Teenager-Experiment: Jugendliche schicken Legonauten in Stratosphäre
Ein großer Satz für einen Plastik-Mann, ein riesiger Schritt für zwei Teenager aus Kanada: Ihnen gelang es, mit einfachsten Mitteln ein Lego-Männchen in die Stratosphäre steigen zu lassen. Das Experiment lieferte einen spektakulären Film.
Der Astronaut trägt keinen Helm, dafür hält er in der rechten Hand eine Kanada-Flagge. Es ist ein Lego-Männchen, losgeschickt von zwei Jugendlichen aus Toronto, Mathew Ho und Asad Muhammad, beide 17.
Jetzt haben sie bei YouTube ein Video ihres Experiments veröffentlicht: Es zeigt im Zeitraffer die spektakuläre Reise ihres Plastik-Astronauten - befestigt an einem Wetterballon - in die Stratosphäre, unter ihm sind Wolken zu sehen, die Erdkrümmung ist zu erkennen. In etwa 24 Kilometern Höhe, nach 97 Minuten Aufstieg, platzt der Ballon und der Lego-Mann tritt seine Reise zurück auf die Erde an.
Der "Toronto Star" berichtet auf seiner Website, das Experiment liege bereits zwei Wochen zurück. Die beiden Teenager haben demnach am Küchentisch von Familie Ho alles vorbereitet: Seit September 2011 hätten sie die Samstage damit verbracht, eine Styroporbox zu präparieren und mit programmierbaren Kameras und einem GPS-fähigen Handy auszustatten, einen Nylon-Fallschirm zu basteln und das ganze an einem - im Internet bestellten - Wetterballon zu befestigen.
Ihr Lehrer Lecourgos Papathanasakis bestätigte die "erstaunliche Reise", doch die beiden Jugendlichen waren selbst nicht erreichbar. Der "Toronto Star" zitiert Ho mit den Worten: "Wir haben nicht wirklich daran geglaubt, dass wir es schaffen könnten. Bis wir es schafften." Demnach hat das ganze Experiment 400 Dollar gekostet, es war kein schulisches Projekt, sondern die beiden Jungs wollten es einfach ausprobieren.
Sichere Landung in 120 Kilometern Entfernung
Dem Bericht zufolge verloren die beiden Jugendlichen in sieben Kilometern Höhe den Kontakt zu dem Handy und dem GPS-Empfänger. Kurze Zeit später kehrte das Signal zurück: Der Lego-Mann war auf dem Weg zurück und landete sicher auf einem Feld 120 Kilometer von seinem Startpunkt entfernt.
Solche Stratosphären-Videos sind nicht neu. Immer wieder zeigen Bastler und Hobbyforscher, mit welch geringem Aufwand spektakuläre Aufnahmen gelingen können. Vor gut einem Jahr gelang es Doktoranden der University of Sheffield, ihren mit Helium gefüllten Ballon, an dem ebenfalls eine Kamera befestigt war, auf eine Höhe von 37 Kilometern steigen zu lassen. Ähnliches gelang auch einem deutschen Grundschüler, gemeinsam mit seinem Vater. Je höher die Ballons steigen, desto dünner wird die Luft, so dass sich das Helium immer weiter ausdehnt - bis die Ballons schließlich platzen.
Der Titel des YouTube-Videos ist allerdings etwas irreführend: Der Weltraum beginnt nach gängiger Definition erst in 100 Kilometern Höhe.
otr/AFP
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