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Keine Vitamine aus Brüssel: EU-Schulobstprogramm bundesweit vor dem Aus

Obst ist gesund - doch es kostenlos an Grundschüler zu verteilen ist den Ländern zu stressig und zu teuer. Nur ein einziges Bundesland ist bisher bereit, Kinder in der Pause mit Vitaminen zu versorgen. Das Schulobstprogramm der EU ist in Deutschland so gut wie tot.

Schulobst: Brüssel gäbe 20 Millionen Euro - doch die meisten Länder wollen nicht zuzahlen Zur Großansicht
dpa

Schulobst: Brüssel gäbe 20 Millionen Euro - doch die meisten Länder wollen nicht zuzahlen

Das EU-Programm zur Verteilung von Obst und Gemüse in den Schulen gegen zunehmende Fettleibigkeit bei Kindern steht in Deutschland vor dem Aus. Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hatten schon im August dagegen entschieden, nicht in gesunde Kost für Grundschüler zu investieren. Nun gesellen sich Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein zu den Vitaminverweigerern, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal21".

Zwar stellt die Europäische Kommission für Deutschland in diesem Schuljahr gut 20 Millionen Euro zur Verfügung, damit Schüler kostenlos frisches Obst und Gemüse essen können. Die Bundesländer sollen allerdings noch einmal rund 18 Millionen Euro dazugeben. Dieser Betrag ist den Bundesländern offenbar zu hoch.

Auch in Baden-Württemberg, das offiziell noch an der Einführung des Programms arbeitet, steht das Vorhaben auf der Kippe. Der baden-württembergische Städtetag zweifelt an dem Projekt und will seinen Mitgliedstädten die Teilnahme nicht empfehlen. "Der Aufwand steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen", sagte Verbandssprecher Manfred Stehle. Das Programm sei "chronisch unterfinanziert" und daher fast wirkungslos. "Es weckt bei den Eltern Erwartungen, die nicht annähernd erfüllt werden können." Baden-Württemberg erhält für das Programm rund zwei Millionen Euro von der EU, muss aber dieselbe Summe aus eigener Kraft beisteuern.

Nur das Saarland verschenkt bislang Obst

Schon im vergangenen Sommer hatten die Bundesländer das Vorhaben, Kinder in der Schule mit natürlichen Vitaminen zu versorgen, im Bundesrat ausgebremst. Sie forderten mehr Geld vom Bund und weigerten sich, die EU-Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro mit 12,5 Millionen Euro aufzustocken.

Bislang wurden Obst und Gemüse finanziert aus EU-Mitteln lediglich an Schulen im Saarland verteilt. Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen arbeiteten noch an der Umsetzung, meldet "Frontal21". Europaweit nehmen 18 Länder am Schulobstprogramm teil, weitere fünf arbeiteten daran. Lediglich drei EU-Länder wollten nicht teilnehmen, berichtet die Kommission.

Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, hält die geringe Beteiligung in Deutschland "dumm" und "völlig daneben". Das Programm sei eine Möglichkeit, Kinder mit gesunder Ernährung vertraut zu machen. Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, kritisierte die Absage der neun Bundesländer. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien wüssten wenig über gesunde Ernährung.

Mehrere Länder geben als Grund für ihren Verweigerungshaltung bürokratische Probleme an: "Wir müssen für jedes Kind einzeln nachweisen, dass es auch das Stück Obst oder Gemüse bekommen hat", sagte der sächsische Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) dem ZDF. Im Saarland, wo über 10.000 Schüler in einem Pilotversuch bis zu den Weihnachtsferien kostenloses Obst erhalten, ist die Bilanz des Umweltministeriums positiv. Für ein halbes Jahr wurde jede dritte Schule mit 100 Gramm Obst oder Gemüse je Schüler versorgt. Im April soll eine zweite "Projektphase" starten.

cht/afp/apn

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insgesamt 11 Beiträge
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1. prioritäten
dayo, 26.01.2010
Zitat von sysopObst ist gesund - doch es kostenlos an Grundschüler zu verteilen ist den Ländern zu stressig und zu teuer. Nur ein einziges Bundesland ist bisher bereit, Kinder in der Pause mit Vitaminen zu versorgen. Das Schulobstprogramm der EU ist in Deutschland so gut wie tot. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,674226,00.html
wir brauchen eben das geld für so wichtige sachen wie bankerboni, afghanistan etc.
2. Falsch gedacht ...
avollmer 26.01.2010
Zitat von dayowir brauchen eben das geld für so wichtige sachen wie bankerboni, afghanistan etc.
Nein, eben nicht. Wenn wir den Kindern kein Obst kaufen, dann bekommen wir kein Geld aus diesem Brüsseler Etat. Andererseits finde ich das gut, dass das Programm nicht greift. Würde es umgesetzt würde die Nachfrage nach Obst so stark steigen, dass Äpfel, Bananen und der ganze Rest doch merkbar teurer würden. In der Folge würden dann eventuell noch die bildungsfernen Schichten anfangen gesundes Essen zu sich zu nehmen, eventuell sogar BIO-zertifizierte Nahrungsmittel. Die würden dann alle knapper werden und die Preise noch mehr anziehen. Schrecklicher Gedanke. Wenn dann all die Dosenravioli- und Fertigpizzenkonsumenten ausgestorben sind und eine neue Generation gesund essender Deutscher heranwächst, dann bricht das Rentensystem ganz zusammen. Was sollen wir mit einer Nation fitter Hundetjähriger, wenn keiner mehr da ist, der die Beiträge erarbeitet. Das Schulobstprogramm ist ein Baustein für die Verschärfung des demographischen Desasters, seien wir froh dass es scheitert.
3. Wohl wahr...
thelensis 26.01.2010
Zitat von avollmerNein, eben nicht. Wenn wir den Kindern kein Obst kaufen, dann bekommen wir kein Geld aus diesem Brüsseler Etat. Andererseits finde ich das gut, dass das Programm nicht greift. Würde es umgesetzt würde die Nachfrage nach Obst so stark steigen, dass Äpfel, Bananen und der ganze Rest doch merkbar teurer würden. In der Folge würden dann eventuell noch die bildungsfernen Schichten anfangen gesundes Essen zu sich zu nehmen, eventuell sogar BIO-zertifizierte Nahrungsmittel. Die würden dann alle knapper werden und die Preise noch mehr anziehen. Schrecklicher Gedanke. Wenn dann all die Dosenravioli- und Fertigpizzenkonsumenten ausgestorben sind und eine neue Generation gesund essender Deutscher heranwächst, dann bricht das Rentensystem ganz zusammen. Was sollen wir mit einer Nation fitter Hundetjähriger, wenn keiner mehr da ist, der die Beiträge erarbeitet. Das Schulobstprogramm ist ein Baustein für die Verschärfung des demographischen Desasters, seien wir froh dass es scheitert.
Weitere Arbeitslose würden drohen, wenn die an Schulen eingesetzten Fast-Food und Riegel-Automaten nicht mehr zu bestücken wären. Zeitgleich müssten Mars und Konsorten Kurzarbeit anmelden... Gut, dass diese Schreckensszenarien von unseren weit vorausschauenden Politikern erkannt wurden und dieses Programm scheitert. Apropos voraus schauen: Gab´s für die "Wir haben dafür Kein Geld"-Ausrede Spenden der Chemie- und Lebensmittelindustrie?
4. Keine Vitamine aus Brüssel
oberallgaeuer 26.01.2010
Zu teuer, zu aufwendig - so heisst es aus den Bundesländern. Die Kinder der politischen Entscheidungsträger und die Kinder der Leistungsträger brauchen sicher kein Obst in der Schule - die frühstücken richtig und die meisten werden auch mit viel Obst (nicht nur Äpfel und Birnen) ernährt. Anders sieht es bei den Kindern aus sozial schwachen Familien aus. Aber das ist diesen Politikern ja sch....egal. Zu teuer - da geben wir doch lieber das Geld für die Hoteliers und Erben aus.
5. sie haben was vergessen :
sic tacuisses 26.01.2010
Zitat von oberallgaeuerZu teuer, zu aufwendig - so heisst es aus den Bundesländern. Die Kinder der politischen Entscheidungsträger und die Kinder der Leistungsträger brauchen sicher kein Obst in der Schule - die frühstücken richtig und die meisten werden auch mit viel Obst (nicht nur Äpfel und Birnen) ernährt. Anders sieht es bei den Kindern aus sozial schwachen Familien aus. Aber das ist diesen Politikern ja sch....egal. Zu teuer - da geben wir doch lieber das Geld für die Hoteliers und Erben aus.
50 MIO für die Taliban. kopfschüttel -- kopfschüttel -- kopfschüttel
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