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Internationaler Lehrerpreis: Weltspitze aus Groß-Gerau

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Lehrerin Mareike Hachemer, die für den weltweiten Wettbewerb um den Global Teacher Prize als eine der letzten 50 Kandidaten nominiert wurde Zur Großansicht
Mareike Hachemer

Lehrerin Mareike Hachemer, die für den weltweiten Wettbewerb um den Global Teacher Prize als eine der letzten 50 Kandidaten nominiert wurde

Mareike Hachemer gehört zur internationalen Lehrer-Elite, auch wenn sie das bestreitet: Die Pädagogin aus Groß-Gerau wurde für die Endrunde eines weltweiten Lehrerpreises nominiert. Wer den gewinnt, ist eine Million Dollar reicher.

Irgendwie kann es Mareike Hachemer noch nicht so ganz glauben. Zu den 50 besten Lehrern der Welt soll sie gehören, ausgewählt in einem Wettbewerb mit über 5000 Nominierungen aus 127 Ländern. Der Global Teacher Prize, zum ersten Mal ausgeschrieben, verspricht dem Sieger eine Million US-Dollar als Preisgeld - und die 31-jährige Berufsschullehrerin aus dem hessischen Groß-Gerau ist am Montag für die Endrunde mit insgesamt 50 verbliebenen Teilnehmern nominiert worden.

"Auch wenn ich mich freue, in dieser Liste der Top 50 zu sein, glaube ich nicht, dass mein Unterricht der beste der Welt ist", sagt sie. Aber irgend etwas muss es doch geben, was in ihren Stunden anders und offenbar besser läuft als bei den Kollegen? Sie lacht. "Das ist eine Fangfrage", sagt Mareike Hachemer, "ich halte sehr viel von meinen Kollegen. Viele arbeiten unheimlich engagiert, unterstützen ihre Schüler auf viele Arten und investieren unheimlich viel Zeit und Energie in den Beruf."

Eine Grundhaltung, der auch Hachemer selbst folgt: Es gehe darum, Starke und Schwache zu fördern, Chancengleichheit herzustellen und Projekte zu ermöglichen. "Dahinter steht der Gedanke, dass die Schulzeit eine Zeit der Möglichkeiten sein sollte und keine Zeitverschwendung", sagt die Lehrerin für Englisch, Deutsch und darstellendes Spiel, "das ist ein Leitbild, das mich antreibt und ich weiß, dass es vielen Lehrern so geht."

Das Ansehen der Lehrer heben

Durch Zufall hatte sie vor einigen Monaten vom Global Teacher Prize erfahren. Ausgeschrieben wird der von der Varkey GEMS Foundation - einer Stiftung des indischen, in Dubai lebenden Geschäftsmanns und Philanthropen Sunny Varkey, die sich weltweit für bessere Schulqualität und die Unterstützung benachteiligter Kinder einsetzt. Schirmherr ist der frühere US-Präsident Bill Clinton. Weltweit betreibt die Varkey GEMS Foundation mehr als 130 Schulen.

Ende 2013 veröffentlichte die Stiftung erstmals den Global Teacher Status Index, in dem das Ansehen und der Status von Lehrern in 21 Ländern miteinander verglichen wurde und der für Deutschland verheerend ausfiel. Ein weiteres Ergebnis: In vielen Ländern raten bis zur Hälfte aller Eltern ihren Kindern ausdrücklich davon ab, den Lehrerberuf zu ergreifen. "Natürlich braucht es mehr als den internationalen Lehrerpreis, um das Ansehen des Lehrerberufs weltweit zu fördern", sagt Sunny Varkey. "Ich hoffe jedoch, dass der Preis ein Anfang ist und Millionen von Gesprächen über die Rolle anregt, die Lehrer einnehmen."

Ein Gedanke, der zumindest bei Mareike Hachemer zündete. "Als ich davon erfahren habe, habe ich vier Kollegen nominiert, von denen ich sehr begeistert bin und die mich als Lehrerin sehr inspirieren", sagt die Studienrätin. Doch auch sie selbst wurde nominiert - von ihrem Lebensgefährten, der die Auseinandersetzung der 31-jährigen mit ihrem Beruf und ihren Schülern vorbildlich fand. "Da ich als Lehrerin viel zu Hause arbeite und auch gerne von Projekten erzähle, hatte er wohl den Eindruck, dass ich auch sehr enangiert bin und hat mich vorgeschlagen", erzählt Mareike Hachemer. Danach allerdings wurde es deutlich fundierter: Schule und Ministerium mussten in einer aufwendigen Dokumentation bescheinigen, wie die 31-Jährige arbeitet und was ihr besonders Engagement ausmacht.

Breites Engagement in allen Bereichen

Bilingualer Geografieunterricht und die Organisation von Fortbildungen, die Teilnahme an Schülerwettbewerben und die Leitung von Theater-Projekten, kontinuierliche Besuche an außerschulischen Lernorten, die Betreuung von Referendaren und die Begleitung von internationalen Schüleraustauschen. Dazu noch das Projekt "Making a difference", in dem Berufsschüler gemeinnützige Projekte umsetzen und deren Ergebnisse im Unterricht aufarbeiten - die Liste von Mareike Hachemers Aktivitäten ist lang und mit dieser Aufzählung noch lange nicht beendet. "Vielleicht habe ich durch einige Reisen, Konferenzen und Fortbildungen meine Schüler besonders stark als Weltbürger im Blick", sagt die Lehrerin. "Ich möchte, dass sie die Welt entdecken und merken, dass sie durch ihr Handeln Einfluss nehmen können."

Trotzdem betont Hachemer, sie gehöre sicher nicht zur Lehrer-Weltelite - selbst dann nicht, wenn sie in die Top Ten käme oder den Preis gewänne. Wie es jetzt weitergeht und wer letztendlich die Auszeichnung erhält, entscheidet eine Jury der Stiftung. Mitte März wird in Dubai der Sieger gekürt.

Und wenn dann, ganz am Ende, doch der Name Mareike Hachemer fällt? Zuerst habe sie die Summe "sehr skeptisch" gemacht, sagt sie. Lehrer sollten schließlich bodenständige Menschen sein, die Millionenbeträgen und Statussymbolen auch kritisch gegenüberstehen. Mit dem Gewinn würde die Berufsschullehrerin auf Reisen gehen und dabei "gerne Schulen und Theater auf der ganzen Welt besuchen. Ich glaube, dass wir Lehrer vom internationalen Austausch auch noch sehr viel über das Leben, das Unterrichten und die Welt lernen können."

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insgesamt 41 Beiträge
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    Seite 1    
1. tja
die_bittere_wahrheit 08.12.2014
Lehrer ist genau so eine undankbarer Beruf/Berufung wie Polizist oder Muellmann... ABER einer muss den Job ja machen und ich bin dankbar das es sie noch gibt, an sonsten wuerde es um unsere Gesellschaft wohl noch sehr viel schlimmer stehen. Kann man nur hoffen das der Gewinner oder die Gewinnerin sich nicht mit der Million zur Ruhe setzt!? Mit einer Million auf dem Konto wuerde ich keine Hauptschulklasse mehr unterrichten wollen...
2. Ich verstehe warum sie sich klein redet
Giotti 08.12.2014
Einige meiner bekannten sind Lehrer. Und was ich da zu hören bekomme ist haarstreubend. Eifersüchteleien, Mobbing, etc. gehört zu den Alltag der Lehrern. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Lehrerzunft immer mehr vergisst was ihre Hauptaufgabe ist. Ich wünsche Frau Hachemer viel Glück. Sie gehört offenbar einer aussterbenden Sorte.
3.
arch.aisch 08.12.2014
Ob das mit dem Preis und seiner Auslobung so eine gute Idee ist, lasse ich einmal dahingestellt. Dass aber Lehrer eine der wichtigsten Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen, dürfte ja wohl außer Zweifel stehen!? Das dürfen sie hin und wieder auch bestätigt bekommen. Ganz besonderen Dank allen unter ihnen, die sich mit Engagement und (hoffentlich und ganz wichtig) mit Freude dieser Aufgabe widmen!
4. Da sollten sich die Deutschen Lehrer eine Scheibe
mischpot 08.12.2014
abschneiden. Wenn man liest dass der Status der hiesigen Lehrer katastrophal oder verheerend sein soll. Da brauchen wohl die Lehrer Nachhilfe und eine ganz neue Denke.
5. Hmmmm....
ge1234 08.12.2014
wäre es nicht sinnvoller, dass die nominieren und abstimmen, welche in erster Linie davon betroffen sind, nämlich die Schüler?
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