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Brandenburg: Warnung vor tödlichen Würgespielen

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DPA

Gefährliches Experimentieren: Rausch durch Würgen

Es ist ein gefährliches Spiel: Kinder würgen sich gegenseitig, um high zu werden. Erst im März kam ein Fünftklässler ins Krankenhaus, nachdem Mitschüler ihm die Luft abgedrückt hatten. Nun will Brandenburgs Regierung vorbeugen.

Nach der Hofpause ging es ihm schlecht. Der Fünftklässler aus Potsdam musste sich übergeben, die Schule ließ ihn ins Krankenhaus bringen. Der Junge hatte sich von seinen Mitschülern würgen lassen, um in einen Rauschzustand zu kommen. Unter Pilotenspiel oder Bio-Kiffen ist das Würgespiel noch bekannt, bei dem sich Kinder und Jugendliche von ihren Mitschülern die Luft abschnüren lassen, bis sie zusammensacken und bewusstlos werden.

Zwei Tage musste der Junge aus Potsdam im Krankenhaus verbringen, er kam glücklicherweise ohne bleibende Schäden wieder nach Hause. Bereits im März war es zu dem Vorfall auf dem Schulhof gekommen. Nun will die rot-rote Landesregierung in Brandenburg Lehrer und Eltern verstärkt über die gefährlichen Spiele der Jugendlichen aufklären.

Das Kultusministerium wies die Schulaufsichten an, Schulleitungen über die Würgespiele zu informieren. Diese sollen mit den Kindern über die Spiele reden und die Vorfälle aufarbeiten - so, dass sie die Gefahr verstehen und nicht in die Versuchung kommen, so etwas selbst einmal auszuprobieren. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage zweier Abgeordneter hervor. "Kindern und Jugendlichen sind die tödlichen Gefahren von Würgespielen oftmals nicht bekannt oder bewusst", hieß es dort von dem Brandenburgischen Bildungsminister Günter Baaske (SPD).

Durch das Würgen wird die Blutzufuhr zum Hirn unterbrochen - schwerste Hirnschäden können hervorgerufen, Schlaganfälle und Infarkte ausgelöst werden. Blutunterlaufene Augen, Konzentrationsschwächen, Kopf- oder Ohrenschmerzen, rote Flecken und Abdrücke am Hals können darauf hinweisen, dass Kinder und Jugendliche das Würgespiel praktizieren.

Schon einige Schüler brachten ihr Leben in Gefahr, weil sie das Spiel unterschätzten. Wie viele Opfer es wirklich gibt, ist unklar. Im vergangenen Schuljahr war in einer Grundschule in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) ein Schüler verletzt worden. Im Jahr 2009 starb ein 14-jähriger Gymnasiast aus dem Havelland: Er hatte sich mit einem Strick selbst stranguliert und dabei das Bewusstsein verloren.

Der Todesfall war bereits für den damaligen Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) Anlass, Eltern und Lehrer besser aufzuklären. Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) ergänzte damals das Informationsangebot auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg entsprechend. Außerdem gab es Info-Blätter für Eltern.

Auch in den USA, in Frankreich und der Schweiz gehen die Würgespiele immer wieder tödlich aus. "Choking Game" wird es in den Vereinigten Staaten genannt, "Jeu du foulard" (Halstuchspiel) in Frankreich. In der Schweiz ist es als "Ohnmächterli" bekannt.

kha/dpa

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