Strenge Sitten in Japan: Polizei verhaftet Schummel-Schüler
Mit Hilfe aus dem Internet hat ein japanischer Schüler versucht, sich einen Platz an einer renommierten Universität zu erschleichen. Die Behörden reagierten unerbittlich auf den Prüfungsbetrug: Die Polizei schrieb den psychisch labilen Jungen zur landesweiten Fahndung aus - und setzte ihn fest.
Weil ein 19-jähriger Japaner unbedingt an einer renommierten Uni studieren wollte, hat er in seinem Land einen kleinen Skandal ausgelöst: Der Schüler versuchte, beim Aufnahmetest für die Kyoto-Universität mit abfotografierten Prüfungsaufgaben, die er auf einer Webseite veröffentlichte, Hilfe in der Eingangsprüfung zu erhalten. Er flog auf und sitzt nun in Polizeigewahrsam, berichtet die japanische Nachrichtenseite Daily Yomiuri Online.
Im Polizeiverhör sagte der Jugendliche, er habe unbedingt das Examen bestehen wollen. Drei weitere renommierte japanische Hochschulen gaben an, sie hätten ähnliche Postings im Zusammenhang mit ihren Aufnahmetests auf der japanischen Web-Seite Chiebukuro gefunden, die der verhaftete Jugendliche bei seiner Prüfung an der Kyoto-Universität verwendet haben soll, berichtet der amerikanische Nachrichtensender CNN.
"Es ist kein einfacher Betrugsversuch", sagt Yoichi Shimada, der Direktor der Waseda-Universität, einer der betroffenen Unis. Vielmehr versuche jemand "das Prüfungsverfahren an sich zu durcheinanderzubringen". Der Schummelversuch schlägt in Japan inzwischen hohe Wellen: Alle großen Zeitungen des Landes berichten derzeit über den Fall.
Schüler drohen eine Geldstrafe und drei Jahre Gefängnis
Bereits im Februar war vier renommierten japanischen Unis aufgefallen, dass ein Nutzer mit dem Phantasienamen "aicezuki" auf einer Webseite ihre Testfragen gepostet hatte. Sie hätten allerdings Prüfungen von 30.000 Anwärtern prüfen müssen, um einen Hinweis auf "aicezuki" zu finden.
Anschließend schrieb die Polizei den jungen Mann zur landesweiten Fahndung aus. Am Donnerstag fanden sie ihn schließlich in der nordjapanischen Stadt Sendai, wo er derzeit noch die Schule besucht. Seine Eltern hatten ihn zuvor als vermisst gemeldet, weil er am Vortag nicht nach Hause gekommen war.
Sollte der Schüler verurteilt werden, drohen ihm bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Yen (4.400 Euro). Er könnte die erste Person werden, die in dem Land wegen Schummelei strafrechtlich verfolgt wird, berichtet die Nachrichtenagentur dapd und beruft sich dabei auf japanische Medien.
Einige private Nachrichten von "aicezuki" im Internet deuten darauf hin, dass es sich bei ihm womöglich um eine labile Persönlichkeit handelt. Daily Yomiuri Online berichtet, der 19-Jährige habe auf einer Web-Seite Selbstmordabsichten geäußert. Im Januar schrieb er: "Bitte nennt mir gute psychiatrische oder psychosomatische Kliniken in Sendai."
fln/dapd
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