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Streit über Schulsystem: Gesamtschule folgenlos, Bildung wird vererbt

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Fördern Gesamtschulen Arbeiterkinder besser als das dreigliedrige Schulsystem? Ein Pädagogikprofessor hat die Lebenswege hessischer Schüler über Jahrzehnte verfolgt. Sein ernüchterndes Fazit: Die soziale Herkunft ist entscheidender als die Schulform.

Eins zu zwölf. In Zahlen: 1:12. So stehen die Chancen eines Arbeiterkindes, einen Hochschulabschluss zu erreichen, im Vergleich zu einem Oberschichtkind. Das ist eine niederschmetternde, wenngleich keine neue Erkenntnis - das deutsche Bildungssystem ist dafür berüchtigt, dass es Kinder und Jugendliche höchst wirkungsvoll nach ihrer sozialen Herkunft sortiert. Und Migrantenkinder werden erst recht abgehängt. Die Pisa-Studien zeigen: Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, gelingt in Deutschland viel schlechter als in vergleichbaren Ländern.

Viertklässler mit Zeugnissen: Früh trennen sich die Wege der Kinder
DPA

Viertklässler mit Zeugnissen: Früh trennen sich die Wege der Kinder

Daran entzündet sich ein schier endloser Streit um das richtige Schulsystem. Im Zuge der Reformeuphorie der siebziger Jahre führte die Einführung von Gesamtschulen in einigen Bundesländern zu einem regelrechten Kulturkampf. Sie sollten die traditionelle Trias von Gymnasien, Real- und Hauptschulen brechen und Kinder aus bildungsfernen Schichten zu besseren Chancen verhelfen. Ein erfolgreicher Ansatz? Der Wissenschaftler Helmut Fend kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Auch die Gesamtschulen scheitern an diesem Anspruch.

Seine Untersuchung gibt der Schulsystem-Debatte neue Nahrung. Als Pädagogikprofessor lehrte Fend in Konstanz und Zürich, ist inzwischen emeritiert und steht keineswegs im Verdacht, Gesamtschulen zu hassen. Im Gegenteil, vielen Schulreformern fühle er sich verbunden, schreibt Fend in der "Zeit". Dort bilanziert er, dass die "soziale Herkunft hierzulande noch langfristiger über den Bildungserfolg der Kinder entscheidet als bisher angenommen" - eine "bittere Erkenntnis".

Frühe Förderung, mehr Durchlässigkeit

In den siebziger Jahren leitete Fend eine große Studie über die Vor- und Nachteile von Gesamtschulen und verfolgte für seine neue Untersuchung die Lebenswege von Schülern an Gesamt- und anderen Schulen; sie sind zwischen 12 und 35 Jahre alt und wohnen in oder um Frankfurt herum. Ob sie studierten, welche Schulabschlüsse und Berufspositionen sie erreichten, dafür spielte die Schulart Fends Studie zufolge praktisch keine Rolle. Gesamtschüler schnitten nicht besser ab als vergleichbare Absolventen anderer Schulen.

Viel wichtiger für den Bildungserfolg ist demnach das Elternhaus - vor allem, wenn es um "Entscheidungen mit Risikocharakter" geht, also etwa zum Schulabschluss, zur Ausbildung oder Berufslaufbahn. Dann tritt die Schulform in den Hintergrund, stattdessen "kommen die Ressourcen der Familie zum Tragen", so Fend in der "Zeit".

Der Erziehungswissenschaftler lässt durchblicken, dass er einen Neustart der ideologisch aufgeheizten Schulsystem-Diskussion für sinnlos hält. Er plädiert für pragmatische Lösungen, vor allem für mehr Durchlässigkeit: Wenn Jugendliche nach dem neunten oder zehnten Schuljahr den Haupt- oder Realschulabschluss in der Tasche haben, muss das nicht die Endstation in der Bildung sein. Sie können auch an berufsbildenden Gymnasien weitermachen oder andere Wege zur Hochschulreife absolvieren.

Daneben hält Fend auch eine "gezielte Frühförderung, etwa durch Ganztagsschulen", für sinnvoll und favorisiert ein zwei- statt dreigliedriges Schulsystem. Soll heißen: Das Gymnasium bleibt, aber Haupt- und Realschulen werden zusammengefasst. Weg mit der Hauptschule - diese Forderung fand in den letzten Monaten bei Bildungsforschern und -politikern immer mehr Anhänger.

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Forum - Von Pisa zu Iglu - deutsche Schulen verbessert?
insgesamt 1799 Beiträge
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1.
_gimli_ 28.11.2007
Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
2.
Niobe, 28.11.2007
Zitat von _gimli_Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Tja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne. Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
3. DDR, alles besser?
discipulus, 28.11.2007
Zitat von _gimli_Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Werter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
4. Englisch in der Grundschule!
discipulus, 28.11.2007
Zitat von NiobeTja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne. Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
Verehrte/r Poster/in, was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder Methodenkompetenz? Bitte liefern Sie nähere Informationen.
5.
ReneMarik 28.11.2007
Zitat von discipulusWerter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
Die Sortierung in der 4. Klasse kommt wirklich viel zu früh, gerade für uns Jungs. Meine Wenigkeit hatte z.b bis zur 7 Klasse sehr "durchschnittliche" Leistungen in der Schule. Eine 1 im Sport :) und der Rest alles Note 3 und Schlechter. "Klick" hatts bei mir erst ab Klasse 8 gemacht. Keine Ahnung warum aber meine Noten besserten sich merklich, ich hatte langsam eine Vorstellung von dem, was ich mal später als Beruf machen wollte usw. Im jetztigen System hätte ich maximal mittl.Reife oder den HS-Abschluß weil ich mit 10 Jahren schon auf die Verliererstrasse geschickt worden wäre. Mfg Rene´
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