einsendungen brachte es das Wort "Tohuwabohu", 44 Mal kam "Hängematte", 39 Mal "Schokolade" und 35 Mal "Döner".

Wer möchte schon einen "Milchschüttel" trinken?

"Wir haben aus allen Winkeln der Erde Post bekommen", sagt Katharina von Ruckteschell - zum Beispiel aus China, Australien, Rumänien, Weißrussland, Tansania, Togo, Bolivien, Benin oder Armenien. Der jüngste Teilnehmer war sieben Jahre alt, der älteste 86. Auch etwa 30 Schulklassen, meist aus Deutschland und Osteuropa, haben klasseninterne Wettbewerbe veranstaltet und ihre Ergebnisse geschickt.

Beim separaten Schülerwettbewerb gewann der "Milchshake". Achtklässler aus Gersthofen schreiben dazu völlig zu Recht, es gebe "keine treffende deutsche Übersetzung" - denn "wer möchte schon einen 'Milchschüttel' trinken?"

Zu den Juroren zählten Jutta Limbach, Loriot, Anne Will, Wolfgang Thierse, Matthias Wermke (Leiter der Dudenredaktion) und Hans Barkowski von der Universität Jena. Fünf Wörter konnte das Goethe-Institut auszeichnen, es kamen aber noch viel mehr tolle Vorschläge. Darum werden die rund 80 besten Wörter in einem Sammelband veröffentlicht, der im Hueber Verlag erscheint und am gestrigen Freitag bei der Berliner Preisverleihung vorgestellt wurde. Ein kleines ABC der migrantischen Wörter - zum Teil mit Beiträgen aus diesem Buch - haben wir in der Fotostrecke am Anfang des Artikels zusammengestellt.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Begründungen zu fünf Gewinner-Wörtern - wenn Sie hier einmal schauen möchten:

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Wanderwörter-ABC: Von Anorak bis Zebra


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