Leistungsvergleich der Grundschüler: Stoppt den Reformwahn

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Deutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.

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Grundschülerin (Archiv): Hier können Lehrer noch in Ruhe arbeiten

Ein Platz im oberen Drittel, deutlich hinter der Spitzengruppe, aber mit viel Luft nach unten: In der Fußball-Bundesliga wäre das ein Tabellenrang, der für die Uefa Europa League qualifiziert. In einem internationalen Bildungsvergleich darf Deutschland eine solche Position als Erfolg werten.

Bei den jetzt vorgestellten Schulstudien Iglu und Timss 2011 wurde die Bundesrepublik ausnahmsweise einmal nicht abgewatscht: Die Grundschüler hierzulande weisen demnach solide Kenntnisse im Lesen sowie in Mathematik und in den Naturwissenschaften auf. Sie profitieren davon, dass ihre Trainer über Jahre hinweg in relativer Ruhe ihre Arbeit machen durften - ohne ständige Eingriffe aus dem Club-Management.

Denn während die Pisa-Studie Neuntklässler gegeneinander antreten lässt, standen dieses Mal die Grundschulen auf dem Prüfstand. Jene Schulform also, die Deutschlands Schulpolitiker kaum angetastet haben. Und die gerade deshalb recht gut funktioniert.

Zwar hat es auch in den Grundschulen Neuerungen gegeben, deren Ertrag fragwürdig ist: Zum Beispiel lernen fast überall die Knirpse nun schon im zarten Alter Englisch oder eine andere Fremdsprache, ohne dass davon viel hängen bleibt. Auch existieren föderal bedingte Unterschiede: In den meisten Bundesländern dauert die Grundschule vier Jahre, in Berlin hingegen sechs Jahre.

An den Grundschulen geht es vergleichsweise beschaulich zu

Doch im Vergleich zu dem Reformwahn, der in den vergangenen Jahren über die weiterführenden Schulen hereingebrochen ist, ging es bei den Jüngsten vergleichsweise beschaulich zu. Die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit im Gymnasium, deren teilweise Rückabwicklung, die Reform der Oberstufe, das Ende der Hauptschulen: Damit müssen sich Schüler und deren Eltern erst herumschlagen, wenn die Grundschule vorbei ist.

Die Grundschulen sind vergleichsweise einfach organisiert, die Anzahl der Fächer lässt sich überschauen, die Stundentafeln sind noch nicht überfüllt. Wenn es gut läuft, halten Eltern und Lehrer engen Kontakt, fürs Backen, Basteln und die Wandertage finden sich dann ausreichend freiwillige Helfer. Über optionale Schulfächer, Schwerpunkte oder auch die Wahl der richtigen Schule müssen sich Väter und Mütter hingegen nur wenig Gedanken machen. In den meisten Städten gilt ein Sprengelprinzip, welches die der Wohnung am nächsten gelegene Schule zuweist.

Solche klaren Strukturen und Regeln entlasten. Sie machen alle Beteiligten frei für das wirklich Wichtige: dass die Lehrer ihren Job machen können, dass die einzelnen Schüler und ihre Klasse vorankommen. Die Grundschule ist deshalb im positiven Sinn eine Gemeinschaftsschule - weil hier eher ein Gemeinschaftsgefühl herrscht als im weiteren Fortgang der Schullaufbahn. Und weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen.

Viele Risikoschüler, wenig Überflieger

Die Grundschulen deshalb als pädagogischen Ponyhof zu verherrlichen, wäre falsch. Iglu und Timss zeigen, dass zwei Leistungsgruppen Probleme haben, dort ihren Platz zu finden: die ganz Guten und die ganz Schlechten. Die ersteren finden zu wenig Anregung, die letzteren werden nicht ausreichend gefördert. Noch immer, das offenbaren die beiden Untersuchungen auch, hängt Schulerfolg zu sehr vom Elternhaus ab.

Falsch wäre es indes, aus dem Erfolg der Grundschulen einen Appell für die Gemeinschaftsschule bis zum Abitur abzuleiten. Eine solche ist in Deutschland politisch nicht durchsetzbar. Wer auch nur Ansätze davon gegen die Gymnasiallobby durchzukämpfen versucht, schafft Chaos und wird vom Wähler abgestraft.

Das musste zuletzt die inzwischen abgewählte schwarz-grüne Koalition unter Ole von Beust (CDU) in Hamburg 2010 erfahren. In einem Volksentscheid schmetterten die Hamburger Wähler das Ansinnen ab, die Grundschulzeit auf sechs Jahre zu verlängern. Sie spürten, dass die Reform vor allem sozialpolitisch motiviert war, mit ungewissem pädagogischen Ausgang. Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter.

Ein gesundes Misstrauen gegenüber solchen Eingriffen kann helfen, die Qualität der Grundschulen zu sichern. Wenn der Schulbetrieb gut funktioniert, ist schon viel erreicht. Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Brüche heilen. Diese Einsicht bedeutet indes nicht, reaktionär auf Bestehendem zu beharren. Nur erfordern Reformen Behutsamkeit und Sachkenntnis.

Die Inklusion behinderter Kinder in die Regelschulen ist solch ein hehres, wichtiges Projekt. Sie wird nur funktionieren, wenn zusätzliche Lehrer und Sozialpädagogen in die Klassen kommen, um sich mit diesen Kindern zu beschäftigen. Ähnliches gilt für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern: Dazu benötigen viele Schulen zusätzliche Räume sowie weitere Planstellen für Fachkräfte. Andernfalls drohen die Grundschulen nur zu stickigen Ganztags-Verwahranstalten zu verkommen.

Von Iglu und Timss geht deshalb der Aufruf an Politiker und Schulleiter aus, solide zu arbeiten: Greift nicht zu viel ein, und wenn ihr verändert, dann macht es richtig! Bastelt nicht zu viel an Schulstrukturen und Schuldauer herum, bindet lieber die Beteiligten ein! Oder in Abwandlung der Politiker-Weisheit, wonach die Wirtschaftslage wahlentscheidend sei: Es ist der Unterricht, Dummerchen!

Leseleistungen der Schüler im internationalen Vergleich

Gesamtskala Lesen
Land Wert
Hongkong 571
Russische Föderation 568
Finnland 568
Singapur 567
Nordirland 558
USA 556
Dänemark 554
Kroatien 553
Taiwan 553
Irland 552
England 552
Kanada 548
Niederlande 546
Tschechische Republik 545
Schweden 542
Italien 541
Deutschland 541
Israel 541
Portugal 541
Ungarn 539
VG OECD 538
Slowakei 535
VG EU 534
Bulgarien 532
Neuseeland 531
Slowenien 530
Österreich 529
Litauen 528
Australien 527
Polen 526
Frankreich 520
Spanien 513
Internationaler Mittelwert 521
Norwegen 507
Belgien 506
Rumänien 502
Georgien 488
Malta 477
Trinidad & Tobago 471
Aserbaidschan 462
Iran 457
Kolumbien 448
Vereinigte Arabische Emirate 439
Saudi-Arabien 430
Indonesien 428
Katar 425
Oman 391
Marokko 310

Wer liest am besten? Die Schüler in Hongkong. Deutschland landet im oberen Drittel, etwa gleichauf unter anderem mit den Niederlanden, Schweden, Italien, Portugal und Ungarn.

Vergleich der Leseleistungen zwischen Iglu 2001 und 2011

Gesamtskala Mathematik
Land 2007 (in %) 2011 (in %)
Iran 80.0 66.8
Georgien 64.8 58.7
Neuseeland 39.5 42.0
Norwegen 48.1 37.3
Schweden 32.4 31.5
Italien 32.7 31.3
Slowakei 36.8 31.2
Australien 29.5 29.8
Österreich 31.1 29.6
Ungarn 32.9 29.6
Tschechische Republik 41.4 28.2
Slowenien 33.4 28.0
England 21.1 22.4
Litauen 22.7 20.9
Deutschland 21.5 19.3
USA 23.3 19.0
Russische Föderation 19.5 18.2
Dänemark 23.7 18.1
Niederlande 16.2 11.6
Taiwan 7.6 6.8
Japan 10.8 6.8
Singapur 8.2 6.1
Hongkong 3.2 3.8

Während sich Hongkongs und Russlands Grundschüler im Vergleich zu 2001 deutlich verbessert haben, stagniert die Leseleistung deutscher Schüler. Im Vergleich zur Iglu-Studie 2006 haben sie sich sogar verschlechtert.

Anteil der schlechten Schüler

Gesamtskala Lesen
Land 2001 (in %) 2011 (in %)
Rumänien 31,5 34,8
Norwegen 34,7 29,1
Neuseeland 26,0 25,2
Frankreich 22,6 24,8
Bulgarien 16,9 22,9
Slowenien 33,0 20,5
Litauen 14,6 20,1
Ungarn 15,0 18,9
Slowakei 24,1 17,8
England 17,6 17,3
Deutschland 16,9 15,4
Italien 17,5 15,0
Schweden 9,7 14,7
USA 19,7 13,9
Singapur 24,0 12,8
Niederlande 8,3 9,9
Russische Föderation 19,6 8,4
Hongkong 18,6 6,9

Mehr als jedes sechste Kind erreicht in Deutschland das nicht ausreichende Kompetenzniveau III im Lesen - in der Sekundarstufe I werden sie deswegen voraussichtlich in allen Fächern erhebliche Schwierigkeiten bekommen.

Testleistungen der Schüler im internationalen Vergleich

Gesamtskala Mathematik
Land Wert
Singapur 606
Südkorea 605
Hongkong 602
Taiwan 591
Japan 585
Nordirland 562
Belgien 549
Finnland 545
England 542
Russische Föderation 542
USA 541
Niederlande 540
Dänemark 537
Litauen 534
Portugal 532
Deutschland 528
Irland 527
VG OECD 521
VG EU 519
Serbien 516
Australien 516
Ungarn 515
Slowenien 513
Tschechische Republik 511
Österreich 508
Italien 508
Slowakei 507
Schweden 504
Kasachstan 501
Malta 496
Norwegen 495
Internationaler Mittelwert 491
Kroatien 490
Neuseeland 486
Spanien 482
Rumänien 482
Polen 481
Türkei 469
Aserbaidschan 463
Chile 462
Thailand 458
Armenien 452
Georgien 450
Bahrain 436
Vereinigte Arabische Emirate 434
Iran 431
Katar 413
Saudi-Arabien 410
Oman 385
Tunesien 359
Kuwait 342
Marokko 335
Jemen 248

Die besten Rechner kommen laut der Timss-Studie aus Singapur, gefolgt von Südkorea und Hongkong. Deutschland landet im oberen Drittel, genau wie Litauen, Portugal und Irland.

Vergleich der Testleistungen von Timss 2007 und 2011

Gesamtskala Mathematik
Land 2007 2011
Iran 402 431
Tschechische Republik 486 511
Norwegen 473 495
Japan 568 585
Taiwan 576 591
Dänemark 523 537
Georgien 438 450
USA 529 541
Slowenien 502 513
Slowakei 496 507
Singapur 599 606
Ungarn 510 515
Niederlande 535 540
Litauen 530 534
Österreich 505 508
Deutschland 525 528
Schweden 503 504
Italien 507 508
England 541 542
Australien 516 516
Russische Föderation 544 542
Hongkong 607 602
Neuseeland 492 486

Hier zeigt sich, welche Länder sich verbessert und welche sich verschlechtert haben: Iran hat einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Die Leistungen von deutschen Schülern sind in Mathematik zwar über dem EU- und OECD-Durchschnitt, verbessert haben sie sich jedoch nicht.

Anteil der schlechten Schüler

Gesamtskala Mathematik
Land 2007 (in %) 2011 (in %)
Iran 80.0 66.8
Georgien 64.8 58.7
Neuseeland 39.5 42.0
Norwegen 48.1 37.3
Schweden 32.4 31.5
Italien 32.7 31.3
Slowakei 36.8 31.2
Australien 29.5 29.8
Österreich 31.1 29.6
Ungarn 32.9 29.6
Tschechische Republik 41.4 28.2
Slowenien 33.4 28.0
England 21.1 22.4
Litauen 22.7 20.9
Deutschland 21.5 19.3
USA 23.3 19.0
Russische Föderation 19.5 18.2
Dänemark 23.7 18.1
Niederlande 16.2 11.6
Taiwan 7.6 6.8
Japan 10.8 6.8
Singapur 8.2 6.1
Hongkong 3.2 3.8

Knapp jedes fünfte Kind verfügt allenfalls über elementare mathematische Kenntnisse. Diese Schüler werden in der Sekundarstufe I vermutlich im Matheunterricht Probleme bekommen. Im Vergleich zu 2007 hat sich die Zahl nicht signifikant verändert.

Testleistungen der Schüler im internationalen Vergleich

Gesamtskala Naturwissenschaften
Land Wert
Südkorea 587
Singapur 583
Finnland 570
Japan 559
Russische Föderation 552
Taiwan 552
USA 544
Tschechische Republik 536
Hongkong 535
Ungarn 534
Schweden 533
Slowakei 532
Österreich 532
Niederlande 531
England 529
Dänemark 528
Deutschland 528
Italien 524
VG OECD 523
Portugal 522
Slowenien 520
VG EU 521
Nordirland 517
Irland 516
Kroatien 516
Australien 516
Serbien 516
Litauen 515
Belgien 509
Rumänien 505
Spanien 505
Polen 505
Neuseeland 497
Kasachstan 495
Norwegen 494
Internationaler Mittelwert 486
Chile 480
Thailand 472
Türkei 463
Georgien 455
Iran 453
Bahrain 449
Malta 446
Aserbaidschan 438
Saudi-Arabien 429
Vereinigte Arabische Emirate 428
Armenien 416
Katar 394
Oman 377
Kuwait 347
Tunesien 346
Marokko 264
Jemen 209

Schüler in Südkorea schneiden in den Naturwissenschaften am besten ab. Deutschland liegt auch in diesem Bereich im oberen Drittel, zusammen unter anderem mit Hongkong - den Lesesiegern -, Ungarn, Schweden, Slowakei, England und Italien.

Vergleich der Testleistungen von Timss 2007 und 2011

Gesamtskala Naturwissenschaften
Land 2007 2011
Georgien 418 455
Tschechische Republik 515 536
Norwegen 477 494
Iran 436 453
Dänemark 517 528
Japan 548 559
Schweden 525 533
Niederlande 523 531
Russische Föderation 546 552
Slowakei 526 532
Österreich 526 532
USA 539 544
Slowenien 518 520
Litauen 514 515
Deutschland 528 528
Ungarn 536 534
Singapur 587 583
Taiwan 557 552
Neuseeland 504 497
Italien 535 524
Australien 527 516
England 542 529
Hongkong 554 535

Wer hat sich in den Naturwissenschaften verbessert, wer verschlechtert? Schüler in Georgien haben am stärksten zugelegt. Deutschland hingegen hat seine Leistung gehalten.

Anteil der schlechten Schüler

Gesamtskala Naturwissenschaften
Land 2001 (in %) 2011 (in %)
Georgien 74,0 56,2
Iran 63,7 55,8
Neuseeland 35,0 37,4
Norwegen 46,3 36,0
Australien 23,6 28,4
Litauen 26,1 26,7
Slowenien 26,5 25,6
England 19,5 24,5
Italien 21,7 24,2
Ungarn 21,7 22,1
Deutschland 23,7 22,0
Dänemark 27,9 21,9
Slowakei 24,6 21,1
Schweden 24,1 21,0
Österreich 24,4 21,0
Tschechische Republik 28,5 19,0
USA 22,0 18,5
Hongkong 12,1 18,4
Taiwan 14,0 14,7
Russische Föderation 18,2 14,4
Niederlande 20,7 14,1
Singapur 11,7 11,0
Japan 14,0 9,7

Knapp jedes fünfte Kind verfügt in Deutschland allenfalls über naturwissenschaftliches Anfangswissen. Diese Schüler haben Probleme, dieses Wissen anzuwenden. Diese Schüler werden in der Sekundarstufe I in diesen Fächern wohl starke Schwierigkeiten bekommen. Im Vergleich zu 2007 hat sich der Anteil in Deutschland kaum verändert.

Grundschüler, die außerhalb der Schule nicht lesen

Land 2001 (in %) 2011 (in %)
Bulgarien 10 12
Litauen 6 7
Schweden 11 13
Russische Föderation 6 7
Ungarn 11 11
Slowakei 14 12
Slowenien 14 12
Norwegen 22 20
Frankreich 15 13
Hongkong 14 11
Deutschland 18 11
Singapur 33 26
Neuseeland 20 10
England 27 13
USA 32 18
Italien 35 19
Niederlande 34 17
Rumänien 27 9

Liest du außerhalb der Schule zum Vergnügen? Elf Prozent der Schüler antworteten: Ich lese nie oder fast nie. Im Vergleich zu 2001 lesen Schüler inzwischen aber häufiger. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Singapur ist der Anteil der Nichtleser mit 26,5 Prozent am höchsten, in Litauen mit 6,9 Prozent am niedrigsten.

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1. Schüler aus Arbeiter und Akademikerhaushalten
j.c78. 11.12.2012
werden laut dem Bericht in der Grundschule gemeinsam unterrichtet. Die Behauptung kann jedoch nur für den ländlichen Raum gelten! Dank der fortschreitenden Gentrifizierung der urbanen Lebensräume sitzen Kevin und Justin nur selten neben Alexander und Marie.
2. Unbezahlte Sozialarbeiter?
annchenw 11.12.2012
Zitat von sysopdapdDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/iglu-und-timss-kommentar-zum-grundschulvergleich-a-872240.html
"Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter." Der Autor sollte nicht von etwas schreiben, von dem er nichts versteht. Alle Studien in diese Richtung bestätigen, dass gerade die "Besseren" von einem solchen Schülerhelfersystem profitieren!
3.
Bernhard.R 11.12.2012
Ich erinnere mich gerne an meine Schulzeit in der DDR. Wir waren 26 Schüler in der Klasse. Die Lehrer hatten 22 Stunden wöchentlich (zzgl. 2 variabler h) zu leisten. Im September d. J. wurden in Greifswald 30,4 Schüler pro Klasse eingeschult. Die Lehrer müssen 27 h/Woche rackern. Es naht aber Hoffnung: Der Minister hat reformiert. So gründlich, daß die Lehrer bald weniger arbeiten müssen. Die Linke hat`s ausgerechnet: Im Durchschnitt 9 Minuten/Woche.
4. optional
Herrvonundzu 11.12.2012
---Zitat--- weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen. ---Zitatende--- Dieser Faktor gehört sicherlich genannt. Und zwar weil er viel zu selten genannt wird. Solange "Arbeiterfamilienkinder" ihr soziales aber auch ihr Lernverhalten von - im Schnitt schlechteren - "Arbeiterfamilienkindern" abschauen, wird es schwierig diese Diskrepanz zu lösen. Allerdings würde ich mein Kind wohl auch lieber auf die bezahlte Privatschule schicken, in der Hoffnung dass es dort eine bessere Bildung erfährt. Und damit bin ich einer von denen der eine Zweiklassengesellschaft in puncto Lernverhalten noch befeuert. Was also tun? Was muss ich tun um mich davon zu überzeugen, dass alle Kinder die gleichen Chancen benötigen, was logisch auch zu gleicher Schulbildung führt? Oder sollte ich es eher so sehen, Arbeiterfamilienkind hat eh schon verschi**en, weil es nie die Möglichkeiten eines Mittelstandkindes erfahren wird? (Gemäß dem Motto: da der Pöbel im Schnitt Pöbel bleibt, brauch ich ihm nicht im gleichen Maße zum Akademiker verhelfen, wie Kindern einer höheren sozialen Stufe?) Aber da der Mittelstand schwindet und die Einkommensschere immer größer wird, fallen die Top 100 sowieso früher oder später eh aus solchen Test (Dank privatem Unterricht, Auslandsinternat, etc.) und man hat nur noch eine Grundmasse. Hurra, hat die Zeit wieder meine Probleme gelöst.
5. Sozialpolitik auf dem Rücken der Kinder
Christian Wernecke 11.12.2012
Zitat von sysopdapdDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/iglu-und-timss-kommentar-zum-grundschulvergleich-a-872240.html
Ich stelle mir vor, dass mein Kind, welches vielleicht einfach nur in der Schule gut ist, irgendwelche schlecht erzogenen Rotzlöffel mit nach oben ziehen soll, weil deren Eltern auf ganzer Linie versagen oder das Geld für wichtigere Dinge ausgeben, z.B. für Zigaretten oder den nächsten iPad. *Das ist Sozialpolitik auf dem Rücken der Kinder, weil die Erwachsenen einfach zu feige sind, ihre Aufgabe als Erzieher zu Hause und in der Schule nachzukommen.* Wenn ich sehe, was auf unseren Schulen los ist, kommt mir das Grauen. Die Gleichmacher an allen Fronten sorgen für gleichen Niveau, wenn auch ganz unten. Bei uns wurde das Problem Hauptschule gelöst, indem sie einfach abgeschafft wurde, als wären die Arbeitgeber blöd und könnten ein schlechtes Zeugnis von der Sekundarschule von einem schlechten Zeugnis von der Hauptschule nicht unterscheiden, als würden lernresistente junge Leute bei einem Einstellungstest nicht genauso versagen, wie vorher auch. Bei dem Thema wird mir schlecht.
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Was sind Timss und Iglu?
  • dapd
    Bei der Timss-Untersuchung geht es um Mathematik und Naturwissenschaften, bei der Iglu-Studie um die Lesekompetenzen von Viertklässlern. Die Tests für beide Untersuchungen fanden im Frühsommer 2011 in allen 16 Bundesländern statt. Rund 4.600 Schüler an 200 zufällig ausgewählten Grund- und Förderschulen haben mitgemacht. Die Abkürzungen stehen für Trends in International Mathematics and Science Study und Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung. Außerhalb Deutschlands heißt die Studie PIRLS, Progress in International Reading Literacy Study.

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