Schulnoten führen regelmäßig zu Diskussion. Schüler streiten sich mit Mitschülern und Lehrern, Lehrer mit Eltern und Schulleitern - durchaus zu Recht wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie zeigt: Denn die Notenvergabe lässt sich nur zum Teil mit der Leistung eines Schüler erklären. Darüber hinaus beeinflussen Abstammung, Geschlecht und vor allem das Elternhaus die Benotung. Das Fazit der Wissenschaftler: "Herkunft wird mit zensiert."
Die Untersuchung unter dem Titel "Herkunft zensiert? Leistungsdiagnostik und soziale Ungleichheit in der Schule" im Auftrag der Vodafone-Stiftung zeige, dass auch Noten und Schulempfehlungen zur sozialen Ungleichheit beitragen, sagte der Stiftungs-Geschäftsführer Mark Speich. Besonders gravierend wirkt sich diese Praxis beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium aus.
Die Bildungsforscher Kai Maaz von der Uni Potsdam, Ulrich Trautwein von der Uni Tübingen und Franz Baeriswyl von der Uni Freiburg in der Schweiz haben die Untersuchung als Meta-Studie durchgeführt: Sie bedienten sich dazu bei den Ergebnissen der Timss-Übergangsstudie, der Berliner Element-Studie sowie die der Tosca-Studie. Deren Ergebnisse setzten sie mit den Schulnoten und beispielsweise mit dem Geschlecht, der Herkunft und dem Bildungsstand der Eltern in Verbindung.
Die zentralen Ergebnisse lauten:
Diese Erkenntnisse sind nicht neu - in ihrer neuen Zusammenstellung zeigen sie aber, dass sich an den längst bekannten Problemen, die spätestens seit der erste Pisa-Studie von 2001 breit diskutiert werden, kaum etwas gebessert hat.
Und auch die jüngste internationalen Iglu-Grundschulstudie zeigte, dass es Kinder aus Unterschichts- und Einwandererfamilien in kaum einem anderen Land so schwer haben wie in Deutschland.
Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, sagte zu den Ergebnissen: "Die Grundschullehrer müssen bei der Schullaufbahnempfehlung jedes Mal einen Spagat bewältigen, der ihnen von einem selektiven Schulsystem aufgezwungen wird." Bei Kindern aus begüterten Familien würden die Lehrer trotz Zweifel eher zur Gymnasialempfehlung neigen - in der Gewissheit, dass die Eltern notfalls mit Nachhilfe ihr Kind schon zum Abitur bringen werden.
Der Geschäftsführer Speich warnt vor einer kollektive Lehrerbeschimpfung. "Die Konsequenz darf aber nicht Lehrerschelte sein", sagt er. "Vielmehr sollten die üblichen Formen der Leistungsdiagnostik und Übertrittsregelungen überdacht werden."
Mit Material von dpa
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