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Pisa-Ländervergleich: Sachsens Schulen drängen an die Weltspitze

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Mehr Chancengleichheit, nur zwei Schularten - und kaum Einwandererkinder: Sachsen hat sich im deutschen Pisa-Ländervergleich an den 15 Rivalen vorbeigeschoben. Der bisherige Spitzenreiter Bayern wurde auf allen Feldern auf Platz zwei verdrängt, der Unterschied zu Schlusslicht Bremen beträgt zwei komplette Schuljahre.

Sachsen ist bei Pisa-E Meister aller Klassen. Im neuen Vergleich der Bundesländer, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, landete der Freistaat in allen Disziplinen auf Platz eins und verdrängte damit Bayern von der Spitzenreiter-Position.

Chemieunterricht (in Frankfurt/Oder): Ost-Länder schneiden bei Pisa gut ab
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Chemieunterricht (in Frankfurt/Oder): Ost-Länder schneiden bei Pisa gut ab

Pisa-E ist die innerdeutsche Ergänzungsstudie zum internationalen Pisa-Test, der im Dezember 2007 veröffentlicht wurde. Schwerpunkt waren diesmal die Naturwissenschaften. Sachsen erreicht in diesem Bereich 541 Punkte und führt vor Bayern (533 Punkte), Thüringen (530) und Baden-Württemberg (523). Mit 518 Punkten liegt auch Sachsen-Anhalt noch knapp über dem Bundesdurchschnitt von 516 Punkten.

Das deutsche Top-Quartett kann sich sogar mit der internationalen Spitzengruppe messen: So liegt Sachsen in den Naturwissenschaften hinter Finnland auf dem zweiten Platz, aber noch vor Japan, Neuseeland und Australien. Der Abstand zu den deutschen Pisa-Verlierern ist groß: Die Hamburger Jugendlichen erreichten lediglich 497 Punkte, die Bremer gar nur 485. Der Unterschied zwischen Sachsen und Bremen entspricht nach Angaben der Pisa-Forscher "dem Lernzuwachs von zwei Schuljahren". Auch an den Gymnasien ist das Gefälle groß - sächsische und bayerische Gymnasiasten sammelten 619 Punkte, die aus Bremen 572 Punkte.

Ähnlich sieht die Rangfolge bei den beiden anderen Kompetenzen aus: Bei Lesen und Textverständnis exakt wie in den Naturwissenschaften; in der Disziplin Mathematik liegt Baden-Württemberg hinter Sachsen und Bayern auf Platz drei, Thüringen folgt auf Platz vier.

Neue Länder punkten in den Naturwissenschaften

Bei der Lesekompetenz schaffen die vier besten deutschen Länder zwar Werte über dem OECD-Durchschnitt, befinden sich "aber noch in sehr großem Abstand zur internationalen Spitzengruppe", so die Forscher. Hier führt Korea mit 556 vor Finnland mit 547 Punkten, für den deutschen Primus Sachsen sind es 512. Schlusslicht ist abermals Bremen, konnte aber leicht aufholen.

Wie beim Lesen liegen Sachsen (523 Punkte) und Bayern (522) auch in der Mathematik lediglich einen Punkt auseinander und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 504 Punkten. Hier haben sich die meisten Bundesländer leicht verbessert oder stagnieren, Bayern allerdings büßte gegenüber 2003 elf Punkte ein. Das bevölkerungs- und schülerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt in allen drei Teilbereichen unter dem Bundesdurchschnitt und nur bei den Naturwissenschaften knapp über dem OECD-Schnitt.

Es ist der dritte Pisa-Bundesländervergleich seit dem ersten Test im Jahr 2000, der wegen der miserablen Ergebnisse einen Schock in Deutschland ausgelöst hatte. Offiziell wird die Pisa-E-Untersuchung am Dienstagvormittag in Berlin vorgestellt. Die Forscher um den Kieler Professor Manfred Prenzel testeten rund 57.000 Schüler im Alter von 15 Jahren an rund 1500 Schulen.

Arbeiter- und Migrantenkinder bleiben Problemgruppe

Bei der Pisa-Studie 2006 sah das deutsche Ergebnis erfreulicher aus als bei den ersten Wellen 2000 und 2003: Deutschland erreichte einen Mittelwert von 516 Punkten und lag "erstmals signifikant über dem OECD-Durchschnitt", wie die Forscher des Pisa-Konsortiums auch im neuen Vergleich vermerken.

In ihrem 435 Seiten starken Gesamtwerk "Pisa 2006 in Deutschland" beschäftigen sie sich auch mit dem Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungskompetenz der Jugendlichen, der dem Bericht zufolge in allen Bundesländern bedeutsam ist - besonders stark ausgeprägt in Hamburg und Berlin und deutlich schwächer in Sachsen und Niedersachsen.

In Ländern wie Thüringen und Sachsen-Anhalt haben Jugendliche aus Arbeiterfamilien relativ gute Bildungschancen: Immerhin 20 Prozent von ihnen besuchen ein Gymnasium - in Bayern sind es nur acht Prozent. Dort habe sich die Bildungsbeteiligung von Kindern aus unteren Sozialschichten allerdings im Vergleich zu Pisa 2000 und Pisa 2003 verbessert, ebenso wie in Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen orten die Forscher ebenfalls positive Trends, sehen in Deutschland aber weiterhin viele Risikoschüler, die an der untersten Kompetenzstufe scheitern oder sie nur knapp erreichen.

Auch bei Kindern aus Einwandererfamilien zeigt die Studie, dass sie "im Bildungssystem vergleichsweise schlecht integriert sind". Das gelte auch für Schüler, die "ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland verbracht haben", und besonders für Jugendliche mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen. Am stärksten ins Gewicht fallen die Kompetenzunterschiede in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie in Bayern; besser schneiden diese 15-Jährigen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und dem Saarland ab. In den ostdeutschen Ländern wiederum gibt es kaum Schüler aus Einwandererfamilien.

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Forum - Neuer Pisa-Ländertest- was muss Deutschland lernen?
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1.
poppi 17.11.2008
Zitat von sysopSachsen schiebt sich im Pisa- Ländertest vor Bayern auf den ersten Platz. Das Länderranking zeigt Stärken und Schwächen der Schüler auf. Was müssen ihrer Meinung nach die Deutschen noch lernen?
Gar nicht. Nix. Wie gesagt: W-Fragen vermeiden... ;o)
2.
Rainer Helmbrecht 17.11.2008
Zitat von sysopSachsen schiebt sich im Pisa- Ländertest vor Bayern auf den ersten Platz. Das Länderranking zeigt Stärken und Schwächen der Schüler auf. Was müssen ihrer Meinung nach die Deutschen noch lernen?
Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten. Die Unterschiede in Europa sind zu verschieden und die Bewertung kann man nicht neutral vornehmen. Jeder hat eigene Kriterien, die eher subjektiv sind. Wie bei der Bewertung des Euro, es geht um gefühlte und um messbare Ergebnisse. Es werden Erbhöfe verteidigt, die z.B. im Beamtenrecht liegen und der geneigte Leser denkt, es geht um die Chance der Jugend für Bildung. Dabei wird leicht vergessen, dass der Betrieb Schule so schwerfällig ist, dass die heutigen Schulanfänger die Schule bereits verlassen haben, bis es Auswirkungen auf den Lehrbetrieb gibt. MfG. Rainer
3.
Broko 17.11.2008
Die Befürworter der Gesamtschule, z.B. die GEW, würden lieber heute als morgen diese Schulform in Anlehnung an das finnische Schulsystem in Deutschland flächendeckend übernehmen - Bedenken wegen der Unvergleichbarkeit auf Grund der unterschiederlichen Migrationshintergründe in Finnland und Deutschland bügeln sie ab und finden sie irrelevant - genau die gleichen Leuten argumentieren aber mit den Migranten, wenn die Rede auf die erbärmlichen Leistungen der Gesamtschulen bei Vergleichstests in Deutschland kommt: Jetzt kann man angeblich nicht mehr vergleichen, weil die Migranten das Niveau herabziehen. Schulvergleiche zwecks Köcheln ideologischer Süppchen - rausgeschmissenes Geld...
4.
Piri 17.11.2008
Zitat von BrokoDie Befürworter der Gesamtschule, z.B. die GEW, würden lieber heute als morgen diese Schulform in Anlehnung an das finnische Schulsystem in Deutschland flächendeckend übernehmen - Bedenken wegen der Unvergleichbarkeit auf Grund der unterschiederlichen Migrationshintergründe in Finnland und Deutschland bügeln sie ab und finden sie irrelevant - genau die gleichen Leuten argumentieren aber mit den Migranten, wenn die Rede auf die erbärmlichen Leistungen der Gesamtschulen bei Vergleichstests in Deutschland kommt: Jetzt kann man angeblich nicht mehr vergleichen, weil die Migranten das Niveau herabziehen. Schulvergleiche zwecks Köcheln ideologischer Süppchen - rausgeschmissenes Geld...
Und solche Süppchen (auch die Wirtschaft braut eins) können in Ruhe garen, weil das, was Ihr Vorposter R. Helmbrecht schrieb auch stimmt: "Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten." Leider können es die meisten Journalisten auch nicht.
5.
Piri 17.11.2008
Zitat von Rainer HelmbrechtAls Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten. Die Unterschiede in Europa sind zu verschieden und die Bewertung kann man nicht neutral vornehmen. Jeder hat eigene Kriterien, die eher subjektiv sind. Wie bei der Bewertung des Euro, es geht um gefühlte und um messbare Ergebnisse. Es werden Erbhöfe verteidigt, die z.B. im Beamtenrecht liegen und der geneigte Leser denkt, es geht um die Chance der Jugend für Bildung. Dabei wird leicht vergessen, dass der Betrieb Schule so schwerfällig ist, dass die heutigen Schulanfänger die Schule bereits verlassen haben, bis es Auswirkungen auf den Lehrbetrieb gibt. MfG. Rainer
Empfehlenswerte Fortbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_PISA-Studien
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