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Urteil in Baden-Württemberg: Ethik-Unterricht überfordert Grundschüler

Ethische Fragen zu erörtern, sei für Grundschüler zu kompliziert, entschied ein Gericht in Freiburg. Die Kinder lernten genug über Werte und Moral, indem sie sich in ihrer Klasse zurechtfinden müssten. Eine Mutter war anderer Meinung: Sie wollte reguläre Ethik-Stunden für ihre Söhne erzwingen - und scheiterte.

Ethik als Schulfach? Das ist noch nichts für Grundschüler, fand ein Gericht in Freiburg Zur Großansicht
dapd

Ethik als Schulfach? Das ist noch nichts für Grundschüler, fand ein Gericht in Freiburg

Kein Reli, aber dafür Ethik in der Grundschule: Das wollte eine Mutter in Baden-Württemberg für ihre Söhne erstreiten. Doch das Verwaltungsgericht Freiburg wies die Klage ab. Die Klägerin könne nicht verlangen, dass die Schule ihrer Kinder das Fach Ethik in den Stundenplan aufnehme, teilte das Gericht jetzt mit. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage.

Die Mutter hatte sich dagegen gewehrt, dass konfessionslose Kinder anders behandelt würden als Kinder, die einer Konfession angehörten - weil Ethik und Religion nicht gleichgestellt seien. An der öffentlichen Grundschule war zuvor eine Philosophie-AG eingerichtet worden, für die Schüler 120 Euro im Jahr zahlen sollten.

Das benachteilige Schüler, die in moralisch-ethischen Fragen weitergebildet werden sollen und nicht am Religionsunterricht teilnehmen, fand die Mutter. Anfang 2010 zog sie vor Gericht, um einen sofortigen Ethik-Unterricht für ihre Söhne in der zweiten und vierten Klasse zu fordern.

Das Gericht sah dafür jedoch keinen Anlass: Die moralisch-ethische Bildung der Kinder gehöre zwar zum staatlichen Erziehungsauftrag. Daraus ergebe sich aber kein Anspruch auf Einrichtung eines bestimmten Schulfachs. Ethische Werte würden auch im Rahmen des sozialen Miteinanders in den Klassen vermittelt.

Sonderstellung für den Reli-Unterricht

Der Stellenwert des Fachs Ethik hängt vom Bundesland ab. In Baden-Württemberg ist es in Gymnasien ab Klasse 7 und in Haupt- und Realschulen ab Klasse 8 für die Schüler verpflichtend, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. In Berlin hingegen ist Ethik zum Beispiel ab Jahrgangsstufe 7 Pflicht, während Religion freiwillig dazugewählt werden kann.

Auch in den meisten anderen Ländern startet der Ethikunterricht frühestens in der Sekundarstufe I. Geht es nach dem Freiburger Verwaltungsgericht, soll das auch so bleiben. Denn: Abstrakte Diskussionen über ethische Problemfelder seien für Grundschüler nur schwer verständlich und erwiesen sich erst ab einer höheren Altersstufe als sinnvoll.

Aus dem Grundgesetz ergebe sich zudem eine Sonderstellung des Religionsunterrichts. In Artikel 7 heißt es: "Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach." Der Verfassungsgeber habe sich damit bewusst dafür entschieden, Religion als Schulfach in der Verfassung zu bevorzugen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Klägerin kann in Berufung gehen.

Aktenzeichen: 2 K 638/10

son/dapd

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