In allen Bundesländern ist das Turbo-Abitur nach zwölf Schuljahren inzwischen Standard und häufig klagen Eltern und Lehrer über vollgestopfte Stundenpläne, auch in NRW. Dort wird 2013 der doppelte Abiturjahrgang am Gymnasium abschließen - erst dann halten die ersten G8-Schüler ihre Abiturzeugnisse in Händen. An einigen Schulen im Land soll nun aber das Abitur nach 13 Schuljahren in einem Modellversuch zurückkehren.
Im Sommer stellte die rot-grüne Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft (SPD) bis zu 60 Schulen in NRW in Aussicht, sie könnten im Jahr 2011 zum Abitur nach 13 Jahren zurückkehren. 13 nordrhein-westfälische Gymnasien haben nun beantragt, ihren Schülern wieder mehr Zeit bis zum Abschluss zu geben. Zehn Schulen wollen komplett zum alten System zurückkehren. An drei weiteren Schulen sollen die Schüler zwischen G8 und G9 auswählen können. Die Entscheidung darüber fällt die Schule selbst.
Hinter der Idee stehe "der Wunsch, Kinder und Jugendliche durch mehr Lernzeit zu entlasten", erklärte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag. "Wir nehmen diesen Wunsch ernst."
Nach den vielen Klagen über die Belastungen einer verkürzten Gymnasialzeithatte die Landesregierung den Gymnasien bis Ende Dezember Zeit gegeben, sich um die Teilnahme zu bewerben. Die allermeisten wollten sich offenbar den Stress einer erneuten Umstellung ersparen - nur etwa jedes 50. Gymnasium beantragte eine Rückkehr zu G9.
Kaum Interesse an einer Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium
Bis Ende Januar entscheidet das Schulministerium, an welchen Schulen der Versuch wirklich stattfinden wird. Bei den Anmeldungen im Februar werden die Eltern daher wissen, ob sie für ihre Sprösslinge das Turbo-Abi oder entspanntes Lernen in neun Gymnasialjahren buchen. Bis Ostern sollen die Lehrpläne für die neuen G9-Schüler in Klasse 5 und 6 überarbeitet werden.
Der Versuch läuft bis zum Schuljahr 2023/2024 und wird wissenschaftlich begleitet. So soll herausgefunden werden, wie sich ein Schuljahr mehr oder weniger auf den Lern- und Schulerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirkt, erklärte Löhrmann. Ob auf das Modellprojekt eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium folgen könnte, wollte Löhrmanns Pressesprecher Jörg Harm nicht weiter kommentieren. "Es macht keinen Sinn bereits über die Konsequenzen zu spekulieren."
Im Vergleich zum alten G9 soll an den Modellschulen die Wochenstundenzahl leicht ansteigen und dem Niveau von Real-, Gesamt- und Hauptschulen entsprechen. Die CDU erneuerte ihre Kritik an den Plänen der rot-grünen Minderheitsregierung. "Man muss sich fragen, was an G9 eigentlich Versuch sein soll", sagte NRW-Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann. "Wir haben in Nordrhein-Westfalen zurzeit noch G9." Es sei nicht klar, was Ministerin Löhrmann eigentlich erproben wolle.
juf
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