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22. Februar 2013, 18:00 Uhr

Schülerschwund

Schule zahlt 500 Euro Kopfgeld

Vielen Schulen in Deutschland gehen die Schüler aus. Politiker, Lehrer, Eltern und Schüler reagieren mit Stipendien, Mini-Klassen und einmal sogar mit Hungerstreik. In Rheinland-Pfalz lockt eine Schule jetzt mit Geld: Für jede Anmeldung gibt es 500 Euro.

Es ist nicht die einzige Schule Deutschlands, die mit Schülerschwund zu kämpfen hat. Aber sie setzt ein sehr ungewöhnliches Gegenmittel ein: Wer sein Kind an der Realschule plus des Schulzentrums Speicher in Rheinland-Pfalz anmeldet, bekommt 500 Euro ausgezahlt. "Starterkit", nennt das der Bürgermeister Rudolf Becker, er versteht es als "Sahnehäubchen" für die Eltern. Schließlich würde niemand sein Kind an einer Schule anmelden, die ihm nicht gefalle - auch nicht für ein paar hundert Euro.

"Ich weiß nicht, was daran unmoralisch sein soll", sagte Jürgen Weber, der Leiter des Zentrums, dem "Trierischen Volksfreund". "Es ist doch Tradition, Schüler und Eltern beim Kauf der Materialien zu unterstützen." So sieht es auch Bürgermeister Becker, der die Idee für die Prämie hatte: Unmoralisch sei es, ein gut funktionierendes Schulzentrum zu schließen.

51 Jugendliche müssen sich bis Ende Februar anmelden, bislang liegen 24 Anmeldungen vor. Wenn alle 51 Schüler Geld bekämen, müsste die Verbandsgemeinde Speicher 25.500 Euro zahlen. "Selbst wenn es 100 Kinder wären, würden wir das gern tun", sagte der Bürgermeister Rudolf Becker dem "Trierischen Volksfreund". Er möchte den Schulstandort unbedingt erhalten.

Die zuständige Aufsichts- und Dienleistungsdirektion (ADD) ist allerdings wenig begeistert von seiner Idee: "Da wird ein Weg beschritten, der in die falsche Richtung geht", sagte Eveline Dziendziol der Zeitung. "Die Auswahl der Schule sollte nicht nach finanziellen Aspekten erfolgen."

Hungerstreik, Mini-Stipendium und Schulbesetzung

Rund 8,7 Millionen junge Menschen besuchen derzeit eine allgemeinbildende Schule. Die Anzahl sinkt dabei seit dem Schuljahr 1998/99 Jahr für Jahr. Dementsprechend kämpfen viele Schulen: Die Realschule plus in Rheinland-Pfalz ist auch eine Reaktion auf den Rückgang der Schülerzahlen. Das Model startete zum Schuljahr 2009/10, in der neuen Realschule plus lernen Haupt- und Realschüler gemeinsam. Wenn Schulen zusammengelegt werden, müssen weniger Schulstandorte geschlossen werden - so die Hoffnung - und die Schüler müssen morgens nicht so weit fahren.

In Sachsen-Anhalt beispielsweise mussten im vergangenen Jahrzehnt etwa 160 Grundschulen schließen. Inzwischen stemmt sich das Land gegen das Schulsterben, indem es weniger als zehn Kinder pro Klasse erlaubt. In Eberswalde bei Berlin campierten Schüler schon tagelang in ihrer Schule, um sie vor der Schließung zu bewahren. In Heckelberg-Brunow, ebenfalls Brandenburg, hatte vor Jahren schon eine Dorfschule eine ähnliche Idee wie jetzt die Realschule in Speicher. Ihr fehlten noch drei Schüler, sonst drohte die Schließung. Erst traten Eltern in den Hungerstreik, dann wurde eine Art "Mini-Stipendium" ausgelobt: Jeder Schüler, der sich bis zum Stichtag freiwillig meldete, sollte zehn Euro pro Woche bekommen. Am Schluss waren es nur 38 Schüler, 40 mussten es sein.

fln

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