Jugendliche und Nebenjobs: Endlich darf ich ins Büro

Den Schüler Stephan Albrecht treibt eine für Erwachsene sonderbare Frage um: Warum darf ich im Alter von zwölf Jahren nicht arbeiten, obwohl ich gerne würde? Im Dickicht aus Jugendschutz und Arbeitsrecht findet er eine Antwort - und sehnt sich nach seinem 13. Geburtstag.

Ein Bayer in Hamburg: Stephan Albrecht beim Redaktionsbesuch im SPIEGEL-Haus Zur Großansicht
Stephan Albrecht

Ein Bayer in Hamburg: Stephan Albrecht beim Redaktionsbesuch im SPIEGEL-Haus

Hin und wieder sitze ich zu Hause und frage mich, was ich nur machen soll. Jeden Tag fahre ich eine halbe Stunde in meine Schule. Der Unterricht ist normalerweise nach fünf Stunden vorbei. Am Mittag mache ich meist recht zügig Hausaufgaben. Und dann?

Soll ich bis zum Abend Computer spielen oder fernsehen? Ich könnte Schlagzeug oder Gitarre spielen. Samstage sind gut, da gehe ich zu den Pfadfindern. Auch an unserer Schülerzeitung arbeiten macht mir viel Spaß. Aber obwohl ich schon so viel mache, würde ich gerne ein wenig arbeiten. Ich könnte mein Taschengeld aufbessern und hätte die Möglichkeit, anderen Leuten eine Freude zu machen.

An der Pinnwand an unserem Dorfplatz lese ich immer wieder, dass Familien einen Babysitter suchen, oder ältere Leute brauchen Hilfe mit ihrem Garten. Aber regelmäßig so einen Job zu machen, verbietet mir das Jugendarbeitsschutzgesetz. Ich bin nämlich noch zwölf Jahre alt.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet Kindern, die unter 13 Jahre alt sind, zu arbeiten, denn das wäre Kinderarbeit. Mich stört das sehr. Das Gesetz ist eigentlich dazu da, dass ich und andere Kinder geschützt werden. Es soll verhindern, dass Kinder beispielsweise von ihren Eltern zur Arbeit gezwungen werden.

Alle Kinder haben ein Recht auf Freizeit

Klar, ich sehe ein, dass gefährliche Jobs für Kinder tabu sind. Aber wer will schon mit zehn oder elf Jahren in einem Atomkraftwerk oder einem Elektrizitätswerk arbeiten? Auch ein Kind sollte doch das Recht haben, wenn es selber will und großes Interesse hat, einem Beruf nachgehen dürfen, um sich ein wenig Taschengeld zu verdienen.

Richtig wichtig ist das Kinderarbeitsverbot natürlich in Ländern, in denen Kinder so viel arbeiten müssen, dass sie nicht zum Lernen kommen oder durch die Arbeit sogar krank werden. In vielen armen Ländern arbeiten Kinder, obwohl es verboten ist, manche werden von den Eltern zur Arbeit gezwungen und einige müssen auch Wehrdienst leisten. Manche müssen sich sogar prostituieren, damit die Familie ein wenig mehr Geld zum Leben hat. Das ist schlimm, denn alle Kinder haben ein Recht auf Freizeit und Unversehrtheit und sie sollten auch die Möglichkeit bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen, indem sie in die Schule gehen.

Aber darf ich denn wirklich gar nichts arbeiten, wenn ich noch keine 13 bin? Rechtsanwältin Sonja Riedemann sagt mir dazu, aus Gefälligkeit der Nachbarin mal den Rasen mähen sei in Ordnung. Allerdings ist es nur erlaubt, wenn das nicht regelmäßig passiert. Denn eine Vereinbarung fürs Rasenmähen einmal im Monat, das wäre dann unter Umständen bereits ein mündlicher Arbeitsvertrag. Wenn man den Eltern mal in deren eigenen Firma hilft, ginge das auch regelmäßig, sagt Riedemann. In einem Familienbetrieb gebe es mehr Möglichkeiten, mitzuhelfen, das könne dann auch eine erzieherische Maßnahme sein.

Minderjährige haben außerdem ein besonders geschütztes Recht auf Freizeit, man muss bestimmte Pausen einhalten. Im Jugendarbeitsschutzgesetz steht, dass nach einem Arbeitstag "nicht vor Ablauf einer ununterbrochenen Freizeit von mindestens zwölf Stunden" wieder gearbeitet werden darf. Das ist eine gute Regel, genau wie Regeln und Gesetze, die Kinder vor Ausbeutung schützen.

Für mich ist die Zeit des Wartens bald vorbei. Ich werde 13, dann darf ich arbeiten und verdiene eigenes Geld. Allerdings darf ich nur höchstens zwei Stunden am Tag jobben, mehr ist auch dann nicht erlaubt. Für noch mehr Arbeit müsste ich warten, bis ich 15 bin. Dann sind theoretisch acht Stunden am Tag möglich - wenn meine Schulpflicht zu Ende ist.

Stephan Albrecht ist inzwischen 13 Jahre alt, er ist Chefredakteur der Unterstufenzeitung "Bazillus" am Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg am Lech. Im vergangenen Jahr erstritt er vor Gericht, dass der "Bazillus" an seiner Schule verteilt werden darf. Die Schulleitung hatte das mit der Begründung untersagt, es dürfe an Stephans Schule nur eine Zeitung geben. In den Sommerferien war Stephan in der Redaktion des Schulspiegel bei SPIEGEL ONLINE zu Besuch. Dabei ist dieser Text entstanden.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Lieber Stephan,
westerwäller 20.10.2012
gewöhn dich schon mal dran. Dieser Staat hat sich auf die Fahnen geschrieben, dich vor allem Bösen zu beschützen. Was Böse, bestimmt der Staat. Böse ist je nach Regierung mal das eine, mal das andere und es ist dabei egal, ob du das Böse den Anderen oder dir selbst zufügst. Manches Böse darfst du dennoch tun. Dafür gibt es einen "Ablasshandel", der sich z.B. Tabaksteuer, Ökosteuer, Branntweinsteuer, Mineralölsteuer, Bettenabgabe usw. nennt. Zum Ausgleich dardt du aber auch für das Gute bezahlen. Nennt sich dann EEG--Umlage, Solidaritätszuschlag usw. Wie gesagt: Gewöhn dich dran. Es herrscht hier allgemein der Konsens, dass die Bedürfnisse und Vorgaben des Staates über die Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen zu stellen sind. Big Brother ist wichtiger als du! Das war seit ca. 1700 Jahren immer so...
2. ...
Newspeak 20.10.2012
Auch ein Kind sollte doch das Recht haben, wenn es selber will und großes Interesse hat, einem Beruf nachgehen dürfen, um sich ein wenig Taschengeld zu verdienen. Nein, ein Kind sollte nicht das Recht haben, einem Beruf nachzugehen. Es gibt eine Reihe guter Gründe, warum Kinder hier besonders geschützt werden, der Bericht listet ja einige auf. Und übrigens ist "mal etwas arbeiten am Nachmittag" auch kein Beruf. Das zu vermischen, zeigt die geistige Unreife des Autors, auch wenn er für sein Alter aufgeweckt sein mag. Hin und wieder sitze ich zu Hause und frage mich, was ich nur machen soll. Jeden Tag fahre ich eine halbe Stunde in meine Schule. Der Unterricht ist normalerweise nach fünf Stunden vorbei. Am Mittag mache ich meist recht zügig Hausaufgaben. Und dann? Soll ich bis zum Abend Computer spielen oder fernsehen? Ja, warum nicht? Oder Sport machen. Oder Freunde treffen. Oder sich einfach selbst beschäftigen. Lesen. Es gibt Tausende Alternativen zur Arbeit. Die Arbeit kommt noch früh genug. Und dann kann man es sich meistens auch nicht aussuchen, ob man und wie lange man arbeitet. Der wesentliche Punkt ist außerdem, daß man auch mal lernen muß, allein, mit sich selbst, und ohne Beschäftigung auszukommen. Es ist das Privileg der Jugend, einfach auch nur Zeit mit "Nichtstun" zu "verschwenden". Trotzdem passiert in dieser Zeit etwas mit einem. Man gewinnt an Charakter. Man prägt seine Persönlichkeit. Man gewinnt vielleicht Distanz zum Alltag und fragt sich nach den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Arbeit und Beschäftigung lenken nur ab. Viele Menschen können sich auch nicht mit sich selbst beschäftigen und suchen ständig neue Ablenkung. Aber fast immer holt sie das irgendwann im Leben wieder ein. Wenn man z.B. mit 65 feststellt, daß man eigentlich nicht gelebt hat. Wenn man als Rentner merkt, daß man nichts hat, worüber man sich definieren kann. Daß man Wichtiges vernachlässigt hat...Freunde z.B. Am Ende des Lebens kann man diese Dinge kaum noch gutmachen. Daher sollte man sich am Anfang des Lebens ruhig mal in Ruhe damit auseinandersetzen. Arbeit an sich bringt diese Gesellschaft nicht voran. Arbeit an sich ist kein Wert. Eher ein Trugbild.
3. spätere Erkenntnis
lead341 20.10.2012
Lieber Stephan, Du fragst Dich, weshalb Du nicht arbeiten darfst, obwohl Du es gern möchtest. Ich (Wirtschaftswissenschaftler, promoviert) sowie viele meiner Generation fragen sich mittlerweile, warum sie arbeiten müssen, obwohl sie es nicht wollen - weil es nun einmal viele interessantere Dinge im Leben gibt. Ich habe bspw. einen durchaus interessanten Job, bin oft in Lateinamerika unterwegs, habe schon viel gelernt und erlebt. Dennoch: am glücklichsten bin ich, wenn ich zuhause sein kann und meinen eigenen Hobbies, die mich wirklich erfüllen, nachgehen kann: Astronomie, Naturerlebnisse - oder in einem Computerspiel in eine faszinierende Welt eintauchen. Arbeit ist notwendig, leider, um Geld zu verdienen und "über die Runden" zu kommen. Aber um glücklich zu sein, benötigt man keine Arbeit - zumindest intelligente Menschen, die sich selbst Interessen und Leidenschaften schmieden können. Eventuell wirst Du später noch einmal zu dieser Erkenntnis finden.
4. Keine Freunde?
Hompster 20.10.2012
Lieber Stephan, wenn du mit 12 Jahren nicht weißt, was du den ganzen Tag so anstellen sollst, dann tust du mir echt leid. Hast du keine Freunde? Es kann doch nicht sein, dass mit 12 Jahren die paar Sachen, die du da aufzählst, für dich die einzigen Alternativen sind... Für mich ist es absolut verständlich, dass man sich als Kind gerne wie ein Erwachsener geben möchte, aber Erwachsene sollten das eigentlich verhindern... Ich habe mit 14 mit den normalen Kindersachen angefangen und auf dem Markt gearbeitet oder Zeitungen ausgetragen. Das ist früh genug, glaub mir. Wenn du später wirklich erwachsen bist und der Job den Großteil deines Tages und deines Lebens bestimmt, wirst du verstehen, warum man als Erwachsener über den Text eingentlich nur den Kopf schütteln kann.
5. Lieber Hompster,
westerwäller 20.10.2012
Zitat von HompsterLieber Stephan, wenn du mit 12 Jahren nicht weißt, was du den ganzen Tag so anstellen sollst, dann tust du mir echt leid. Hast du keine Freunde? Es kann doch nicht sein, dass mit 12 Jahren die paar Sachen, die du da aufzählst, für dich die einzigen Alternativen sind... Für mich ist es absolut verständlich, dass man sich als Kind gerne wie ein Erwachsener geben möchte, aber Erwachsene sollten das eigentlich verhindern... Ich habe mit 14 mit den normalen Kindersachen angefangen und auf dem Markt gearbeitet oder Zeitungen ausgetragen. Das ist früh genug, glaub mir. Wenn du später wirklich erwachsen bist und der Job den Großteil deines Tages und deines Lebens bestimmt, wirst du verstehen, warum man als Erwachsener über den Text eingentlich nur den Kopf schütteln kann.
...das ist für mich völlig unverständlich. Wenn Stephan sich wie ein erwachsener verhalten will, lasst ihn doch. Die Idee dahinter ist anscheinend, dass man jemanden zu seinem Glück zwingen sollte. Arbeitest Du irgendwie in einem Politikbereich? ..über Stephan kann ich überhaupt nicht den Kopf schütteln, jedoch über die altväterliche Attitüde von Dir. Das Dingens mit Kindern solltest Du noch ein bisschen üben...
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Praxis pur verspricht das Volontariat - bei Zeitungen und Zeitschriften, in Online-Redaktionen, bei Radio und Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich. Die Ausbildung dauert zwischen zwölf und 24 Monaten und ist meist durch Tarifverträge geregelt. Typischerweise fahren Volontäre Karussell: Sie durchlaufen verschiedene Ressorts ("Volo, du Amöbe, mach' du den Abendtermin!") und nehmen an Fortbildungen teil. Ein vorheriges Studium ist keine Pflicht - aber längst die Regel.
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Viel Andrang, rare Plätze: Journalistenschulen sind ein Nadelöhr. Auch hier dominiert die Praxis. Es unterrichten gestandene Journalisten, in Praktika wird das Gelernte eingesetzt und ausgebaut. Die Ausbildung dauert in der Regel anderthalb bis zwei Jahre. Mal zahlen Journalistenschüler Gebühren, mal erhalten sie Geld.

Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Henri-Nannen-Schule (Hamburg), die Deutsche Journalistenschule (München), die Berliner Journalisten-Schule, die Axel-Springer-Akademie und die Evangelische Journalistenschule (alle in Berlin). Die RTL-Journalistenschule (Köln) bildet speziell für TV-Berufe aus, die Electronic Media School (Babelsberg und Bremen) für Radio, Fernsehen und Internet. Die Holtzbrinck-Schule (Düsseldorf) und die Kölner Journalistenschule sind auf Wirtschaft spezialisiert.
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Und wo bleibt die Theorie? Hier: Studiengänge in Journalistik oder Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft gibt es an beinah jeder größeren Universität (siehe Hochschulkompass). Besonders bekannt sind die Journalistik-Studiengänge in Leipzig, Dortmund und München. Dort absolvieren die Studenten auch Pflichtpraktika - wer nur theoretisch weiß, wie eine gute Glosse entsteht, hat es schwer.

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