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Schul-Umfrage: Deutsche wollen Leistung sehen

Von Jan Friedmann

Gymnasialklasse in Baden-Württemberg (Archiv): Sitzenbleiben gut, Noten auch Zur Großansicht
DPA

Gymnasialklasse in Baden-Württemberg (Archiv): Sitzenbleiben gut, Noten auch

Schüler sollen sitzenbleiben können, Noten sind sinnvoll: Die Deutschen plädieren mehrheitlich für leistungsorientierte Schulen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, über die der SPIEGEL berichtet.

Die Bundesbürger wünschen sich mehrheitlich ein leistungsorientiertes Schulsystem. Das legt das Ergebnis einer Umfrage nahe, die das Ifo-Institut in München kommende Woche veröffentlicht und über die der SPIEGEL vorab berichtet.

Die ganze Geschichte lesen Sie hier im neuen SPIEGEL.

Für das erste Ifo-Bildungsbarometer befragte TNS Infratest mehr als 4000 erwachsene Deutsche. Jeweils mehr als drei Viertel der Befragten sind dagegen, Schulnoten oder das Sitzenbleiben abzuschaffen. Ebenso viele Befragte legen Wert darauf, dass deutsche Schüler in internationalen Leistungsvergleichen wie Pisa gut abschneiden.

85 Prozent fordern deutschlandweit einheitliche Abiturprüfungen. Die Zahlen zeigten, schreibt das Autorenteam um den Bildungsökonomen Ludger Wößmann, "dass den meisten Deutschen eine klare Leistungsorientierung in den Schulen wichtig ist".

In der Frage, ob das Gymnasium acht oder neun Jahre lang dauern soll, bevorzugen 52 Prozent der Ostdeutschen G8, während das Turbo-Abitur nur bei 25 Prozent der Westdeutschen auf Zustimmung stößt.

Bayern will G8 entschleunigen

Im bundesweiten Durchschnitt kommt das achtjährige Gymnasium auf eine Zustimmung von 30 Prozent. Eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 ist unpopulär. Die Zahlen zur Gymnasialdauer entsprechen ungefähr dem Ergebnis früherer Umfragen, die eine Präferenz der Befragten für G9 zeigten. Allerdings sind die Meinungsverhältnisse in anderen Fragen der Schuldiskussion klarer, zum Beispiel beim Sitzenbleiben und bei den Schulnoten.

Diese Woche beginnt in Hamburg ein Volksbegehren für die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. In Bayern stellt die regierende CSU Optionen für G9-Anhänger in Aussicht, zum Beispiel durch eine entschleunigte Mittelstufe. In Hessen haben die Gymnasien die Wahl, ob sie ihre Schüler in acht oder neun Jahren zum Abitur führen wollen. Niedersachen hat im Frühjahr angekündigt, neun Jahre wieder zur Regel zu machen.

Die Landesregierungen folgen damit dem Druck von Elterninitiativen, die auf die hohe Arbeitsbelastung von Schulkindern hinweisen. Allerdings ergab eine andere Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Versandhändlers Jako-o, dass nur wenige Mütter und Väter ihre Sprösslinge für überfordert halten - bei kürzerer Schullaufbahn sind es neun Prozent, bei längerer fünf Prozent. Im August stellte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln eine Studie vor, wonach G8 die Gymnasiasten keineswegs unglücklich mache.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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insgesamt 120 Beiträge
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1. Zu viele Köche
stesch 14.09.2014
Sollte diese Umfrage repräsentativ sein, dürfte es Schulpolitikern eigentlich nicht schwer fallen, das deutsche Schulwesen zu reformieren. Leider tragen zu viele Stimmen zur Kakophonie bei: Eltern-Initiativen, GEW, Besitzstandwahrer, Gleichheits-Besoffene etc.. Die vorrangigen Ziele für die nächsten Jahre sind einfach zu formulieren: 1) Erstklässler müssen die deutsche Sprache ausreichend beherrschen, 2) Die Bildungsabschlüsse müssen innerhalb der Bundesrepublik vergleichbar sein, und 3) Die Diktatur der Eltern muß gebrochen werden.
2. Leistungsorientiert?
jm2267 14.09.2014
Ifo und Aktionsrat Bildung sind v.a. an Bildung als ökonomisch orientierte Vorbereitungsetappe im Leben interessiert. Das Aufzählen von Selbstverständlichkeiten, wie Schulnoten und Sitzenbleiben, gepaart mit dem ökonomischträchtigen Wort "Leistung" soll noch weiter in die totale Ökonomisierung des Bildungswesens führen.
3. aha
c_c 14.09.2014
auswendiglernen = Leistung! So lange das so verstanden wird, wird alles immer schlimmer werden.
4.
joedi2 14.09.2014
ja, leistungsorientierung, aktive und passive kritikfähigkeit sowie weltanschauliche unabhängigkeit sind die werte die generationen von schüler/innen geprägt haben ... sowie lehrer/innen die vorbilder sind. --- leider gibt es einen unterschied zwischen dem was sich bewährt hat, was umfragen für richtig halten und dem was politiker/innen daraus machen, siehe g8, siehe religionsunterricht bw, siehe abschaffung von schulnoten sowie später in der uni vorgaben zur reduktion von abbrecher-/und durchfallquoten oder das bachelor-/mastersystem. joedi2
5.
Ron777 14.09.2014
Wenn wir Deutschland nicht doch noch abschaffen wollen, müssen wir zurückkehren zu einen stringenten und zielgerichteten Bildung mit Leistungsanreizen und Fördermöglichkeiten. Dies hatten wir alles schon mal - bis eine europäische Gleichmacherei mit Hilfe von PISA, Verkürzung der Schulzeiten, Einheitsschulbrei und Studienreformen sowie Inklusionschaos und neue Rechtschreibblödheit eine grundsätzlich funktionierende Bildungslandschaft torpediert hat.
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