Jugendliche im Internet: Ich surfe, also bin ich süchtig?

Junge am Rechner: Ohne Internet geht's nicht mehr Zur Großansicht
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Junge am Rechner: Ohne Internet geht's nicht mehr

Tage ohne Internet gibt es kaum mehr, aber wie viel Surfen ist noch normal? Eine europaweite Studie hat untersucht, welche Jugendlichen das Netz exzessiv nutzen. Ergebnis: Fast jeder zehnte Jugendliche zeige bedenkliches Web-Verhalten, ein Prozent soll sogar internetsüchtig sein.

Fast jeder geht mehrmals täglich ins Internet: Um seine E-Mails zu checken, um die Kommentare unter seinem Facebook-Eintrag zu zählen, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Das Internet gehört zum Alltag - nur wann wird das tägliche Surfen zur Sucht? Eine europaweite Studie hat sich mit dem Thema beschäftigt: Demnach soll fast jeder zehnte Jugendliche in Deutschland das Internet zu intensiv und in problematischer Weise nutzen. Ein Prozent der jungen Deutschen soll internetsüchtig sein.

Die Studie untersuchte das Internetverhalten von Jugendlichen in Spanien, Rumänien, Polen, den Niederlanden, Griechenland, Island und Deutschland. Die Ergebnisse stellten die Universität Mainz, die zusammen mit der Uni Athen die Studie koordiniert hat, und die Landesmedienzentrale Rheinland-Pfalz in Berlin vor. (Zusammenfassung der Studie als PDF) Demnach stehen Jugendliche in Deutschland und Island im Vergleich noch gut da, während die Altersgenossen in Spanien, Rumänien und Polen stärker betroffen sein sollen. "Es ist beeindruckend, wie vielfältig und kreativ das Internet von Jugendlichen in Europa genutzt wird", sagte Michael Dreier von der Ambulanz für Spielsucht der Uni-Klinik Mainz. Gleichzeitig sei es aber alarmierend, dass so viele Jugendliche ein problematisches oder sogar abhängiges Verhalten zeigten.

Für die repräsentative Studie füllten insgesamt 13.300 14- bis 17-Jährige Fragebögen aus, pro Land waren es bis zu 2000 Teilnehmer. Im Anschluss interviewten die Forscher noch insgesamt 124 Jugendliche, die sie als internetsüchtig identifiziert hatten. Insgesamt sollen in den Ländern 1,2 Prozent der jungen Leute internetsüchtig sein, knapp 13 Prozent sind gefährdet.

Was ist das eigentlich, Onlinesucht?

Studien zu dem Thema gibt es zuhauf - und das obwohl noch nicht entschieden ist, wo Onlinesucht eigentlich beginnt. Mediziner diskutieren seit Jahren darüber, ob die Krankheit überhaupt existiert. Ist jemand, der stundenlang Onlinespiele nutzt, nun süchtig nach dem Internet oder nach Computerspielen? Ist jemand onlinesüchtig, wenn er zu lange mit seinen Freunden bei Facebook kommuniziert?

2011 kam eine Untersuchung im Auftrag der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zu dem Ergebnis: Gut eine halbe Million Deutsche sollen abhängig vom Internet sein. Der Definition der Bundesregierung nach galten damals 2,4 Prozent der 14- bis 24-Jährigen als internetsüchtig, in der Altersgruppe zwischen 14 und 16 Jahren waren es vier Prozent.

Das aktuelle Ergebnis der Universität Mainz fiel demgegenüber weniger drastisch aus: In Deutschland zeigen demnach 0,9 Prozent der 14- bis 17-jährigen Internet-süchtiges Surfverhalten, 9,7 Prozent seien gefährdet. Die Forscher definierten Internetsucht für ihre europaweite Untersuchung als Kontrollverlust der Jugendlichen über ihr Nutzungsverhalten. Sie würden sich zunehmend isolieren und unter anderem ihre sozialen Kontakte vernachlässigen.

Internetsucht komme besonders häufig bei intensiven Nutzern von sozialen Netzwerken und Onlinespielen vor. Die Betroffenen sind demnach schlechter in der Schule und weniger gewandt im Umgang mit anderen Menschen. Erschreckend hoch sei mit knapp vier Prozent der Anteil derer, die online ein riskantes Glücksspielverhalten zeigten, ergänzte Psychologe Kai Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Mainzer Ambulanz für Spielsucht.

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Freundschaft und Facebook: In echt? Oder im Netz?

fln/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Nicht alles ist so dramatisch wie es auf den ersten Blick scheint!
AlterMann111 17.01.2013
Ist diese überdurchschnittliche Verwendung des Internets wirklich so schlecht? Als 18. Jähriger Informatik-Student, "Gamer" und als "Internet-Süchtiger" sehe ich nicht so viele negative Aspekte. Für Außenstehende oder Menschen die eventuell nicht so viel Zeit wie ich im Internet verbringen, mag es erschreckend klingen wenn ich sage dass ich permanent Erreichbar bin, jedoch hat dies für mich auch enorme Vorteile. Beispielsweise erfahre ich, über das "soziale Netzwerk" Facebook innerhalb von wenigen Minuten, wenn eine Vorlesung ausfällt. Das ist ziemlich praktisch, wenn man eine Fahrt von 1 1/2 Stunden vor sich hat. Auch das Ich während Vorlesungen online bin ist für meine Mitstudenten von Vorteil. Somit konnte ich ihnen Tafelbilder ganz einfach über WhatsApp oder Facebook senden, da diese nicht anwesend sind oder einfach mal einen Anruf in Skype starten, damit diese die Vorlesung mithören können. Jegliche Informationen oder Hilfestellung rund um das Studium findet meine Kommilitonen auch ganz einfach und schnell in Facebook. Aber das ist nur einer der Vorteile von der "aktiven" Nutzung des Internets. Auch in der MMORPG Szene bin ich sehr aktiv. Schon seit meinem 13. Lebensjahr tauche ich gerne für einige Stunden in die virtuelle Welt ab und genieße meine Abenteuer als ein Magier oder Schwertkämpfer. Dadurch lernte ich auch viele Leute kennen, welche vielleicht am anderen Ende der Leitung saßen, jedoch die gleichen Interessen teilten. Bei vielen war es mir auch egal, ob diese nun virtuelle Freunde waren oder nicht, für mich gibt es da inzwischen keinen so großen Unterschied mehr. Die Verbindung zu meinem sozialen Umfeld und auch zu meinen "real-Life" Freunden habe ich nicht verloren, da diese ebenfalls mit mir zusammen gerne die eine oder andere Runde im Spiel "League of Legends" spielen oder gemeinsam mit mir gegen Bosse und finstere Monster gekämpft haben. Einige von meinen virtuellen Freunden, mit denen ich gerne zusammenspiele, habe ich auch persönlich getroffen. Das ist auch was Interessantes, wenn man die Person mit der man seit Monaten zusammenschreibt, redet und Abenteuer erlebt auf einmal vor sich hat. Meine Noten mussten nicht darunter leiden, dass ich gerne Stunden im Netz verbracht habe. Ich habe mein Fachabitur gemacht und studiere. In meinem Studiengang habe ich auch Leute kennengelernt die ebenfalls gerne "World of Warcraft", "League of Legends", "Diablo3", "Starcraft2" oder "Dota2" spielen und es auch bis zum Studium geschafft haben. Die Menschen, die ich im Internet kennenlerne, sind meist 3 Jahre älter oder jünger als. Manche waren auch 7 Jahre älter, jedoch haben diese Personen mir auch bei meinem Berufswunsch weitergeholfen. Sogar bei Schulaufgaben konnten mir welche behilflich sein, obwohl diese vielleicht 300 km weiter weg wohnen. Natürlich habe ich ihnen auch bei ihren programmier Aufgaben geholfen. Ich bin kein Psychologe, auch kein Experte lediglich ein einfacher Student, der so was aus erster Hand miterlebt hat und aus Erfahrung spricht. Einige Fälle, in denen Personen sehr tief gesunken sind, gibt es sicher, jedoch ist das meiner Meinung nach nicht die Mehrheit. Für viele Erwachsene scheint das schrecklich zu klingen, wie junge Menschen einfach so viel Zeit im Internet verbringen können, da diese Erwachsenen zu ihrer Zeit öfters draußen waren, jedoch liegt es einfach daran, dass es fremd ist und zum Gebiet der nächsten Generationen gehört. Ich erhoffe mir nicht, dass Eltern vor dem "Facebook-Konsum" gewarnt werden oder den Kindern eine Internetsperre geben sollen. Es ist wichtig, dass in der Sekundarstufe 1 die Kinder gewarnt und aufgeklärt werden, was das Internet mit sich bringt. Immerhin macht man so was für Alkohol, Zigaretten und Drogen auch! Die Vorteile, aber auch die Gefahr vom Verlust der Privatsphäre müssten geschildert werden. Wenn es Mangel an Fachkräften gibt oder man mit den Kosten nicht hinterherkommen kann, dann sollte man IT-Firmen finden, welche bei Veranstaltungen an Schulen diese Arbeit abnehmen. Wer könnte besser einen Jugendlichen über die Privatsphäre Probleme im Internet aufklären, als ein IT-Experte? Oft werden auch die Eltern angeprangert und kritisiert, was in der heutigen Zeit auch einfach nur überflüssig ist. Viele Eltern würden sich gerne um Ihre Kinder kümmern, jedoch können sie es nicht. Oft müssten Eltern bis zu 12 Stunden arbeiten, mit mehr als einem Job um die Familie zu ernähren. Alleinerziehende haben da noch größere Sorgen. Es ist im Endeffekt nicht leicht zu sagen, dass man einfach mal einen Spaziergang zum Spielplatz macht mit den Kindern. Zum Schluss sollte man sich Gedanken machen, ob es einem lieber ist, dass das Kind im Krankenhaus liegt, wo ihm der Magen ausgepumpt wird, aufgrund hohem und eventuell illegalem Alkoholkonsum oder ob es einem lieber ist, wenn das Kind vor den Augen ist, wo man es sieht und weiß, was es macht.
2. mehr Info...!
seikor 17.01.2013
und wo bleibt die Information, ab welcher Stufe (Zeit pro Tag etc.) ein Jugendlicher als süchtig eingestuft wird? Ohne diese Info ist das alles uninteressantes Gerede.
3. Sucht zerstört und daran kann man sie erkennen!
bitboy0 17.01.2013
Weder die Zeit, noch die Intensität entscheidet über die Sucht, sondern man erkennt sie an den Auswirkungen. Gibt es noch soziale Kontakte? Kann eine Partnerschaft gelebt werden? Ist der Job in Gefahr durch das Verhalten, oder kann überhaupt einer ausgeübt werden? Solche Fragen sollten einem schnell Aufschluss geben! Ein Zeitlimit zu überschreiten kann nur ein weiterer Teil der Analyse sein!
4. Wie seriös soll die Studie bitte sein?
webhawk 18.01.2013
Also noch mal zum Verständnis: Die Definition von Internetsucht ist, dass die Jugendlichen Ihre sozialen Kontakte vernachlässigen, weil sie auf facebook intensiven sozialen Kontakt mit ihren Freunden haben? Hä? geht es nur mir so oder sehen andere diesen Logik-/Denkfehler auch?
5. Definition schwierig bis unmöglich
Meckermann 18.01.2013
Zitat von sysopDPATage ohne Internet gibt es kaum mehr, aber wie viel Surfen ist noch normal? Eine europaweite Studie hat untersucht, welche Jugendlichen das Netz exzessiv nutzen. Ergebnis: Fast jeder zehnte Jugendliche zeige bedenkliches Web-Verhalten, ein Prozent soll sogar internetsüchtig sein. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-zu-internetsucht-jeder-zehnte-jugendliche-gefaehrdet-a-878220.html
M.m.n. Nicht. Sieht man daran, wenn man den Schuh einfach mal umdreht: Millionen Jugendliche verbringen mehrere Stunden am Tag offline. Diese Offline-Sucht kann dazu führen, dass sie sich zunehmend isolieren und ihre sozialen Kontakte im Internet vernachlässigen. Der Begriff ist viel zu allgemein gehalten. Man wird vllt. nach bestimmten Tätigkeiten süchtig, die über das Internet ausgeführt werden aber nicht danach "online" zu sein...
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