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23. April 2012, 17:26 Uhr

Neue Pisa-Studie

Teenager an die Testbögen

Wird diesmal alles besser? Ab Montag brüten in Deutschland wieder Tausende Schüler über dem neuen Pisa-Test. Auch wenn die Ergebnisse erst Ende 2013 veröffentlicht werden, äußert die Bildungsgewerkschaft GEW schon jetzt Kritik und verlangt, das Testen möglichst bald einzustellen.

Die erste Pisa-Studie vor gut zehn Jahren schockierte Deutschland, jetzt gibt es wieder einen neuen Anlauf: Von Montag bis Donnerstag nehmen rund 250 Schulen in Deutschland an der fünften Pisa-Studie teil.

Schulen und Schüler werden zufällig bestimmt, einzige Gemeinsamkeit: Die Teilnehmer sind alle 15 Jahre alt. Insgesamt schreiben in Deutschland rund 6250 Schüler mit, weltweit nehmen 68 Staaten teil, zwei Tage dauern die Prüfungen. Wie in den vergangenen Pisa-Jahren gibt es dabei drei Test-Bereiche: Naturwissenschaft, Mathe und Lesekompetenz, wobei auf Mathematik in diesem Jahr der Schwerpunkt liegt.

Der erste Test verbannte Deutschland im Dezember 2001 auf Platz 22 von 32 getesteten Nationen. Ein Schock, der die Kultusminister zu Notmaßnahmen bewegt: So wollten sie die Lehrerbildung verbessern und sieben Handlungsfelder angehen - von Kindergarten bis Migranten, von Sprachtests bis Unterrichtsqualität.

"Wir verlieren nichts, wenn wir Pisa einfach einstellen"

Auch wenn Deutschland sich in den Folgejahren in den Pisa-Studien verbessert hat, brachte auch jede ähnliche Resultate: Deutsche Schulen sind nicht leistungsfähig genug, sie produzieren zu viele Risikoschüler. Und sie sind ungerecht, das heißt: Kinder gebildeter und reicher Eltern haben wesentlich bessere Chancen.

Ob die neue Pisa-Studie zu anderen Ergebnisse kommt, wird sich erst im Dezember 2013 zeigen, wenn die OECD ihren neuen Pisa-Bericht vorlegt, für den jetzt getestet wird.

Zum Start der Tests kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen den neuen Pisa-Test: "Seit Jahren werden die Schulen immer mehr zu Produktionsstätten abfragbaren Wissens umgebaut", sagte GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel. Darum konzentrierten sich Schüler zunehmend auf "Bulimielernen". Immer mehr gehe es um "den Dreischritt 'Lernen, Testbestehen, Vergessen'; immer weniger um Inhalte, Reflektieren, Hinterfragen und Verstehen."

Auch Wolfram Meyerhöfer, bekannter Pisa-Kritiker und Professor für Mathedidaktik, kann den "Ankreuzritualen" der Pisa-Tests wenig abgewinnen: "Wir wissen längst, dass Pisa eben nicht Bildsamkeit testet, sondern die Fähigkeit, das Denken der Tester zu erraten", so Meyerhöfer. Die Länderrankings könnten "ebenso gut großflächig ausgewürfelt werden". Die Testresultate seien leicht manipulierbar, Testen halte vom Denken abhält. "Wir verlieren nichts, wenn wir Pisa einfach einstellen", ist Meyerhöfer überzeugt.

fln

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