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05. Juni 2012, 13:30 Uhr

Trotz Angst-Attacken

Documenta-Chefin kämpft weiter

Die Documenta-Chefin (Name kommt später noch) lebt in Angst. Denn: Auf der Kasseler Elisabethkirche steht eine von ihr nicht genehmigte Stephan-Balkenhol-Skulptur! Jetzt fühlt sie sich "bedroht".

Und jetzt auch noch das: Nur wenige Tage vor der Eröffnung musste die verstörte Ausstellungsmacherin nun feststellen: Überall in Kassel poppen neue Bedrohungen auf, hinter denen vermutlich "frustrierte Künstler stecken, die nicht zur Documenta eingeladen wurden". Diese verströmten allerorten eine "extrem negative Aura". Doch die wackere Ausstellungsmacherin (Name kommt noch) lässt sich nicht unterkriegen. Lesen Sie selbst... (Klick! Klick!)

Wohnzimmer & Inhumanität

Gerade noch verhindern konnte sie eine bereits geplante Parallelausstellung des Künstlers Gregor Schneider, dessen Spezialgebiet der Bau von engen, verschachtelten Räumen ist. Umso entsetzter war Frau Christov-Bakargiev (So heißt sie!) jetzt, als sie während einer privaten Essenseinladung feststellen musste: "Dieses Wohnzimmer sieht für Documenta-Besucher haargenau aus wie das, was der Schneider macht." Umgehend ließ die tatkräftige Kunst-Organisatorin die entsprechende Wohnung versiegeln, die Bewohner konnten auf einem nahen Campingplatz untergebracht werden.

Ein Gefühl der Angst

Kürzlich wurde Frau Christov-Bakargiev von zwei Hunden angeknurrt. Einer soll sogar verächtlich gesabbert haben. Was sie dabei spürte, war ganz und gar nicht gut. Bei diesen zwei Hunden, so assoziierte sie panisch, kann es sich kaum um den adoptierten Straßenhund handeln, der mit einer thailändischen Künstlerin während der Documenta als Kunst in einem abgeschirmten Haus in der Karlsaue leben wird. "Einfach weil zwei Hunde nicht ein Hund sein können", erklärte sie und verfügte binnen Minuten ein generelles Hundeausgehverbot, welches während der Documenta in ganz Nordhessen gilt.

Aue go home

Nach der schrecklichen Hundebegegnung suchte Frau Christov-Bakargiev ein wenig Ruhe und Erholung in der Betrachtung einiger Pflanzen und Steine in der Karlsaue. Da fuhr es ihr durch alle Glieder: Wie sollen Documenta-Besucher den geplanten "Do-Nothing-Garden" im Parkgelände erkennen, wenn drumherum auch nur lauter Garten ist? Sofort ordnete die unerschrockene Kunstmanagerin eine gezielte Brandrodung des eigentlich sowieso überflüssigen Parks für kommenden Donnerstag an.

Traurige Bienen

Eigentlich hat die Bienenfreundin Frau Christov-Bakargiev ja nichts gegen Bienen, ganz im Gegenteil: Die Vorstellung etwa, dass Bienen vor der Ausrottung stehen, erschrecke sie, hat sie kürzlich Einblick in ihr künstlerisches Programm gewährt. Allerdings gebe das noch lange nicht jeder Biene das Recht, einfach irgendwo in Kassel rumzubrummen. "Ich habe ganz bewusst nur ganz bestimmte, besonders gefährdete Bienen zur Documenta eingeladen." Damit Documenta-Besucher auch nur diese als Kunst wahrnehmen, sollen alle unermächtigten Bienen zuvor noch "fachgerecht entsorgt" werden.

End the anthropocentric Zeitalter!

Doch es gibt noch eine Vielzahl weiterer, von ihr nicht ermächtigter Kreaturen, die jeden Tag in Kassel die Documenta-Chefin erschrecken und von Documenta-Besuchern womöglich für Documenta-Kunst gehalten werden! Die Rede ist von den Kasseler Bürgern. Für diese wird bereits eine Reihe von größeren Auffanglagern außerhalb der Stadt bereitgehalten. Wer berufsbedingt, etwa als Ausstellungshelfer, doch in die Innenstadt muss, wird entsprechend gekennzeichnet.

Kassel 2013

"Am besten wäre natürlich, wenn wir dann das ganze Ausstellungsareal (Kassel) einfach noch etwas säubern und herrichten könnten. Häuserfassaden (inklusive des Turms von St. Elisabeth) könnten wir mit hellen Tüchern abhängen, die Autos abschleppen lassen und die Straße schrubben", sagt die sympathische Bulgarorumänin, "Ich fühle intuitiv, dass das genau das Richtige wäre."

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