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Schule in Delmenhorst: Behörde will Lehrer wegen Nazi-Lied entlassen

Eine Musikstunde, die den Lehrer den Job kosten kann: Die Landesschulbehörde Lüneburg will einen Musiklehrer aus Delmenhorst entlassen, weil er seine Schüler ein Lied der Hitlerjugend singen ließ und sie aufforderte, den Hitlergruß zu zeigen.

Jetzt will die Behörde ihn rausschmeißen: Weil er mit seinen Schülern das Hitlerjugend-Lied "Vorwärts, vorwärts" gesungen hat, will die Landesschulbehörde einen Musiklehrer eines Delmenhorster Gymnasiums entlassen. Der Lehrer soll zuerst selbst gesungen und dann die Schüler dazu aufgefordert haben, mitzumachen und den Hitler-Gruß zu zeigen. Das Lied ist auch bekannt unter dem Titel "Unsre Fahne flattert uns voran", es ist das bekannteste Propaganda-Lied der Hitlerjugend.

Der Lehrer ist krank geschrieben, seit der Vorfall publik wurde - laut eines ärztlichen Gutachtens ist er nun längerfristig dienstunfähig. Dies sei auch der Grund dafür, dass die Behörde ihn entlassen will, sagte eine Sprecherin am Montag in Lüneburg. Da der Mann noch Beamter in der Probezeit sei, ist eine solche Entlassung möglich. Der Lehrer könne dagegen Rechtsmittel einlegen.

Missglückter Unterrichtsversuch

Im Februar hatte der Lehrer das Lied der Hitlerjugend im Musikunterricht gespielt und Zehntklässler zum Singen aufgefordert. Nach der Stunde hatten sich einige Schüler beim Schuldirektor beschwert, der daraufhin beide Seiten anhörte und die Landesschulbehörde in Lüneburg informierte. Behördensprecherin Susanne Strätz sagte, der Lehrer sei "ziemlich unbedarft" gewesen und habe zu seiner Verteidigung gesagt, er habe das Lied "zu Demonstrationszwecken" singen lassen.

Der 40-Jährige unterrichtete seit eineinhalb Jahre an dem Delmenhorster Gymnasium Musik und Mathematik, ohne je durch rechte Tendenzen aufzufallen, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums in Hannover. Die Sache scheint vielmehr ein missglücktes Unterrichts-Experiment zu sein. Wie das "Delmenhorster Kreisblatt" berichtete, war in der Klasse gerade in den Fächern Politik und Geschichte der Nationalsozialismus Thema.

Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen ein

Eltern der Schüler stellten Strafanzeige wegen Volksverhetzung, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen allerdings recht schnell wieder ein. Das bloße Singen des Liedes sei keine Volksverhetzung, sagte Staatsanwalt Rainer du Mesnil de Rochemont. Es müsse eine "nicht übersehbare Zahl von Personen betroffen sein". Der Vorfall habe sich aber innerhalb einer Klasse ereignet und sei deshalb nicht öffentlich.

maf/dpa

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