Bizarrer Rechtsstreit: Zank um 17 Meter Schulweg

Durch welche Tür man geht, kann entscheidend sein: Weil ein Kind in Ibbenbüren sein Elternhaus durch den Seiteneingang verlässt, wollen die Eltern eine kostenlose Schülerkarte für den Nahverkehr. Die Stadt bemisst den Schulweg anders - was die Familie teuer zu stehen kommt.

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Kinder auf dem Schulweg: Kurze Beine, kurze Wege?

Ein Elternpaar aus dem Münsterland will vor Gericht erstreiten, dass die Stadt Ibbenbüren ihnen das Schülerticket ihres Kindes für das vergangene Schuljahr bezahlt.

Die Fahrkarte kostet 390 Euro im Jahr und normalerweise kommt die Stadt dafür auf, allerdings nur, wenn der Schulweg mindestens zwei Kilometer lang ist. Beide Seiten, Eltern und Stadt, haben nun nachgemessen - mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Laut Stadtverwaltung misst der Weg 1983 Meter von der Eingangstür des Hauses bis zum Schulgelände - und damit 17 Meter zu wenig für eine Erstattung. Die Familie des Schülers geht von mindestens 25 Metern mehr aus, und kommt so auf 2008 Meter - dann wäre das Ticket kostenlos.

Die Begründung der Eltern: Die Stadt haben von der falschen Tür aus gemessen, da die Tür an der Vorderseite des Hauses aus Energiespargründen fest verschlossen sei. Das Kind verlasse das Haus darum durch eine Seitentür, dieser Umweg betrage zehn zusätzliche Meter. Die Eltern argumentieren weiter, der Schulweg ende erst im Schulgebäude, weshalb auch der Weg über den Schulhof mitzähle.

Da die Stadt bisher an ihren Bemessungsgrundlagen festhält, hat die Familie geklagt. Ende August findet die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Münster statt. (Aktenzeichen 1 K 1366/11, VG Münster)

voe/dpa

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