Volksentscheid in Hamburg: Showdown eines Schulkampfs

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Lernen Hamburgs Schüler künftig zwei Jahre länger gemeinsam? Es wäre ein beispielloser Schulumbau - doch bildungspolitisch steht weit mehr auf dem Spiel. Und Ole von Beust will zurücktreten. SPIEGEL ONLINE erklärt, warum die Republik zum Volksentscheid-Finale nach Norden schaut.

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Die schwarz-grünen Reformpläne spalten Hamburg: Seit mehr als zwei Jahren schon wogt der Streit über die Zukunft der Schulen und gipfelt in der Entscheidung am Sonntagabend. Sollen Schüler weiter nach vier Jahren getrennt werden? Oder erst nach Klasse sechs auf eine weiterführende Schule wechseln?

Man könnte das als Detailfrage abtun. Doch dieses Detail hat Sprengkraft - es geht um eine Richtungsentscheidung, wie sozialpolitisch man Schulpolitik gestalten darf.

Die Schulreformer setzen auf die integrative Kraft längeren gemeinsamen Lernens, das allen Schülern nütze. Sie wollen mehr Chancengerechtigkeit, damit die vor allem für Migranten fatale Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg schrumpft.

Die Reformgegner sind sicher, dass leistungsstarke Schüler unter einer längeren Grundschulzeit leiden würden. Sie wollen, dass die Gymnasien unangetastet bleiben: keine Experimente, die Gymnasiasten schaden könnten.

Der Sonntagabend wird zeigen, welche Seite sich durchsetzt. Was plant Hamburgs Senat genau? Wie läuft der Volksentscheid ab, und welche Folgen kann er haben? SPIEGEL ONLINE gibt Antworten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 135 Beiträge
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1. klare Sache das
Fackus 18.07.2010
Wenn sich Frau Goetsch und ihre 'Reform' durchsetzen sollten, ist die Bildungskatastrophe im Land endgültig zementiert. Dann kippen später auch andere Bundesländer. Aber was will die Politik denn mehr? Schließlich ist nur der dumme Bürger ein braver Wähler.
2.
Felix HAW 18.07.2010
Der Artikel beinhaltet leider keine Diskussion über die Finanzen, die auch einen wesentlichen Aspekt darstellen. Und auch auf die Rolle von Kita und Vorschule wird nicht eingegangen. Die Thematik ist soo komplex, mit so einem kurzen Artikel lässt sich da kaum eine sinnvolle Meinung erzeugen.
3. ++
saul7 18.07.2010
Zitat von sysopLernen Hamburgs Schüler künftig zwei Jahre länger gemeinsam? Es wäre ein beispielloser Schul-Umbau - doch bildungspolitisch steht weit mehr auf dem Spiel. Und Ole von Beust will zurücktreten. SPIEGEL ONLINE erklärt, warum die Republik zum Volksentscheid-Finale nach Norden schaut. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,706953,00.html
Ich rechne damit, dass die heutige Abstimmung wahrscheinlich nicht die erforderliche Zahl von 247 .300 Stimmen gegen die geplante Schulreform bringen wird und dass sich damit die Befürworter der Reform, das sind *alle* Parteien des Hamburger Feierabendparlamentes, duchsetzen werden. Das wäre ein Achtungserfolg, mehr nicht!!!
4. Schulreform
heiko1977 18.07.2010
Zitat von sysopLernen Hamburgs Schüler künftig zwei Jahre länger gemeinsam? Es wäre ein beispielloser Schul-Umbau - doch bildungspolitisch steht weit mehr auf dem Spiel. Und Ole von Beust will zurücktreten. SPIEGEL ONLINE erklärt, warum die Republik zum Volksentscheid-Finale nach Norden schaut. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,706953,00.html
Die Reform ist gut da auch während der 5. und 6. Klasse Schüler ohne weiteres zwischen den Schularten durchgereicht werden und dieses verursacht einen weit stärkeren Druck auf die Kinder aus als alles andere. Deswegen ist es eine gute Idee diese 5. und 6. Klasse noch gemeinsam in der Grundschule zu absolvieren und da nach die Zwangsselektion vor zunehmen.
5. Gleichmacherei
Pitti259 18.07.2010
In einer Schulklasse orientiert sich der Lehrer immer an den schwächeren, welche er auf ein ordentliches Niveau bringen soll. Für mich bedeutet dies, die stärkeren Schüler bleiben auf der Strecke, werden nicht gefördert, langweilen sich. Und dies soll dann noch zwei Jahre länger der Fall sein? Wo bleibt bei dieser Gleichmacherei das verfassungsmäßig garantierte Grundrecht auf Bildung für die lernwilligen Kinder? Hierzu ein Zitat: Wir werden die Schwachen nicht stärken, indem wir die Starken schwächen. Abraham Lincoln
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Die Hamburger Schulreform ist ein Kompromiss aus zwei Modellen: Auf der einen Seite die CDU mit der Forderung nach dem Erhalt der Gymnasien, auf der anderen Seite die Grünen mit ihrem Ideal der Gemeinschaftsschule für alle. Das Hamburger Parlament hat die Reform im März 2010 beschlossen. Doch ein Volksentscheid könnte den Kern der Reform kippen: die Primarschule.
Die Primarschule
In den neuen Primarschulen sollen Schüler künftig sechs statt nur vier Jahre lang gemeinsam lernen. Ab der vierten Klasse unterrichten auch Lehrer aus weiterführenden Schulen, zum Teil auch in Räumen dieser Schulen, weil die bisherigen Grundschulgebäude nicht ausreichen. Um die Schüler möglichst individuell fördern zu können, sollen die Klassen höchstens 23, in sozialen Brennpunkten höchstens 19 Schüler umfassen. Das ist die bundesweit niedrigste Quote.
Übergang nach der Primarschule
Nach der Primarschule entscheiden die Eltern, ob ihr Kind auf eine Stadtteilschule oder ein Gymnasium wechselt. Stellt sich allerdings in Klasse sieben heraus, dass die Leistungen nicht reichen, müssen die Schüler auf die Stadtteilschule wechseln.
Zeugnisse
In den Zeugnissen sollen künftig nicht nur Fachnoten, sondern auch Kompetenzen der Schüler stehen. Dafür werden vor allem Gymnasiallehrer in Diagnostik fortgebildet.
Stadtteilschulen
Die Einrichtung von Stadtteilschulen hatte die damalige CDU-Alleinregierung bereits 2007 beschlossen. Dort sollen jetzt Haupt-, Real- und Gymnasialschüler bis zum jeweiligen Abschluss gemeinsam lernen - eine Art Gesamtschule, die aber nicht so heißt. Das Abitur können sie nach Klasse 12 oder 13 ablegen; an den Gymnasien, die erhalten bleiben, ist dagegen nach 12 Jahren Schluss.

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