Vor der Demonstration hatte Spaenle die Aktion als "Provokation" bezeichnet und gesagt, sie verletze die Schulpflicht. Er wurde sofort ausgepfiffen, als er die Bühne in München betrat, und kam erst zu Wort, nachdem einer der Organisatoren die Demonstranten um Ruhe gebeten hatte. Seine Teilnahme an einer Diskussionsrunde auf der Bühne sagte er nach dem Tomatentreffer ab.
"Ich sag ja nicht, dass es perfekt ist", so Spaenle zu den Demonstranten. Jede einzelne Schule müsse den Stundenplan individuell prüfen. Zudem kündigte er einen Vergleich der Halbjahresnoten zwischen G8 und G9 an. Der Prozess der Umstellung sei schwierig; damit könne man "politisch keinen Blumentopf gewinnen".
"Der Stress geht schon in der Früh los"
Allein in München versammelten sich bei Schnee und Minusgraden rund 2500 Demonstranten, noch mal so viele gingen in Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Kempten und Würzburg auf die Straße.
"Ich habe 39 Wochenstunden und keine Zeit für Freizeit", sagte die 17 Jahre alte Julia Biermeier, eine der Mitorganisatorinnen des Streiks. An drei Tagen pro Woche habe sie keine Mittagspause und bekomme erst um vier Uhr nachmittags etwas zu essen. "Wir wollen, dass für die Schüler, die nach uns kommen, was getan wird", forderte die Elftklässlerin.
Auch ihre Mutter marschierte bei der Demo mit. "Der Stress geht schon in der Früh los", sagte sie. Die Nerven der Schüler lägen blank, weil ihnen der Ausgleich fehle. Ähnlich sei es im Studium: "Bis sie ins Berufsleben eintreten, brauchen sie die erste Kur."
Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, erklärte sich in einer Rede solidarisch mit den Schülern. "Bildung ist zu wichtig, als dass man sie nur den Politikern überlassen sollte", sagte er. Die Demonstrationen seien "gelebte Demokratiepädagogik" und "Politikunterricht vom Feinsten".
vet/apn/dpa
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