Leistungsvergleich der Grundschüler: Stoppt den Reformwahn
Ein Kommentar von Jan Friedmann
Deutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.
dapd
Grundschülerin (Archiv): Hier können Lehrer noch in Ruhe arbeiten
Ein Platz im oberen Drittel, deutlich hinter der Spitzengruppe, aber mit viel Luft nach unten: In der Fußball-Bundesliga wäre das ein Tabellenrang, der für die Uefa Europa League qualifiziert. In einem internationalen Bildungsvergleich darf Deutschland eine solche Position als Erfolg werten.
Denn während die Pisa-Studie Neuntklässler gegeneinander antreten lässt, standen dieses Mal die Grundschulen auf dem Prüfstand. Jene Schulform also, die Deutschlands Schulpolitiker kaum angetastet haben. Und die gerade deshalb recht gut funktioniert.
Zwar hat es auch in den Grundschulen Neuerungen gegeben, deren Ertrag fragwürdig ist: Zum Beispiel lernen fast überall die Knirpse nun schon im zarten Alter Englisch oder eine andere Fremdsprache, ohne dass davon viel hängen bleibt. Auch existieren föderal bedingte Unterschiede: In den meisten Bundesländern dauert die Grundschule vier Jahre, in Berlin hingegen sechs Jahre.
An den Grundschulen geht es vergleichsweise beschaulich zu
Doch im Vergleich zu dem Reformwahn, der in den vergangenen Jahren über die weiterführenden Schulen hereingebrochen ist, ging es bei den Jüngsten vergleichsweise beschaulich zu. Die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit im Gymnasium, deren teilweise Rückabwicklung, die Reform der Oberstufe, das Ende der Hauptschulen: Damit müssen sich Schüler und deren Eltern erst herumschlagen, wenn die Grundschule vorbei ist.
Die Grundschulen sind vergleichsweise einfach organisiert, die Anzahl der Fächer lässt sich überschauen, die Stundentafeln sind noch nicht überfüllt. Wenn es gut läuft, halten Eltern und Lehrer engen Kontakt, fürs Backen, Basteln und die Wandertage finden sich dann ausreichend freiwillige Helfer. Über optionale Schulfächer, Schwerpunkte oder auch die Wahl der richtigen Schule müssen sich Väter und Mütter hingegen nur wenig Gedanken machen. In den meisten Städten gilt ein Sprengelprinzip, welches die der Wohnung am nächsten gelegene Schule zuweist.
Solche klaren Strukturen und Regeln entlasten. Sie machen alle Beteiligten frei für das wirklich Wichtige: dass die Lehrer ihren Job machen können, dass die einzelnen Schüler und ihre Klasse vorankommen. Die Grundschule ist deshalb im positiven Sinn eine Gemeinschaftsschule - weil hier eher ein Gemeinschaftsgefühl herrscht als im weiteren Fortgang der Schullaufbahn. Und weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen.
Viele Risikoschüler, wenig Überflieger
Die Grundschulen deshalb als pädagogischen Ponyhof zu verherrlichen, wäre falsch. Iglu und Timss zeigen, dass zwei Leistungsgruppen Probleme haben, dort ihren Platz zu finden: die ganz Guten und die ganz Schlechten. Die ersteren finden zu wenig Anregung, die letzteren werden nicht ausreichend gefördert. Noch immer, das offenbaren die beiden Untersuchungen auch, hängt Schulerfolg zu sehr vom Elternhaus ab.
Falsch wäre es indes, aus dem Erfolg der Grundschulen einen Appell für die Gemeinschaftsschule bis zum Abitur abzuleiten. Eine solche ist in Deutschland politisch nicht durchsetzbar. Wer auch nur Ansätze davon gegen die Gymnasiallobby durchzukämpfen versucht, schafft Chaos und wird vom Wähler abgestraft.
Das musste zuletzt die inzwischen abgewählte schwarz-grüne Koalition unter Ole von Beust (CDU) in Hamburg 2010 erfahren. In einem Volksentscheid schmetterten die Hamburger Wähler das Ansinnen ab, die Grundschulzeit auf sechs Jahre zu verlängern. Sie spürten, dass die Reform vor allem sozialpolitisch motiviert war, mit ungewissem pädagogischen Ausgang. Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter.
Ein gesundes Misstrauen gegenüber solchen Eingriffen kann helfen, die Qualität der Grundschulen zu sichern. Wenn der Schulbetrieb gut funktioniert, ist schon viel erreicht. Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Brüche heilen. Diese Einsicht bedeutet indes nicht, reaktionär auf Bestehendem zu beharren. Nur erfordern Reformen Behutsamkeit und Sachkenntnis.
Die Inklusion behinderter Kinder in die Regelschulen ist solch ein hehres, wichtiges Projekt. Sie wird nur funktionieren, wenn zusätzliche Lehrer und Sozialpädagogen in die Klassen kommen, um sich mit diesen Kindern zu beschäftigen. Ähnliches gilt für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern: Dazu benötigen viele Schulen zusätzliche Räume sowie weitere Planstellen für Fachkräfte. Andernfalls drohen die Grundschulen nur zu stickigen Ganztags-Verwahranstalten zu verkommen.
Von Iglu und Timss geht deshalb der Aufruf an Politiker und Schulleiter aus, solide zu arbeiten: Greift nicht zu viel ein, und wenn ihr verändert, dann macht es richtig! Bastelt nicht zu viel an Schulstrukturen und Schuldauer herum, bindet lieber die Beteiligten ein! Oder in Abwandlung der Politiker-Weisheit, wonach die Wirtschaftslage wahlentscheidend sei: Es ist der Unterricht, Dummerchen!
Leseleistungen der Schüler im internationalen Vergleich
Gesamtskala Lesen
Land
Wert
Hongkong
571
Russische Föderation
568
Finnland
568
Singapur
567
Nordirland
558
USA
556
Dänemark
554
Kroatien
553
Taiwan
553
Irland
552
England
552
Kanada
548
Niederlande
546
Tschechische Republik
545
Schweden
542
Italien
541
Deutschland
541
Israel
541
Portugal
541
Ungarn
539
VG OECD
538
Slowakei
535
VG EU
534
Bulgarien
532
Neuseeland
531
Slowenien
530
Österreich
529
Litauen
528
Australien
527
Polen
526
Frankreich
520
Spanien
513
Internationaler Mittelwert
521
Norwegen
507
Belgien
506
Rumänien
502
Georgien
488
Malta
477
Trinidad & Tobago
471
Aserbaidschan
462
Iran
457
Kolumbien
448
Vereinigte Arabische Emirate
439
Saudi-Arabien
430
Indonesien
428
Katar
425
Oman
391
Marokko
310
Wer liest am besten? Die Schüler in Hongkong. Deutschland landet im oberen Drittel, etwa gleichauf unter anderem mit den Niederlanden, Schweden, Italien, Portugal und Ungarn.
Vergleich der Leseleistungen zwischen Iglu 2001 und 2011
Gesamtskala Mathematik
Land
2007 (in %)
2011 (in %)
Iran
80.0
66.8
Georgien
64.8
58.7
Neuseeland
39.5
42.0
Norwegen
48.1
37.3
Schweden
32.4
31.5
Italien
32.7
31.3
Slowakei
36.8
31.2
Australien
29.5
29.8
Österreich
31.1
29.6
Ungarn
32.9
29.6
Tschechische Republik
41.4
28.2
Slowenien
33.4
28.0
England
21.1
22.4
Litauen
22.7
20.9
Deutschland
21.5
19.3
USA
23.3
19.0
Russische Föderation
19.5
18.2
Dänemark
23.7
18.1
Niederlande
16.2
11.6
Taiwan
7.6
6.8
Japan
10.8
6.8
Singapur
8.2
6.1
Hongkong
3.2
3.8
Während sich Hongkongs und Russlands Grundschüler im Vergleich zu 2001 deutlich verbessert haben, stagniert die Leseleistung deutscher Schüler. Im Vergleich zur Iglu-Studie 2006 haben sie sich sogar verschlechtert.
Anteil der schlechten Schüler
Gesamtskala Lesen
Land
2001 (in %)
2011 (in %)
Rumänien
31,5
34,8
Norwegen
34,7
29,1
Neuseeland
26,0
25,2
Frankreich
22,6
24,8
Bulgarien
16,9
22,9
Slowenien
33,0
20,5
Litauen
14,6
20,1
Ungarn
15,0
18,9
Slowakei
24,1
17,8
England
17,6
17,3
Deutschland
16,9
15,4
Italien
17,5
15,0
Schweden
9,7
14,7
USA
19,7
13,9
Singapur
24,0
12,8
Niederlande
8,3
9,9
Russische Föderation
19,6
8,4
Hongkong
18,6
6,9
Mehr als jedes sechste Kind erreicht in Deutschland das nicht ausreichende Kompetenzniveau III im Lesen - in der Sekundarstufe I werden sie deswegen voraussichtlich in allen Fächern erhebliche Schwierigkeiten bekommen.
Testleistungen der Schüler im internationalen Vergleich
Gesamtskala Mathematik
Land
Wert
Singapur
606
Südkorea
605
Hongkong
602
Taiwan
591
Japan
585
Nordirland
562
Belgien
549
Finnland
545
England
542
Russische Föderation
542
USA
541
Niederlande
540
Dänemark
537
Litauen
534
Portugal
532
Deutschland
528
Irland
527
VG OECD
521
VG EU
519
Serbien
516
Australien
516
Ungarn
515
Slowenien
513
Tschechische Republik
511
Österreich
508
Italien
508
Slowakei
507
Schweden
504
Kasachstan
501
Malta
496
Norwegen
495
Internationaler Mittelwert
491
Kroatien
490
Neuseeland
486
Spanien
482
Rumänien
482
Polen
481
Türkei
469
Aserbaidschan
463
Chile
462
Thailand
458
Armenien
452
Georgien
450
Bahrain
436
Vereinigte Arabische Emirate
434
Iran
431
Katar
413
Saudi-Arabien
410
Oman
385
Tunesien
359
Kuwait
342
Marokko
335
Jemen
248
Die besten Rechner kommen laut der Timss-Studie aus Singapur, gefolgt von Südkorea und Hongkong. Deutschland landet im oberen Drittel, genau wie Litauen, Portugal und Irland.
Vergleich der Testleistungen von Timss 2007 und 2011
Gesamtskala Mathematik
Land
2007
2011
Iran
402
431
Tschechische Republik
486
511
Norwegen
473
495
Japan
568
585
Taiwan
576
591
Dänemark
523
537
Georgien
438
450
USA
529
541
Slowenien
502
513
Slowakei
496
507
Singapur
599
606
Ungarn
510
515
Niederlande
535
540
Litauen
530
534
Österreich
505
508
Deutschland
525
528
Schweden
503
504
Italien
507
508
England
541
542
Australien
516
516
Russische Föderation
544
542
Hongkong
607
602
Neuseeland
492
486
Hier zeigt sich, welche Länder sich verbessert und welche sich verschlechtert haben: Iran hat einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Die Leistungen von deutschen Schülern sind in Mathematik zwar über dem EU- und OECD-Durchschnitt, verbessert haben sie sich jedoch nicht.
Anteil der schlechten Schüler
Gesamtskala Mathematik
Land
2007 (in %)
2011 (in %)
Iran
80.0
66.8
Georgien
64.8
58.7
Neuseeland
39.5
42.0
Norwegen
48.1
37.3
Schweden
32.4
31.5
Italien
32.7
31.3
Slowakei
36.8
31.2
Australien
29.5
29.8
Österreich
31.1
29.6
Ungarn
32.9
29.6
Tschechische Republik
41.4
28.2
Slowenien
33.4
28.0
England
21.1
22.4
Litauen
22.7
20.9
Deutschland
21.5
19.3
USA
23.3
19.0
Russische Föderation
19.5
18.2
Dänemark
23.7
18.1
Niederlande
16.2
11.6
Taiwan
7.6
6.8
Japan
10.8
6.8
Singapur
8.2
6.1
Hongkong
3.2
3.8
Knapp jedes fünfte Kind verfügt allenfalls über elementare mathematische Kenntnisse. Diese Schüler werden in der Sekundarstufe I vermutlich im Matheunterricht Probleme bekommen. Im Vergleich zu 2007 hat sich die Zahl nicht signifikant verändert.
Testleistungen der Schüler im internationalen Vergleich
Gesamtskala Naturwissenschaften
Land
Wert
Südkorea
587
Singapur
583
Finnland
570
Japan
559
Russische Föderation
552
Taiwan
552
USA
544
Tschechische Republik
536
Hongkong
535
Ungarn
534
Schweden
533
Slowakei
532
Österreich
532
Niederlande
531
England
529
Dänemark
528
Deutschland
528
Italien
524
VG OECD
523
Portugal
522
Slowenien
520
VG EU
521
Nordirland
517
Irland
516
Kroatien
516
Australien
516
Serbien
516
Litauen
515
Belgien
509
Rumänien
505
Spanien
505
Polen
505
Neuseeland
497
Kasachstan
495
Norwegen
494
Internationaler Mittelwert
486
Chile
480
Thailand
472
Türkei
463
Georgien
455
Iran
453
Bahrain
449
Malta
446
Aserbaidschan
438
Saudi-Arabien
429
Vereinigte Arabische Emirate
428
Armenien
416
Katar
394
Oman
377
Kuwait
347
Tunesien
346
Marokko
264
Jemen
209
Schüler in Südkorea schneiden in den Naturwissenschaften am besten ab. Deutschland liegt auch in diesem Bereich im oberen Drittel, zusammen unter anderem mit Hongkong - den Lesesiegern -, Ungarn, Schweden, Slowakei, England und Italien.
Vergleich der Testleistungen von Timss 2007 und 2011
Gesamtskala Naturwissenschaften
Land
2007
2011
Georgien
418
455
Tschechische Republik
515
536
Norwegen
477
494
Iran
436
453
Dänemark
517
528
Japan
548
559
Schweden
525
533
Niederlande
523
531
Russische Föderation
546
552
Slowakei
526
532
Österreich
526
532
USA
539
544
Slowenien
518
520
Litauen
514
515
Deutschland
528
528
Ungarn
536
534
Singapur
587
583
Taiwan
557
552
Neuseeland
504
497
Italien
535
524
Australien
527
516
England
542
529
Hongkong
554
535
Wer hat sich in den Naturwissenschaften verbessert, wer verschlechtert? Schüler in Georgien haben am stärksten zugelegt. Deutschland hingegen hat seine Leistung gehalten.
Anteil der schlechten Schüler
Gesamtskala Naturwissenschaften
Land
2001 (in %)
2011 (in %)
Georgien
74,0
56,2
Iran
63,7
55,8
Neuseeland
35,0
37,4
Norwegen
46,3
36,0
Australien
23,6
28,4
Litauen
26,1
26,7
Slowenien
26,5
25,6
England
19,5
24,5
Italien
21,7
24,2
Ungarn
21,7
22,1
Deutschland
23,7
22,0
Dänemark
27,9
21,9
Slowakei
24,6
21,1
Schweden
24,1
21,0
Österreich
24,4
21,0
Tschechische Republik
28,5
19,0
USA
22,0
18,5
Hongkong
12,1
18,4
Taiwan
14,0
14,7
Russische Föderation
18,2
14,4
Niederlande
20,7
14,1
Singapur
11,7
11,0
Japan
14,0
9,7
Knapp jedes fünfte Kind verfügt in Deutschland allenfalls über naturwissenschaftliches Anfangswissen. Diese Schüler haben Probleme, dieses Wissen anzuwenden. Diese Schüler werden in der Sekundarstufe I in diesen Fächern wohl starke Schwierigkeiten bekommen. Im Vergleich zu 2007 hat sich der Anteil in Deutschland kaum verändert.
Grundschüler, die außerhalb der Schule nicht lesen
Land
2001 (in %)
2011 (in %)
Bulgarien
10
12
Litauen
6
7
Schweden
11
13
Russische Föderation
6
7
Ungarn
11
11
Slowakei
14
12
Slowenien
14
12
Norwegen
22
20
Frankreich
15
13
Hongkong
14
11
Deutschland
18
11
Singapur
33
26
Neuseeland
20
10
England
27
13
USA
32
18
Italien
35
19
Niederlande
34
17
Rumänien
27
9
Liest du außerhalb der Schule zum Vergnügen? Elf Prozent der Schüler antworteten: Ich lese nie oder fast nie. Im Vergleich zu 2001 lesen Schüler inzwischen aber häufiger. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Singapur ist der Anteil der Nichtleser mit 26,5 Prozent am höchsten, in Litauen mit 6,9 Prozent am niedrigsten.
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werden laut dem Bericht in der Grundschule gemeinsam unterrichtet. Die Behauptung kann jedoch nur für den ländlichen Raum gelten! Dank der fortschreitenden Gentrifizierung der urbanen Lebensräume sitzen Kevin und Justin nur selten [...]
werden laut dem Bericht in der Grundschule gemeinsam unterrichtet. Die Behauptung kann jedoch nur für den ländlichen Raum gelten! Dank der fortschreitenden Gentrifizierung der urbanen Lebensräume sitzen Kevin und Justin nur selten neben Alexander und Marie.
"Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter."
Der Autor sollte nicht von etwas schreiben, von dem er nichts versteht. Alle [...]
Zitat von sysopDeutschlands Grundschulen stehen im internationalen Vergleich gut da, wie zwei neue Studien bestätigen. Sie profitieren davon, dass die Politiker sie in ihrem Reformeifer bisher kaum antasteten - anders als andere Schulformen.
Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/iglu-und-timss-kommentar-zum-grundschulvergleich-a-872240.html)
"Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter."
Der Autor sollte nicht von etwas schreiben, von dem er nichts versteht. Alle Studien in diese Richtung bestätigen, dass gerade die "Besseren" von einem solchen Schülerhelfersystem profitieren!
Ich erinnere mich gerne an meine Schulzeit in der DDR. Wir waren 26 Schüler in der Klasse. Die Lehrer hatten 22 Stunden wöchentlich (zzgl. 2 variabler h) zu leisten. Im September d. J. wurden in Greifswald 30,4 Schüler pro Klasse [...]
Ich erinnere mich gerne an meine Schulzeit in der DDR. Wir waren 26 Schüler in der Klasse. Die Lehrer hatten 22 Stunden wöchentlich (zzgl. 2 variabler h) zu leisten. Im September d. J. wurden in Greifswald 30,4 Schüler pro Klasse eingeschult. Die Lehrer müssen 27 h/Woche rackern. Es naht aber Hoffnung: Der Minister hat reformiert. So gründlich, daß die Lehrer bald weniger arbeiten müssen. Die Linke hat`s ausgerechnet: Im Durchschnitt 9 Minuten/Woche.
---Zitat---
weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen.
---Zitatende---
Dieser Faktor gehört sicherlich genannt. Und zwar weil er viel zu selten genannt wird. Solange [...]
---Zitat---
weil hier Kinder aus Arbeiter- und Akademikerfamilien oft noch gemeinsam lernen.
---Zitatende---
Dieser Faktor gehört sicherlich genannt. Und zwar weil er viel zu selten genannt wird. Solange "Arbeiterfamilienkinder" ihr soziales aber auch ihr Lernverhalten von - im Schnitt schlechteren - "Arbeiterfamilienkindern" abschauen, wird es schwierig diese Diskrepanz zu lösen. Allerdings würde ich mein Kind wohl auch lieber auf die bezahlte Privatschule schicken, in der Hoffnung dass es dort eine bessere Bildung erfährt. Und damit bin ich einer von denen der eine Zweiklassengesellschaft in puncto Lernverhalten noch befeuert. Was also tun? Was muss ich tun um mich davon zu überzeugen, dass alle Kinder die gleichen Chancen benötigen, was logisch auch zu gleicher Schulbildung führt? Oder sollte ich es eher so sehen, Arbeiterfamilienkind hat eh schon verschi**en, weil es nie die Möglichkeiten eines Mittelstandkindes erfahren wird? (Gemäß dem Motto: da der Pöbel im Schnitt Pöbel bleibt, brauch ich ihm nicht im gleichen Maße zum Akademiker verhelfen, wie Kindern einer höheren sozialen Stufe?) Aber da der Mittelstand schwindet und die Einkommensschere immer größer wird, fallen die Top 100 sowieso früher oder später eh aus solchen Test (Dank privatem Unterricht, Auslandsinternat, etc.) und man hat nur noch eine Grundmasse. Hurra, hat die Zeit wieder meine Probleme gelöst.
Ich stelle mir vor, dass mein Kind, welches vielleicht einfach nur in der Schule gut ist, irgendwelche schlecht erzogenen Rotzlöffel mit nach oben ziehen soll, weil deren Eltern auf ganzer Linie versagen oder das Geld für [...]
Zitat von sysop[...] Durch längeres gemeinsames Lernen sollten die besseren Grundschüler die schwächeren mitziehen - als eine Art unbezahlter Sozialarbeiter. [...]
Iglu und Timss: Kommentar zum Grundschulvergleich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/iglu-und-timss-kommentar-zum-grundschulvergleich-a-872240.html)
Ich stelle mir vor, dass mein Kind, welches vielleicht einfach nur in der Schule gut ist, irgendwelche schlecht erzogenen Rotzlöffel mit nach oben ziehen soll, weil deren Eltern auf ganzer Linie versagen oder das Geld für wichtigere Dinge ausgeben, z.B. für Zigaretten oder den nächsten iPad. *Das ist Sozialpolitik auf dem Rücken der Kinder, weil die Erwachsenen einfach zu feige sind, ihre Aufgabe als Erzieher zu Hause und in der Schule nachzukommen.* Wenn ich sehe, was auf unseren Schulen los ist, kommt mir das Grauen. Die Gleichmacher an allen Fronten sorgen für gleichen Niveau, wenn auch ganz unten. Bei uns wurde das Problem Hauptschule gelöst, indem sie einfach abgeschafft wurde, als wären die Arbeitgeber blöd und könnten ein schlechtes Zeugnis von der Sekundarschule von einem schlechten Zeugnis von der Hauptschule nicht unterscheiden, als würden lernresistente junge Leute bei einem Einstellungstest nicht genauso versagen, wie vorher auch.
Bei dem Thema wird mir schlecht.
Bei der Timss-Untersuchung geht es um Mathematik und Naturwissenschaften, bei der Iglu-Studie um die Lesekompetenzen von Viertklässlern. Die Tests für beide Untersuchungen fanden im Frühsommer 2011 in allen 16 Bundesländern statt. Rund 4.600 Schüler an 200 zufällig ausgewählten Grund- und Förderschulen haben mitgemacht. Die Abkürzungen stehen für Trends in International Mathematics and Science Study und Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung. Außerhalb Deutschlands heißt die Studie PIRLS, Progress in International Reading Literacy Study.