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Schule im Chaos: Umstrittene Pforzheimer Rektorin abgesetzt

Fast alle Lehrer meldeten sich krank, Eltern und Schüler protestieren vor der Tür: Seit die Rektorin der Waldschule Pforzheim gestern zurückkehrte, liegt der Unterricht lahm. Jetzt hat das Land die Schulleiterin abberufen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat die heftig umstrittene Schulrektorin Cornelia Frech-Becker von ihrem Arbeitsplatz abberufen. Sie darf auch das Schulgelände nicht mehr betreten. "Ihr wird die weitere Führung der Dienstgeschäfte an dieser Schule untersagt", so Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU).

"Ich habe weder in meiner Zeit als Schüler noch als Minister eine solche Situation erlebt", sagte Rau. Rund 100 Eltern und Schüler protestierten heute wie gestern gegen die Schulleiterin und haben den Unterricht erneut lahmgelegt. "Es sind weiter 13 von 18 Lehrern der Grund- und Hauptschule krankgemeldet. Somit ist kein Unterricht möglich", sagte Konrad Weber, Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe. "Cornelia Frech-Becker wird diese Schule nicht mehr führen. Wir erwarten, dass sich der Schulalltag jetzt schnell wieder normalisiert."

Wegen ihres angeblich autoritären Führungsstils wird die Schulleiterin seit Jahren kritisiert. Ihre Gegner fordern von Frech-Becker, auf ihr Amt als Schulleiterin zu verzichten. Sie war erst gestern nach längerer Krankheit wieder in die Schule zurück gekommen.

Nach zahlreichen Beschwerden war Frech-Becker eigentlich schon an das Landeslehrerprüfungsamt versetzt worden. Dagegen hatte sich die Rektorin vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe erfolgreich mit einem Eilantrag gewehrt. Gegen diesen Beschluss hat das Kultusministerium Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg in Mannheim eingelegt.

Seit vielen Jahren Ärger an der Schule

Der Anwalt der Schulleiterin hatte sich gestern noch kämpferisch gegeben: "Das weitere berufliche Schicksal von Frau Frech-Becker wird nicht auf der Straße und auch nicht durch Boykottaufrufe der Lehrerergewerkschaft GEW im Internet entschieden", so der Anwalt. "Meine Mandantin wird ihren Dienst unbeirrt weiterführen und ist um eine einvernehmliche Lösung in dieser Angelegenheit bemüht. Wenn andere zündeln, müssen sie das verantworten."

Frech-Becker pflege einen autoritären Führungsstil, sagen ihre Kritiker. Ihre Auffassung von Schule und Lernen hatte sie immer wieder in Büchern wie "Fördern heißt Fordern" oder "Fünfzig Jahre passé, Knigge ade, Schule oh je!" sowie in Artikeln in Zeitungen und Magazinen mitgeteilt. Ihren Auftritt hatte sie auch in der ZDF-Serie "Harte Schule der 50er Jahre".

"Diese Frau darf an keiner Schule mehr unterrichten", sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz am Montag. "Die Angst vor weiteren Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen von Frech-Becker macht nicht nur viele Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrkräfte krank", so Moritz. Das Kultusministerium hatte vorsorglich sogar einen Schulpsychologen geschickt, da Lehrer, Eltern und Schüler "psychosomatische Beschwerden" befürchteten.

Cornelia Frech-Becker, die Frau des früheren Pforzheimer Oberbürgermeisters Joachim Becker, sieht sich als "Opfer einer infamen Ablösungskampagne". Sie hatte 1998 die Leitung der Grund- und Hauptschule mit zwölf Klassen übernommen. Nach Medienberichten hatte es bereits wenig später Ärger mit den Eltern der Kinder wegen ihres pädagogischen Konzeptes und des Umgangs mit den Schülern gegeben.

maf/dpa

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