Neue Pisa-Studie: Teenager an die Testbögen

Wird diesmal alles besser? Ab Montag brüten in Deutschland wieder Tausende Schüler über dem neuen Pisa-Test. Auch wenn die Ergebnisse erst Ende 2013 veröffentlicht werden, äußert die Bildungsgewerkschaft GEW schon jetzt Kritik und verlangt, das Testen möglichst bald einzustellen.

Pisa 2012: In Deutschland schreiben derzeit rund 6000 Schüler den Test Zur Großansicht
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Pisa 2012: In Deutschland schreiben derzeit rund 6000 Schüler den Test

Die erste Pisa-Studie vor gut zehn Jahren schockierte Deutschland, jetzt gibt es wieder einen neuen Anlauf: Von Montag bis Donnerstag nehmen rund 250 Schulen in Deutschland an der fünften Pisa-Studie teil.

Schulen und Schüler werden zufällig bestimmt, einzige Gemeinsamkeit: Die Teilnehmer sind alle 15 Jahre alt. Insgesamt schreiben in Deutschland rund 6250 Schüler mit, weltweit nehmen 68 Staaten teil, zwei Tage dauern die Prüfungen. Wie in den vergangenen Pisa-Jahren gibt es dabei drei Test-Bereiche: Naturwissenschaft, Mathe und Lesekompetenz, wobei auf Mathematik in diesem Jahr der Schwerpunkt liegt.

Der erste Test verbannte Deutschland im Dezember 2001 auf Platz 22 von 32 getesteten Nationen. Ein Schock, der die Kultusminister zu Notmaßnahmen bewegt: So wollten sie die Lehrerbildung verbessern und sieben Handlungsfelder angehen - von Kindergarten bis Migranten, von Sprachtests bis Unterrichtsqualität.

"Wir verlieren nichts, wenn wir Pisa einfach einstellen"

Auch wenn Deutschland sich in den Folgejahren in den Pisa-Studien verbessert hat, brachte auch jede ähnliche Resultate: Deutsche Schulen sind nicht leistungsfähig genug, sie produzieren zu viele Risikoschüler. Und sie sind ungerecht, das heißt: Kinder gebildeter und reicher Eltern haben wesentlich bessere Chancen.

Ob die neue Pisa-Studie zu anderen Ergebnisse kommt, wird sich erst im Dezember 2013 zeigen, wenn die OECD ihren neuen Pisa-Bericht vorlegt, für den jetzt getestet wird.

Zum Start der Tests kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen den neuen Pisa-Test: "Seit Jahren werden die Schulen immer mehr zu Produktionsstätten abfragbaren Wissens umgebaut", sagte GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel. Darum konzentrierten sich Schüler zunehmend auf "Bulimielernen". Immer mehr gehe es um "den Dreischritt 'Lernen, Testbestehen, Vergessen'; immer weniger um Inhalte, Reflektieren, Hinterfragen und Verstehen."

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Zehn Jahre Bildungsstudie: Wir sind Pisa

Auch Wolfram Meyerhöfer, bekannter Pisa-Kritiker und Professor für Mathedidaktik, kann den "Ankreuzritualen" der Pisa-Tests wenig abgewinnen: "Wir wissen längst, dass Pisa eben nicht Bildsamkeit testet, sondern die Fähigkeit, das Denken der Tester zu erraten", so Meyerhöfer. Die Länderrankings könnten "ebenso gut großflächig ausgewürfelt werden". Die Testresultate seien leicht manipulierbar, Testen halte vom Denken abhält. "Wir verlieren nichts, wenn wir Pisa einfach einstellen", ist Meyerhöfer überzeugt.

fln

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Schulpolitik
ritotschka 23.04.2012
Selbst 10 Jahre als Lehrerin in einer Privatschule, war es für mich erschreckend. 8 Jahre öffentliche Schule hatten alle hinter sich. Doch Dreisatz, Prozentrechnung, Texaufgaben lesen und verstehen - Fehlan-zeige. Solange Deutschland die Kleinstaaterei nicht überwindet und Geschichte nicht 1945 in den Lehrplänen aufhört, wird sich an den Ergebnissen nicht viel ändern. Wir sind im 21. Jahrhundert. Muss da jeder Gymnasiast, nur weil es die Bayern und Baden Würtemberger u.a. mit Latein gequält werden? Nur wenige brauchen es. Deutschland ist in der globalen Welt ein kleines Land, erlaubt sich aber 16 Schulsysteme, wo die Bayern die Hamburger und Berliner Abschlüsse nicht anerkenne. Einheitliche Lehrpläne und vergleichbare Prüfungen braucht das Land. Seht nach Finnland. Ach ja, das geht ja nicht, die hatten seinerzeit ja in der DDR abgeguckt. Das geht ja gar nicht. Hier unterscheidet man ja zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Schichten. Ein Glück durfte ich in der DDR lernen und studieren. Heute wäre ich ja sowas von bildungsfern, ferner geht es überhaupt nicht.
2. 412. Wiederholung
lec457 23.04.2012
Wenn es gelingt, die Pisaressourcen (-millionen) in das öffentliche Bildungssystem zu pushen und die beteiligten "Wissenschaftler" vor die Klassen zu stellen, dann geht es uns allen besser: Eltern, Schülern, Lehrern. Fangt an ! Heute !
3. .
ensarah 23.04.2012
Zitat von ritotschkaWir sind im 21. Jahrhundert. Muss da jeder Gymnasiast, nur weil es die Bayern und Baden Würtemberger u.a. mit Latein gequält werden?
Sorry, aber in Bayern muss bei weitem nicht jeder Gymnasiast Latein lernen (nur die, die es freiwillig wählen), und ich kenne jede Menge Leute aus BaWü, die Abi haben und kein Latein können. Also ist es in BaWü wohl auch nicht Pflicht. Auch das ist Unsinn. Selbstverständlich werden die Abschlüsse aus Hamburg und Berlin in Bayern anerkannt. Da gibt es KMK-Verträge. Nach Finnland sehen geht nicht, weil wir die Ressourcen nicht haben. Eine Klassenfrequenz von 15 Schülern können wir uns schlicht und einfach nicht leisten....
4. Nein, das sehen Sie falsch...
sappelkopp 23.04.2012
Zitat von ensarahNach Finnland sehen geht nicht, weil wir die Ressourcen nicht haben. Eine Klassenfrequenz von 15 Schülern können wir uns schlicht und einfach nicht leisten....
...wir wollen es uns nicht leisten und genau daran krankt unser Bildungssystem. Wir könnten schon, aber unsere Politik setzt andere Prioritäten und wir alle lassen sie gewähren.
5.
gangker2 23.04.2012
Zitat von ensarahEine Klassenfrequenz von 15 Schülern können wir uns schlicht und einfach nicht leisten....
Das stimmt, die Klassen müssten sogar 10 SuS stark sein, damit wir nicht 10% unserer Jahrgänge ohne Schulabschluss ins Leben entlassen, so wie bisher. Wenn wir die Parole vom Fördern des individuellen Lernens ernst nehmen möchten, dann ist das eher die Gruppengröße, die verantwortlich zu handhaben ist. Zur Finanzierung: trägt sich nach etwa 10-15 Jahren selbst.
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Pisa - Wer? Wie? Was?
Die Teilnehmer
Im Frühsommer 2000 nahmen in 32 Staaten jeweils 4500 bis 10.000 15-Jährige am Pisa-Test teil. In Deutschland waren es 5000 Schüler an 219 Schulen. Es folgten weitere Pisa-Studien in den Jahren 2003, 2006 und 2009.
Die Auswahl
Schulen und Schüler wurden in einem Zufallsverfahren ausgewählt. Die Teilnahme war freiwillig.
Der Test
Zwischen Mai und Juni 2000 wurden die Schüler an zwei Tagen getestet. Die Tests dauerten insgesamt etwa drei Stunden. Dabei mussten die Schüler auch Fragen beispielsweise zur Herkunft sowie zu Lesegewohnheiten beantworten.
Die Schwerpunkte
In jedem Pisa-Zyklus untersucht die OECD drei Bereiche: Lesekompetenz, mathematische sowie naturwissenschaftliche Grundbildung - mit jeweils wechselndem Schwerpunkt.
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