Oberbayern: Schießstand soll auf Schulgelände entstehen

Die bayerische Gemeinde Olching trotzt allen Bedenken und hat den Bau eines neuen Schützenheims beschlossen - direkt neben einer Hauptschule. Es gehe nur um harmlosen Sport mit Luftgewehren, sagt der Bürgermeister. Kritiker warnen vor Schießständen an Schulen.

Sportschützen: In Olching werden sie voraussichtlich neben einer Hauptschule üben Zur Großansicht
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Sportschützen: In Olching werden sie voraussichtlich neben einer Hauptschule üben

Der Gemeinderat des oberbayerischen Örtchens Olching hat am Donnerstagabend beschlossen, dass auf einem Grundstück neben einer Hauptschule und einer Turnhalle ein Schützenheim samt Schießstand gebaut werden soll. Der Plan hatte für großes Aufsehen und einige Kritik gesorgt: Drehte sich die Diskussion nach dem Amoklauf von Winnenden doch auch um die Frage, wie Waffen von Jugendlichen möglichst ferngehalten werden können.

Doch in Olching sind die Kritiker in der Minderheit. Andreas Magg (SPD), Bürgermeister der 25.000-Einwohner-Gemeinde, verteidigte das Vorhaben immer wieder: Es gehe doch um einen harmlosen Sport, schließlich werde mit Luftgewehren geschossen, und das sei vergleichsweise ungefährlich.

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sieht das anders: "Ich warne in Zeiten von Amokläufen an Schulen vor einer zu großen Nähe einer pädagogischen Einrichtung zu einer Sportschießstätte. Mir leuchtet nicht ein, warum dafür kein anderes Gelände gefunden werden kann", sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

Der Schießstand soll für den Schützenverein "Gemütlichkeit Olching" gebaut werden, einer von sechs Schützenvereinen und schon seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Ort. Das Nutzungskonzept für das Grundstück ist nun beschlossene Sache, so dass sich die Planer an die Kostenverteilung machen können.

"Das falsche Signal für Schüler"

Das Schützenheim soll sich an die Turnhalle anschließen. Neben einem Vereins- und einem Lagerraum sind zehn Schießstände geplant. Die Befürworter des Projekts betonen, dass das Heim einen eigenen Eingang habe und sich die Nutzung nicht mit den Unterrichtszeiten an der Schule überschneiden werde.

Für die Kritiker spielt das nur eine Nebenrolle. "Es ist einfach das falsche Signal für die Schülerinnen und Schüler, dass sie in dem Bewusstsein leben, dass auf dem Gelände, auf dem sie ihrer Bildung nachgehen, Schießübungen gemacht werden", sagte Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag dem "Bayerischen Rundfunk".

Rund 400.000 Euro soll der Trakt nach Angaben des Senders kosten. Ein Viertel davon soll der Verein übernehmen, ein Viertel der Schützenverband. Wieviel die Kommune zuschießen kann, ist noch unklar. Wenn der Finanzierungsplan feststeht, muss der Gemeinderat das Projekt erneut absegnen.

Eine Ausnahme wäre das schülernahe Schießen nicht: Im Oktober 2009 gab das bayerische Innenministerium auf Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion bekannt, dass in 28 Schulen Schießstände untergebracht sind. In 23 Schulen wurde in oder unterhalb der Turnhallen geschossen.

Das ist beileibe nicht so selten, wie man vermuten könnte. Auch in Nordrhein-Westfalen wollten es die Grünen genau wissen und bekamen die zwar ungenaue, aber deutliche Antwort: Viele Schulkeller dienen Waffenfreunden als Schießrevier.

bim

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insgesamt 27 Beiträge
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1. unglaublich...
wwwilly 30.07.2010
Denken da wirklich welche dass Schüler durchdrehen und einen Amoklauf begehen nur weil sie wissen dass in der Nähe ein paar Leute mit LUFTGEWEHREN ballern? Ich würde einen Schießstand auf dem Schulgelände sogar befürworten, einige "Killerspiele" spielende Kids könnten dort mal vorbeikucken und sehen dass Schießsport nix mit Rambo-Filmen sondern sehr viel mit Disziplin, Vernunft und Konzentration zu tun hat und dass ausserdem die Sicherheit ganz groß geschrieben wird - selbst wenn es sich "nur" um Luftgewehre handelt.
2. Unglaublich in der Tat!
Europa! 30.07.2010
Dass man nach dem Fall Winnenden solchen kriminellen Unsinn duldet, ist ein Skandal. Schusswaffen sind Mordwaffen, da gibt es gar nichts zu beschönigen. Wenn dann wieder irgendein jämmerlicher Schwächling seinen Ruhm in einem Amoklauf sucht, steht wieder ein unverantwortlicher Bürgermeister in der Gegend und sagt: "Ich hab nix unterschrieben."
3. .
takeo_ischi 30.07.2010
Zitat von sysopDie bayerische Gemeinde Olching trotzt allen Bedenken und hat den Bau eines neuen Schützenheims beschlossen - direkt neben einer Hauptschule. Es gehe nur um harmlosen Sport mit Luftgewehren, sagt der Bürgermeister. Kritiker warnen vor Schießständen an Schulen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,709275,00.html
Eine 'Politik der kurzen Wege' für Amokläufer. Sehr löblich... Nein. Spass beiseite. Auch wenn ich selbst mit echten Waffen gar nix anfangen kann: Solange Schiesssport in D erlaubt ist (was in einer liberalen Gesellschaft OK sein muss) spricht da nichts dagegen. Bei Luftgewehren weniger als nix.
4. Lesen, denken, posten
Rainer Girbig 30.07.2010
Zitat von Europa!Dass man nach dem Fall Winnenden solchen kriminellen Unsinn duldet, ist ein Skandal. Schusswaffen sind Mordwaffen, da gibt es gar nichts zu beschönigen. Wenn dann wieder irgendein jämmerlicher Schwächling seinen Ruhm in einem Amoklauf sucht, steht wieder ein unverantwortlicher Bürgermeister in der Gegend und sagt: "Ich hab nix unterschrieben."
Luftwaffen sind keine Mordwaffen. Es gibt übrigens sogar olympische Disziplinen, bei denen (auch) geschossen wird. Sogar mit richtigen Gewehren. Verbieten? Ja, ist denn scho wiada Sommerloch?
5. Genau! Unverantwortlich!
Transmitter 30.07.2010
Zitat von Europa!Dass man nach dem Fall Winnenden solchen kriminellen Unsinn duldet, ist ein Skandal. Schusswaffen sind Mordwaffen, da gibt es gar nichts zu beschönigen. Wenn dann wieder irgendein jämmerlicher Schwächling seinen Ruhm in einem Amoklauf sucht, steht wieder ein unverantwortlicher Bürgermeister in der Gegend und sagt: "Ich hab nix unterschrieben."
Ja, Schusswaffen sind Mordwaffen. Grundsätzlich. Auch Bögen und Katapulte. Und natürlich Armbrüste und Luftgewehre. Insbesondere Luftgewehre. Hat nicht dieser jämmerliche Schwächling erst kürzlich seinen Ruhm in einem Amoklauf versucht und zig Leute damit erschossen? Da sieht man es mal wieder. Das steht so ein unverantwortlicher Bürgermeister in der Gegend herum und fördert ganz bewusst das Training von Kindern mit Mordwaffen. Auch noch in Sichtweite ihrer Schule. Kein Wunder, dass die Kinder unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund hierzulande so unglaublich aggressiv werden. Bei solchen Vorbildern?
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