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Sekte: "Zwölf Stämme"-Mütter wegen Körperverletzung verurteilt

Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme": Kinder mit der Rute geschlagen Zur Großansicht
Anna Kistner

Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme": Kinder mit der Rute geschlagen

Heimliche Filmaufnahmen zeigen, wie sie ihre Kinder in einen dunklen Raum führen und mit der Rute schlagen: Erstmals hat ein Gericht nun zwei Mütter aus der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" wegen Körperverletzung verurteilt.

Gegen Angehörige der Sekte "Zwölf Stämme" sind erste Urteile gesprochen worden: Das Amtsgericht Nördlingen in Bayern verurteilte am Dienstag eine Mutter wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten; die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss die Frau 180 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

In einem zweiten Verfahren wurde eine Mutter zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Gegenstand des Prozesses waren Filmaufnahmen, die ein Undercover-Reporter heimlich bei der Glaubensgemeinschaft gemacht hatte. Sie zeigen die Mütter dabei, wie sie ihre Kinder in einen dunklen Raum führen und deren Gesäß mit einer Rute schlagen. Den Bildern zufolge schlug eine der beiden Mütter ihre zwei damals vier und acht Jahre alten Kinder fünfmal. Die andere Mutter schlug ein Kind einmal, weshalb das Strafmaß milder ausfiel.

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Urchristen "Zwölf Stämme": Erziehung unter Schmerzen
Die Verteidigung hatte darauf gedrungen, dass die heimlich erstellten Aufnahmen nicht vor Gericht als Beweismittel verwendet werden. Dem folgte der Richter nicht. Der Verdacht der Körperverletzung wiege schwerer als das Recht am eigenen Bild.

Die Schläge, die in dem Film zu sehen waren, seien nicht zu bagatellisieren, befand der Richter.

Die Verhandlung gegen eine dritte Mutter steht am Donnerstag an. Die Frau soll sich allerdings anders als die jetzt verurteilten Mütter bereits von der Sekte distanziert haben.

Die Gerichte beschäftigen sich nicht nur mit Misshandlungsvorwürfen gegen die Glaubensgemeinschaft. Zudem laufen Sorgerechtsverfahren. Im vergangenen Jahr holte die Polizei in einem Großeinsatz 40 Kinder aus der Sekte und brachte sie in Heimen und bei Pflegefamilien unter. Weil die Sekte die staatliche Schulpflicht missachtet, mussten sieben Väter 2004 sogar ins Gefängnis.

bkr

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
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1.
Sleeper_in_Metropolis 20.01.2015
Kranke Freaks. Anders kann man diese Sektenheinis nicht bezeichnen.
2. Sicher
diegorivera 20.01.2015
Sicher ist diese Sekte krank, nicht nur in der Erziehung. Krank sind aber auch unsere Gesetze die einen leichten Klaps auf den Po eines Kindes bereits als Misshandlung ansehen.
3. Für sich
michlauslöneberga 20.01.2015
nehmen diese Männer und Frauen jedes Grundrecht in Anspruch, ihren Kindern wollen sie das nicht zuerkennen.
4.
wernerz 20.01.2015
Im Prinzip stellen diese Sekten doch eine "Kleinausgabe" der "Gotteskrieger" dar und beweisen einmal mehr die Gefährlichkeit der Religionen durch ihre Wirkung auf die grosse Zahl der "Einfachgestrickten" in aller Welt.
5.
shooop 20.01.2015
Zitat von diegoriveraSicher ist diese Sekte krank, nicht nur in der Erziehung. Krank sind aber auch unsere Gesetze die einen leichten Klaps auf den Po eines Kindes bereits als Misshandlung ansehen.
Ach ja? Dann drehen wir den Spieß doch einfach mal um. Wenn Sie 90 Jahre alt sind und nicht so wollen, wie das sie pflegende Personal, ist es dann auch legitim, dass diese ihnen einen Klaps auf den Po geben?
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Die Bewegung der "Zwölf Stämme" entstand in den siebziger Jahren in den USA. Weltweit hat die Glaubensgemeinschaft, die sich auf das Urchristentum beruft, gut 60 Gemeinden, die meisten in den USA unter dem Namen "The Twelve Tribes". Kritiker sehen in der Gemeinschaft eine Sekte, die straff hierarchisch und patriarchalisch organisiert ist. In Deutschland leben drei "Zwölf-Stämme"-Kommunen, außer der auf Gut Klosterzimmern bei Nördlingen (Bayern) gibt es eine weitere im ländlichen Wörnitz bei Ansbach (Bayern). Immer Sommer 2013 zog ein Teil der Gemeinschaft nach Dolchau (Sachsen-Anhalt). Seit mehr als zehn Jahren widersetzen sich die "Zwölf Stämme" immer wieder der Schulpflicht, sie bestehen auf Heimunterricht. Die Genehmigung für eine eigene Schule auf Gut Klosterzimmern wurde ihnen im Sommer 2013 entzogen.
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