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"Personalisiertes Lernen": So stellt sich Mark Zuckerberg Schule vor

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Corbis

Milliarden für die Bildung - das hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprochen. Er will fast sein ganzes Vermögen verschenken, um unter anderem personalisiertes Lernen zu fördern. Was ist das eigentlich?

Der Chef von Facebook, Mark Zuckerberg, hat zur Geburt seiner Tochter Max eine gigantische Spende angekündigt. 99 Prozent seiner Facebook-Aktien - im Wert von rund 45 Milliarden Dollar - wollen er und seine Frau an eine Stiftung geben, die das Geld in wohltätige Zwecke investieren soll.

Noch sind diese Zwecke ziemlich unkonkret. Mit dabei ist jedenfalls: personalized learning. Personalisiertes Lernen? Was ist das genau? Und macht es den Unterricht wirklich besser? Hier sind ein paar Antworten:

Was meint Zuckerberg damit?

Der Facebook-Chef konzentriert sich - wenig überraschend - auf den technologischen Aspekt: Schüler auf der ganzen Welt sollen Zugang zu Software haben, die analysiert, wie jeder einzelne lernt und wo seine Schwächen liegen. "Ihr werdet schnell besser in den Fächern, die euch am meisten interessieren, und ihr bekommt jede nötige Hilfe auf den Gebieten, die euch am schwersten fallen", verspricht Zuckerberg. Man sei gerade dabei, diese verheißungsvolle neue Technologie zu entwickeln.

Wer nutzt so etwas schon?

Mehrere Schulen in den USA zum Beispiel wenden solch innovative Software in ihrem Mathematikunterricht an. Die Schüler lernen an verschiedenen Stationen: in Gruppen, mit virtuellen oder echten Lehrern oder allein vor dem PC. Am Ende jeden Schultages machen sie einen Onlinetest. Das Programm errechnet dann mithilfe eines komplizierten Algorithmus, welche Aufgaben der Schüler am nächsten Tag lösen muss, um in Mathe weiterzukommen - und erstellt dafür einen individuellen Lernplan.

Was steckt noch dahinter?

Technologie ist längst nicht alles. Personalized learning lässt sich auf Deutsch am besten mit individualisiertem Lernen übersetzen und gilt schon seit einigen Jahren vielerorts als bester Weg, um den Unterricht in heterogenen Klassen zu organisieren. "Die Zeit des traditionellen Frontalunterrichts, in dem alle Schüler mit gleicher Methode und gleichem Material im gleichen Tempo das Gleiche lernen, ist vorbei", sagt Kurt Reusser, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Zürich. Nun gehe es darum, jeden Schüler mit seinen Stärken und Schwächen optimal zu fördern. Das kann auf sehr unterschiedliche Weisen geschehen: etwa in Lerngruppen, selbstständiger Arbeit, mit zusätzlichen Förderstunden oder Schülern, die sich gegenseitig helfen.

Wo liegen Probleme?

Eine persönlichere Betreuung verlangt meistens auch mehr Betreuer - und an vielen Schulen fehlen Lehrer und gutes Lehrmaterial, um neue Ideen für den Unterricht umzusetzen. Außerdem gibt es keine einheitliche Definition für individualisiertes Lernen - und der verwirrend allgemeine Begriff wird häufig missverstanden. Viele Lehrer fühlen sich zum Beispiel überfordert, weil sie nicht wissen, wie sie allen Kindern stets gleichzeitig gerecht werden sollen. "Sie denken, dass sie für 25 Schüler 25 Lernpakete schnüren müssen", sagt Reusser. "Dann werfen sie das Handtuch und sagen: 'Das geht doch nicht!'"

Wie kann es doch funktionieren?

Es müssen mehr Aufgaben entwickelt werden, die eine Differenzierung erlauben, sagt Reusser. Der Züricher Pädagoge und Didaktiker forscht seit 2012 über Schulen, die personalisierte Unterrichtskonzepte verfolgen. Besonders gut funktionieren laut Reusser Lernaufträge, die man auf unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen bearbeiten könne. Er nennt zwei Beispiele: Wie groß könnte ein Mensch sein, der in fünf Meter langen und zwei Meter breiten Schuhen Platz hätte? Und wie sieht eine Mondfinsternis vom Mond her gesehen aus? "Diese Fragen kann man sowohl in der Grundschule als auch im Gymnasium redlich behandeln", sagt Reusser.

Was sagen Kritiker?

Lehrer sollen die Schwächen ihrer Schüler genau kennenlernen - ohne die Kinder langfristig in Schubladen zu stecken. Bei personalisiertem Lernen besteht Kritikern zufolge jedoch genau diese Gefahr: Dass Kinder vermittelt bekommen, sie seien grundsätzlich nicht gut im Lesen oder nicht der kreative Typ. Das bremse Schüler eher aus, statt sie anzuspornen, an ihren Schwachpunkten zu arbeiten - und manifestiere damit Ungleichheiten.

Außerdem: Wer den Lernrhythmus jedes Schülers ermitteln und verbessern will, braucht Daten. Doch wer hat Zugriff auf diese Daten? Speist man sie in ein Netzwerk ein und wenn ja, in welches? In den USA mag ein Computer den Unterrichtsplan für einzelne Schüler errechnen. Doch jede Schule muss sich fragen, ob sie diesen Weg gehen will und wie sie Testergebnisse und andere vertrauliche Schülerdaten angemessen schützen kann - nicht nur vor späteren potenziellen Arbeitgebern.

Was kann noch schieflaufen?

Individualisiertes Lernen ist nicht an sich immer besser als Frontalunterricht. Besonders dann nicht, wenn Schüler sich selbst überlassen werden und isoliert im Stoff vorankommen sollen, etwa weil Lehrer schlecht geschult oder überfordert sind. "Schüler brauchen auch das unterstützte Lernen voneinander und vom Lehrer", sagt Reusser. Das gelte besonders für schwächere Schüler, wenn komplexe Sachverhalte wie der Treibhauseffekt oder der Wirtschaftskreislauf neu eingeführt würden. Am erfolgversprechendsten sei es daher, Frontalunterricht und selbstständiges Lernen klug zu verknüpfen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
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1.
paokgate4 18.12.2015
Oh mann oh mann! Muß man jede noch so blöde idde eines milliardärs anhören und gleich auch adaptieren? Er hat in sein leben eine gute idee gehabt und diese wurde dann zu Geld, aber ihn als pionier zu brandmakern....
2. So früh wie es geht...
dee_jott 18.12.2015
...in die Fänge von Facebook. Zuckerberg will sich also das Aufwachsen der kommenden Generation kaufen mit seiner Spende. Wollen wir das?
3. Prima!
Orthoklas 18.12.2015
Ein Computer errechnet also, welche Aufgaben wie bearbeitet werden sollen. Dann brauchen wir ja auch keine Lehrer mehr, Kinder können brav daheim bleiben, die Erziehung übernimmt dann auch gleichzeitig eine andere Software für die gestressten Eltern. Schöne heile neue Welt, lieber Herr Zuckerberg...
4. Jeder FB-Beitrag eine PR-Maßnahme, hidden Agenda?
schumbitrus 18.12.2015
Dieses ganze Gehype des "Verschenkens" des Zuckerberg-Vermögens ist schon ziemlich nervig: Wegen der Höhe der Beträge wird jede Meldung zwangsweise zur PR für Zuckerbergs "Sache" und die Implikation, dass er sein Geld quasi verschenken würde halte ich ganz offen für eine Ente: Es ist doch die Frage, wie man solche Summen managed ohne sein Leben mit dem Kontrollieren der Investments zu verbringen. Ich denke mal, dass der Stiftung eine Kombination aus PR-Strategie und dem Versuch ist, dass Zuckerberg sich mit den Kirschen seiner Sahnetorte befassen will während die Torte selber in positivem Licht strahlen soll, weil sie in einer Stiftung steckt (in der er sicherlich ein nicht unerhebliches Mitsprache-Recht über die Mittelverwendung hat und über die er letztlich auch Steuern spart). Und wenn man mal de PR-Teil weg schneidet, dann bleibt - surprise, surprise - natürlich ein sehr lohnendes, sehr strategisches Geschäft: Wie Facebook drängelt er sich in gewachsene bestehende menschliche Beziehungen und will sie kommerzialisieren. Und indem er sich in die Erziehung der Kinder einmischt, drängelt er hier die "US-Kultur" in einen globalen Ausbildungs- und Erziehungsmarkt. Während ganz rational und vom Ergebnis her gesehen vieles dafür spricht, dass Facebook mit Hilfe der US-Regierung gepeppelt und letztlich nichts anderes als eine Art US-organisierte "globale Meldebehörde" darstellt, ist das Kapern der Schüler-Lehrer-Beziehung in den Schulen natürlich das Einfallstor, um eine globale Akzeptanz für US-Denk- und Lebensweisen zu schaffen. Wenn man mal diesen ganzen weich gespülten Sozial-Müll wegschneidet, dann bleibt bei einer solchen Strategie knallharter Kultur-Imperialismus, der (wirtschaftlich formuliert) in der Wertschöpfungskette sehr früh ansetzt. Und mal ganz rational: Wenn man diese sehr stark kulturellen Beziehungen kapern und für seine (US-)Interessen einsetzen will, dann MUSS man das ganze aus dem reinen Kommerz-Umfeld heraus holen und ihm den Anstrich einer menschlichen Wertschätzung verpassen. Man kann die Schulen nicht global kapern, um dort mit Finanzarkt-Gewalt US-Verhältnisse zu etablieren, man muss das "weicher" verkaufen, um nicht an kulturell-emotionalen Widerständen der der zu übernehmenden Länder zu scheitern. Da passt dieses Stiftungs-Gesülze wie der berühmte "Arsch-auf-Eimer". Mag jeder diesem angeblichen Philantropen Zuckerberg mit samt Vermögen, Stiftung und Facebook auf den Leim gehen. Ich halte ihn für eine Drohne und seine Philantropie als Mittel zum Zweck, um ihn global-strategisch in Position zu bringen. Es errinnert ein wenig an Sorros, der zufällig und fast barmherzig gerade in den Krisenregionen investiert, wo die USA im Hintergrund handfeste strategische Interessen verdeckt verfolgt ..
5. Der digitale Pfad
einervondenen 18.12.2015
Status in D ist eher bei Null. Wer kiloschwere kopierte Mappen sieht, ahnt, dass dieses auch digital machbar wäre. Systemunterstützende erste Schritte, wie Google Classroom, könnten da helfen - natürlich datenrechtlich geschütztk. Es muss also nicht sofort radikal umgestellt werden. Aber digital hinken wir etwas hinterher, da stinkt der Fisch vom Kopf.
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