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Deutsche Pisa-Ergebnisse: Das Nachsitzen hat sich gelohnt

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Deutschland kann zwei Pisa-Pluspunkte verbuchen. Die Leistungen der Schüler haben sich verbessert, und an den Schulen geht es gerechter zu als noch vor Jahren. Doch es bleibt viel zu tun.

Ein psychischer Schock geht für gewöhnlich einher mit einem Moment der Starre, gefolgt von Desorientierung. Emotionale Schwankungen kommen vor, ebenso Wut und Aggression. Irgendwann beginnt die Verarbeitung, dann die Erholung - da ist Deutschlands Bildungswesen mittlerweile angekommen.

Neue Pisa-Studien lösen keine Schocks mehr aus, im Gegenteil: Sie sind Anlass für Bildungspolitiker und Wissenschaftler, die Fortschritte an den Schulen zu loben. "Deutschland hat sich nicht nur schocken, sondern auch wecken lassen", sagte etwa Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger sekundierte: "Es wird Zeit, den Begriff 'Pisa-Schock' durch 'Pisa-Fortschritt' zu ersetzen."

Und es stimmt ja, die aktuellen Ergebnisse zeigen: Die 15-Jährigen hierzulande rechnen und lesen deutlich besser als der Durchschnitt der 65 teilnehmenden Staaten, und sie schneiden besser ab in den Naturwissenschaften. "Beachtlich" nennt das Manfred Prenzel, Leiter der aktuellen Pisa-Studie und Dekan der School of Education an der TU München.

  • DPA
    Zwei Stunden, dutzende Fragen - der Pisa-Test ist eine harte Prüfung für 15-jährige Schüler. Hier können Sie sich durch Beispielfragen zu Mathematik, Naturwissenschaften und Leseverständnis knobeln.

    Hier geht's zum Test!
Auch geht es in den Schulen gerechter zu als vor gut zehn Jahren. Damals wurde mit der Veröffentlichung der ersten Pisa-Ergebnisse offenbar, wie sehr der Schulerfolg hierzulande von der sozialen Herkunft abhängt. Mittlerweile liegt Deutschland bei der Bildungsgerechtigkeit im OECD-Schnitt, vor zum Beispiel Frankreich. Prenzel mahnt hier allerdings "weitere Anstrengungen" an, denn noch immer schneiden etwa Zuwandererkinder in den Tests schlechter ab.

Pisa liefert Daten - und wirft eine Menge Fragen auf

Auch andere Baustellen benennen die Pisa-Autoren: Nach wie vor gibt es einen großen Sockel abgehängter Schüler. Fast jeder Fünfte erreicht in Mathematik - dem aktuellen Schwerpunkt der Studie - nur ein niedriges Niveau und kann nur sehr einfache Aufgaben lösen. Der Anteil derjenigen, die das Lesen kaum beherrschen, ist mit 14,5 Prozent relativ hoch. Dazu kommt der Geschlechterunterschied, der seit 2003 noch einmal zugenommen hat. Betrug der Abstand vor zehn Jahren noch neun Leistungspunkte, sind es heute 14. Mädchen rechnen weniger gut als gleichaltrige Jungen, und der Abstand zwischen beiden ist größer als im OECD-Schnitt (11 Punkte).

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Pisa-Ergebnisse 2013: Die Aufsteiger, die Absteiger, die Stehenbleiber
Beliebig sind die Ergebnisse nicht, nur relativ. Deutschland liegt in einer Gruppe mit Belgien, Polen, Kanada, Finnland, Vietnam, Irland, also mit Ländern, die ähnliche oder sogar schlechtere strukturelle Voraussetzungen haben als die Bundesrepublik. Somit bedeuten die verbesserten Resultate eine Rückkehr zur Normalität.

Pisa hat zwar eine Menge Daten geliefert, wirft aber auch viele Fragen auf. Wie hat Deutschland die Schockstarre überwunden? Was macht eine wirksame Therapie aus? Und was folgt aus den aktuellen Ergebnissen für die Zukunft der deutschen Schulpolitik?

Die Antworten sind schwieriger, als die zahlenfixierte OECD glauben macht. "Durch die Bestimmung der Merkmale leistungsstarker Bildungssysteme ermöglicht Pisa Regierungen und Bildungsexperten, wirksame Maßnahmen zu identifizieren", sagt etwa der OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Zur Auswahl stehen damit unter anderem: ein nationales Curriculum, wie es Japan eingeführt hat, ein dezentrales System mit viel Verantwortung für die einzelnen Schulen wie in der Schweiz und in den Niederlanden, streng ausgewählte Lehrer, worauf zum Beispiel Kanada und Finnland besonderen Wert legen.

Was hat deutsche Schulen vorangebracht?

Fans der Gesamtschule dürfen in den guten Ergebnissen Polens neue Argumente finden. Anhänger von Leistungsorientierung können bemängeln, dass Deutschland zu wenig Spitzenschüler vorweisen kann. So halten die Statistiken für jede Interpretation die passende Pisa-Tabelle bereit.

Die Bildungsforscher aus dem Pisa-Konsortium loben ihre Profession, die "seit Pisa 2000 ergriffenen Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Unterricht und Schule" zeigten Wirkung, besonders "die Einführung von Bildungsstandards und Schul-Evaluationen" - Reformen, die durch die "neue empirische Forschung" angestoßen worden seien.

Der Aufwärtstrend wird sich wohl auch in der kommenden Studie fortsetzen, allein deshalb, weil die deutschen 15-Jährigen stärker darauf trainiert sind, in Vergleichstests zu punkten. Pisa, so schreiben die verantwortlichen Forscher, habe den "Blick systematisch auf die Bildungsergebnisse gerichtet", die Grundstrukturen der Schullandschaft seien dagegen "weitgehend unverändert" geblieben.

Ein Befund, den Eltern, Lehrer und Schüler nicht unbedingt unterschreiben würden. Sie sehen sich mit zahlreichen Reformen konfrontiert: dem Ganztagsbetrieb an immer mehr Schulen, der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre, der Integration behinderter Kinder in die Regelschulen. Der Sinn und Unsinn solcher Maßnahmen lässt sich kaum durch Pisa-Statistiken abbilden.

Dennoch entscheiden sie stärker über individuellen Schulerfolg als ein Rangplatz bei Pisa. Qualität von Schule bemisst sich auch danach, ob die Klassenzimmer im Winter ordentlich geheizt sind, wie viele Stunden durch Vertretungslehrer unterrichtet werden müssen oder ob die Schulklos sauber sind. Sie bemisst sich danach, wie gut die Schulbehörden in einer Stadt arbeiten, wie motiviert die Lehrer sind.

Für die Politik ist es deshalb angenehm, ein gutes Durchschnittsergebnis zu präsentieren. Der Blick auf die unangenehmen Details fehlt. Den Bundesländervergleich, der in den ersten Pisa-Tests enthalten war, betreiben die Kultusminister mittlerweile lieber selbst. So kommen sie um Ergebnisse herum, wie sie die neue Pisa-Studie etwa für die Mathematikleistungen italienischer Schüler ausweist. Zwar erzielt Italien im Durchschnitt akzeptable 485 Punkte, allerdings: Trient erreicht 524 Punkte und liegt auf dem Niveau der Niederlande, Kalabrien 430 Punkte - schlechter als Kasachstan.

Pisa 2013

(Zur Sortierung klicken Sie auf die Spaltenköpfe)

Land Mathe Lesen Naturwissenschaften
Shanghai (China) 613 570 580
Singapur 573 542 551
Hongkong (China) 561 545 555
Taipeh (China) 560 523 523
Korea 554 536 538
Macao (China) 538 509 521
Japan 536 538 547
Liechtenstein 535 516 525
Schweiz 531 509 515
Niederlande 523 511 522
Estland 521 516 541
Finnland 519 524 545
Kanada 518 523 525
Polen 518 518 526
Belgien 515 509 505
Deutschland 514 508 524
Vietnam 511 508 528
Oesterreich 506 490 506
Australien 504 512 521
Irland 501 523 522
Slowenien 501 481 514
Dänemark 500 496 498
Neuseeland 500 512 516
Tschechien 499 493 508
Frankreich 495 505 499
Vereinigtes Königreich 494 499 514
Island 493 483 478
Lettland 491 489 502
Luxemburg 490 488 491
Norwegen 489 504 495
Portugal 487 488 489
Italien 485 490 494
Spanien 484 488 496
Russland 482 475 486
Slowakei 482 463 471
Vereinigte Staaten 481 498 497
Litauen 479 477 496
Schweden 478 483 485
Ungarn 477 488 494
Kroatien 471 485 491
Israel 466 486 470
Griechenland 453 477 467
Serbien 449 446 445
Türkei 448 475 463
Rumänien 445 438 439
Zypern 440 449 438
Bulgarien 439 436 446
Vereinigte Arabische Emirate 434 442 448
Kasachstan 432 393 425
Thailand 427 441 444
Chile 423 441 445
Malaysia 421 398 420
Mexiko 413 424 415
Montenegro 410 422 410
Uruguay 409 411 416
Costa Rica 407 441 429
Albanien 394 394 397
Brasilien 391 410 405
Argentinien 388 396 406
Tunesien 388 404 398
Jordanien 386 399 409
Kolumbien 376 403 399
Katar 376 388 384
Indonesien 375 396 382
Peru 368 384 373

OECD-Durchschnittswerte:
Mathe: 494, Lesen: 496, Naturwissenschaften: 501


Die aktuelle Pisa-Studie hat den Schwerpunkt Mathematik, die Daten wurden im Jahr 2012 erhoben. Für die Punkte im Bereich Mathe gilt: 41 Punkte Differenz entsprechen einem Unterschied von etwa einem Jahr formaler Bildung. Das heißt: Schüler, die um rund 40 Punkte besser abgeschnitten haben als Gleichaltrige in einem anderen Land, sind in der Mathekompetenz ungefähr ein Schuljahr weiter.

Quelle: OECD

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Ausländer
thapk 03.12.2013
Mich interessiert die Gegenüberstellung der Leistungen deutscher und ausländischer Schüler in dieser Studie. Das schlechte Abschneiden Deutschlands hängt sicher mit an dem hohen Ausländeranteil zusammen.
2. Die Realität sieht anders
kurswechsler 03.12.2013
Ich möchte gar nicht wissen, wie das alles hin-manipuliert wird, damit es in irgend ein Bild passt. Tatsächliche haben die meisten Jugendlichen inzwischen kaum noch Allgemeinbildung, ist die Rechtschreibung eine Katastrophe und die Fähigkeit Dreisatz zu rechnen sowieso verloren gegangen.
3. Inländer
dickebank 03.12.2013
Zitat von thapkMich interessiert die Gegenüberstellung der Leistungen deutscher und ausländischer Schüler in dieser Studie. Das schlechte Abschneiden Deutschlands hängt sicher mit an dem hohen Ausländeranteil zusammen.
Wer in Deutschland zur Schule geht, der ist deutscher Schüler. Es gibt sogar Schüler mit deutscher Abstammung, die in Deutschland auf ausländische Schulen gehen. Die Frage der Abstammung ist also kein Erfassungsmerkmal für die Leistungsbewertung. Spannender ist daher die Frage, zu welchen sozio-ökonomischen Gruppen gehören die Schüler der einzelnen Leistungscluster gehören. Schulischer Erfolg/Miserfolg ist nämlich wesentlich weniger von der Abstammung als von den wirtschaftlichen Gegebenheiten in den Familien abhängig. Das heißt nicht, dass wer arm ist zwangsläufig doof ist. Nur die fehlenden materiellen Ressourcen führen in der Regel zu schlechteren schulischen Leistungen. Das weiß ja selbst die Schulverwaltung,; deshalb gibt es in NRW fünf verschiedene Standorttypen - von Schule im bürgerlichen Villenviertel am Stadtrand bis Schule im Ghetto. Bei der Klassifizierung geht es einzig und allein um das sozio-ökonomische Schulumfeld. Bezeichnend ist die Tatsache, dass es keine Gymnasien des Standorttyps 5 gibt. Das Ghetto-Gymnasium heißt nicht umsonst Gesamtschule.
4. Die Eltern
Pedda 03.12.2013
Zitat von kurswechslerIch möchte gar nicht wissen, wie das alles hin-manipuliert wird, damit es in irgend ein Bild passt. Tatsächliche haben die meisten Jugendlichen inzwischen kaum noch Allgemeinbildung, ist die Rechtschreibung eine Katastrophe und die Fähigkeit Dreisatz zu rechnen sowieso verloren gegangen.
Tja, wenn man nicht wenigstens von den Eltern etwas lernen kann :-)
5. naja
Weberameise 03.12.2013
Also die Ausschnitte aus den Tests die hier im Spiegel zum Selbstversuch zitiert werden sind ja mitunter etwas fragwürdig. "Heike ist 6 km zum Haus ihrer Tante gefahren. Ihr Tachometer hat für die gesamte Tour durchschnittlich 18 km/h angezeigt. Welche der folgenden Aussagen ist richtig?" klingt ja erst mal recht einfach, aber es nicht völlig klar ob die Durchschnittgeschwindigkeit über die Zeit oder über die Strecke gemeint ist. Über die Strecke klar, 20 min. Über die Zeit? Keine aussage möglich. Oder die Aufgabe mit den durchschnittlichen Besucherzahlen. Der Fuji st 2 Monate lang für Besucher frei, bei der Frage nach den durchschnittlichen Besucherzahlen ist aber unklar ob genau dieser Zeitraum oder etwa das Jahr gemeint ist. Letzteres muss in Anbetracht der Auswahloptionen zwar verneint werden, aber ich nehme an, dass die Kinder unter Zeitdruck stehen und keinen Taschenrechner benutzen dürfen. Wer intelligent genug ist um die unzulängliche Aufgabenstellung als solche zu erkennen vertrödelt hier Zeit und verliert am Ende womöglich Punkte.
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