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UN-Bildungsbericht für Deutschland: Die Ergebnisse des Muñoz-Berichts

Selektiv, diskriminierend, undemokratisch - die Kritik des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, am deutschen Bildungssystem ist hart. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse.

Kein gutes Zeugnis für Deutschland: Das Recht auf Bildung, sagt UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz in seinem heute vorgelegten Bericht, werde nicht überall ausreichend umgesetzt. Dies betreffe insbesondere Migranten, sozial Schwache und Kinder mit Behinderung.

Bericht über das deutsche Bildungssystem: Das dreigliedrige Schulsystem steht in der Kritik
DPA

Bericht über das deutsche Bildungssystem: Das dreigliedrige Schulsystem steht in der Kritik

Schon auf den ersten Seiten seines Reports fordert Muñoz die Bildungspolitiker "eindringlich" auf, "das mehrgliedrige Schulsystem, das sehr selektiv und sicher auch diskriminierend ist, noch einmal zu überdenken". Gerade bei der Verteilung auf die verschiedenen Schultypen nach der vierten Grundschulklasse würden die Schüler "nicht angemessen beurteilt", Leidtragende seien vor allem sozial schwache Familien. Deshalb sei es dringend notwendig, "Aktionen einzuleiten, um soziale Ungleichheiten zu überwinden und um gleiche und gerechte Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind sicherzustellen".

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn nach der Grundschule werde durch Lehrer getroffen, "die für die Durchführung solcher Beurteilungen nicht immer ausreichend geschult sind". Weil dabei vor allem auf Sprachkenntnisse geachtet werde, entstehe ein starker "diskriminatorischer Effekt für Schüler ausländischer Herkunft, deren Muttersprache nicht Deutsch ist". Ohnehin Benachteiligte werden so zu "doppelt Benachteiligten".

Jahrzehntelange Versäumnisse

Muñoz kritisiert außerdem, dass Kinder aus Zuwandererfamilien systematisch benachteiligt werden. Jahre-, wenn nicht jahrzehntelang hätten weder Bildungs- noch Sozialpolitiker ihre Hausaufgaben gemacht. Als Beispiel nennt Muñoz türkische Gastarbeiter: "Jahrzehnte nach der Ankunft dieser Menschen müssen heute Tausende deutscher Kinder ausländischer Herkunft besser in das Bildungssystem und die Gesellschaft integriert werden." Auch Flüchtlingskinder, die bisher nicht in allen Bundesländern von der Schulpflicht erfasst werden, hätten ein Recht auf den Schulbesuch, so der Sonderberichterstatter.

Anders als bisher, heißt es in dem Bericht weiter, müssten die Lehrerbildung und der Ganztagsunterricht zu bildungspolitischen "Prioritätenbereichen" erklärt werden, um so "eine Stärkung der demokratischen Schulkultur" zu erreichen - da, so Muñoz, hapere es an deutschen Schulen derzeit noch.

Seine Ergebnisse bündelt der UN-Beauftragte in sieben Forderungen zur inhaltlichen und strukturellen Reform des deutschen Bildungssystems:

"1. Wandel von einem selektiven Bildungssystem zu einem System, bei dem das Individuum unterstützt wird
2. größere Unabhängigkeit der Schulen
3. Verbesserung der Bildungsinhalte und Methoden, insbesondere durch eine systematische Sprachausbildung der Migranten
4. Verstärkung der demokratischen Schulkultur
5. verstärkte Kindergartenangebote, die Einführung von Ganztagsschulen und den Verzicht auf ein gegliedertes Schulsystem
6. eine andere Ausbildung für Lehrer, die nicht nur in einem Fachgebiet spezialisiert sein sollten, sondern auch auf pädagogischer Ebene
7. stärkere Investitionen und mehr Finanzmittel für frühkindliche Unterstützung".

him

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