Bildungsreform: Länder streben vergleichbares Abitur an

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Abiturprüfung 2013: Bald soll es deutschlandweit gleichwertige Aufgaben geben

Die Bundesländer schrauben weiter am Abitur: Die Kultusminister planen, die Abituraufgaben bundesweit vergleichbarer zu machen. Ab 2016 soll es einen Pool von Musteraufgaben geben, aus dem die Länder sich bedienen können.

Nein, ein deutsches Einheitsabitur von der Nordsee bis zu den Alpen wollen die Kultusminister bestimmt nicht. Gleichwohl streben sie bei ihrem Treffen ab diesem Donnerstag in der Lutherstadt Wittenberg den Aufbau eines gemeinsamen Aufgabenpools an sowie einheitliche Prüfkriterien. Damit rücken die 16 Bundesländer so eng zusammen wie noch nie in der 225-jährigen Geschichte der Allgemeinen Hochschulreife. Das Vorhaben gilt für viele als die größte Reform des deutschen Abiturs seit Einführung der gymnasialen Oberstufe 1972.

Der Titel der Beschlussvorlage klingt zunächst bürokratisch und wenig spannend: "Konzeption für die Entwicklung und Nutzung eines Pools von Abiturprüfungsaufgaben sowie zur Beschreibung allgemeiner Kriterien für die Gestaltung, Korrektur und Bewertung standardbasierter Abiturprüfungsaufgaben". Dahinter verbirgt sich ein neues kompliziertes System, mit dem die Kultusminister die Qualität des Abiturs künftig von Bundesland zu Bundesland vergleichbarer machen wollen.

Konkret heißt das: Zwar keine gleichen, zentral gestellten Prüfaufgaben, wohl aber gleichwertige für alle Bundesländer - abgesichert durch wissenschaftliche Begleitung des ländereigenen Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin. Die Aufgaben dazu können sich die Länder aus einem Pool beim IQB fischen. 15 Millionen Euro machen die Kultusminister dafür in den nächsten beiden Jahren extra locker.

Abiturergebnisse bislang kaum vergleichbar

Der alte Katalog mit den noch relativ leger gefassten "Einheitlichen Prüfungsanforderungen" (EPA) für die gymnasiale Oberstufe wird abgelöst durch die neuen bundeseinheitlichen Bildungsstandards für die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch/Französisch. Die Naturwissenschaften folgen.

Von 2016 an sollen dann Abi-Klausuren und Prüfungen nach bundesweiten Kriterien und einem einheitlichem "Erwartungshorizont" erfolgen. Für das ein oder andere Bundesland bedeutet dies auch die Preisgabe spezieller, oft seit Jahrzehnten gepflegter Eigenarten.

Für die empirische Schulforschung ist die gymnasiale Oberstufe mit dem Abitur bisher ein Buch mit sieben Siegeln - anders als die Grundschule und die Sekundarstufe I (Klassen fünf bis zehn). Durch die vielen Iglu- und Pisa-Tests liegen inzwischen eine Fülle auch länderspezifischer Ergebnisse vor, die etwa den großen Lernvorsprung 15-Jähriger aus Bayern im Vergleich zu Gleichaltrigen aus Bremen aufzeigen. Dass nun auch das Abitur im Süden der Republik zu einer besseren Studierfähigkeit führt als das im Norden - dafür gibt es allerdings bislang keine harten wissenschaftlichen Belege.

Einen ersten, vagen Anhaltspunkt über den unterschiedlichen Studienerfolg von Abiturienten aus verschiedenen Bundesländern könnte eine bislang nahezu unbeachtete Übersicht des Statistischen Bundesamtes liefern (Dokument als PDF). Danach liegen acht Jahre nach Studienbeginn bei den akademischen Abschlüssen jene Abiturienten vorn, die aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein kommen. Während Abiturienten aus Sachsen und Thüringen trotz der guten Pisa-Ergebnisse in diesen Ländern eher unterdurchschnittlich abschneiden. Abiturienten aus Berlin dagegen, dessen Schulsystem immer wieder in der heftigen Kritik steht, schaffen häufiger einen akademischen Abschluss als im Bundesschnitt.

Wobei die Daten mit Vorsicht zu interpretieren sind. Denn unberücksichtigt bleiben in der Erfolgs-Statistik soziale Herkunft und materielle Förderung der Abiturienten während ihres Studiums - ebenso wie der mögliche Nutzen von Auslandssemestern, Praktika oder einer vorgeschalteten betrieblichen Lehre.

Karl-Heinz Reith/dpa/fln

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insgesamt 11 Beiträge
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1. .
Jom_2011 19.06.2013
Man muß nur das Thema Bildung an den Bund delegieren, schon hat sich diese Kleinstaaterei nebst Ansammlung der Bürokrateninseln in den jeweiligen Landesministerien von allein erledigt.
2. Nachtigall ...
dafor 19.06.2013
Zitat von sysopDie Bundesländer schrauben weiter am Abitur: Die Kultusminister planen, die Abituraufgaben bundesweit vergleichbarer zu machen. Ab 2016 soll es einen Pool von Musteraufgaben geben, aus dem die Länder sich bedienen können. Gleichwertige Aufgaben: Länder wollen beim Abitur zusammen arbeiten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/gleichwertige-aufgaben-laender-wollen-beim-abitur-zusammen-arbeiten-a-906661.html)
Was diese Politiker wirklich wollen ist die Etablierung eines Marktes für Bildungsdienstleister und verbunden damit der moralische Ruin der öffentlichen Bildungseinrichtungen. Die Schule ist nicht gesunder als die Gesellschaft die sie hervorbringt und trägt. Wie kann das Bildungssystem in Deutschland neugierige, mit Wissen und Können ausgestattete junge Leute in der erforderlichen Zahl und Art hervorbringen wenn diese Werte in unserer Gesellschaft bestenfalls geduldet und jedenfalls nicht hoch angesehen sind? Das was die Straatsparteien in den letzten Jahren zum Thema Schule gemacht haben hat sich als nicht förderlich erwiesen. Ein Neubeginn ist erforderlich, der das dreigliedrige Schulsystem zeitgemäß implementiert. Gymnasiumsquoten von 50% sind ein Unsinn und Resourcenverschwendung. Die Stellung der Lehrer gehört gestärkt und nicht weiter geschwächt!
3. Das war's
mike_litoris 19.06.2013
ab 2016 gibts nur Abiturienten aus Baden-Württemberg und Bayern.
4.
hjm 19.06.2013
Zitat von Jom_2011Man muß nur das Thema Bildung an den Bund delegieren, schon hat sich diese Kleinstaaterei nebst Ansammlung der Bürokrateninseln in den jeweiligen Landesministerien von allein erledigt.
Warum auf halber Strecke stehen bleiben? Wenn Kleinstaaterei schlecht ist, wäre es doch noch besser, das ganze Bildungswesen an die EU zu delegieren.
5. so so
sebastian_stgt 19.06.2013
[Zitat Anfang] 1. Jom_2011 heute, 17:04 Uhr Man muß nur das Thema Bildung an den Bund delegieren, schon hat sich diese Kleinstaaterei nebst Ansammlung der Bürokrateninseln in den jeweiligen Landesministerien von allein erledigt. [Zitat Ende] Zentralismus macht nichts besser. Im Gegenteil - es wird eine lebensferne Verwaltung aufgeblasen. Deutschland war auch - abgesehn von 12 unseligen Jahren - nie ein zentralistisches System. Die politische Kultur ist (vielleicht von altpreussischen Gebieten abgesehn) auch eine andere.
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