Niedersachsen: Volksbegehren gegen Turbo-Abi gescheitert

Zwei Jahre lang haben Lehrer und Eltern in Niedersachsen gegen die verkürzte Gymnasialzeit gekämpft und am Ende doch verloren. Am Samstag läuft die Frist für ihr Volksbegehren gegen G8 und für mehr Gesamtschulen ab. Eine Viertelmillion Unterschriften war nicht genug.

Abiturienten des G8: Hochschulreif nach zwölf Jahren Schule Zur Großansicht
DPA

Abiturienten des G8: Hochschulreif nach zwölf Jahren Schule

In Niedersachsen steht das Volksbegehren gegen das Abitur nach zwölf Schuljahren kurz vor dem Scheitern. Bis Anfang Januar hatten die Initiatoren zwar 250.000 Unterschriften zusammenbekommen, aber das reicht nicht aus.

"Wir haben das Quorum nicht erreicht", sagte die Sprecherin der Initiative Volksbegehren für gute Schulen, Andrea Hesse, am Montag. Die Abgabefrist für die Unterschriftenlisten endet am 14. Januar, Unterschriften kann die Initiative nur noch bis zum Freitag entgegennehmen. Rund 610.000 Stimmen wären nötig gewesen, das entspricht zehn Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung Niedersachsens.

Die Organisatoren wollen trotzdem nicht von einer Niederlage sprechen. 250.000 Unterschriften machten deutlich, wie dringend eine Richtungsänderung in der niedersächsischen Bildungspolitik nötig sei, sagte Hesse. Das Land hatte die achtjährige Gymnasialzeit zum Schuljahr 2004/2005 eingeführt, 2011 machte der letzte Jahrgang das Abitur nach 13 Jahren.

Die Initiative aus Eltern und Lehrern, unterstützt unter anderem von der Erziehungsgewerkschaft GEW und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, setzte sich dafür ein, das sogenannten Turbo-Abi wieder abzuschaffen. Außerdem sollte es einfacher werden, neue Gesamtschulen zu gründen.

Das Volksbegehren war bereits im November 2009 gestartet, wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen Landesregierung und Initiative zog es sich über mehr als zwei Jahre hin. In dem Streit ging es um eine Formulierung auf den Unterschriftenbögen zu den sogenannten vollen Halbtagsschulen, die, so wollte es die Initiative, in dem Bundesland eine bessere pädagogische Betreuung anbieten sollten. Das Verfahren endete im Juli mit einem Vergleich vor dem Niedersächsischen Staatsgerichtshof. Daraufhin mussten neue Listen gedruckt werden. Die Unterschriften, die noch mit alten Bögen gesammelt worden waren, verfielen.

Initiatoren: Landesregierung zeigte "gewisse Arroganz"

In vielen Bundesländern beklagen sich Schüler und Elternvertreter seit ihrer Einführung über die verkürzte Gymnasialzeit, auch G8 genannt. Aus Unmut über den straffen Schulalltag bleiben manche Schüler sogar absichtlich sitzen. Doch Proteste zeigten wenig Wirkung: Überall außer in Rheinland-Pfalz ist G8 bereits eingeführt oder beschlossen. Das Angebot der Schulministerin Nordrhein-Westfalens, Sylvia Löhrmann (Grüne), an bis zu 60 Schulen ihres Landes zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückzukehren, wollten vor einem Jahr nur 13 Gymnasien annehmen.

Die Organisatoren des Volksbegehrens sehen fehlendes Geld als ein Grund für ihr Scheitern. "Wir hatten nicht die Möglichkeiten, eine große Informationskampagne zu starten", sagte Sprecherin Hesse. Auch deshalb sei es nicht gelungen, genug Menschen zu finden, die sich die Ziele der Initiative zu eigen gemacht hätten.

Die Landesregierung habe dem Volksbegehren generell wenig Aufmerksamkeit geschenkt und "eine gewisse Arroganz" erkennen lassen. Die Organisatoren kündigten an, sich auch nach Ablauf der Frist am Samstag für die Ziele des Volksbegehrens und gegen die Schulpolitik der niedersächsischen CDU-FDP-Regierung starkmachen zu wollen.

son

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Wissen
RSS
alles zum Thema Abitur nach zwölf Jahren
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Nur in Rheinland-Pfalz noch nicht beschlossen: G8 Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Nur in Rheinland-Pfalz noch nicht beschlossen: G8


Dein SPIEGEL digital
Social Networks