Internet wird überarbeitet Großputz bei Google

Ein dem Internet namentlich bekannter Spanier hat gestern vor dem Europäischen Gerichtshof das grundsätzliche Recht erwirkt, von Google vergessen zu werden.


Vergessen Sie bitte den hier abgebildeten Mann namens Mario Costeja schnellstens wieder!
DPA

Vergessen Sie bitte den hier abgebildeten Mann namens Mario Costeja schnellstens wieder!

Google erwartet jetzt eine Flut von Link-Unterlassungsklagen. Allein schon der oben genannte Spanier könnte nun versuchen, Google an die 28.000 Links zu verbieten, weil diese zu sensiblen Daten über ihn führen. Ursprünglich ging es nur um einen einzigen Link zu einer spanischen Tageszeitung, der angezeigt wurde, wenn der Spanier zufällig den Namen Mario Costeja González googelte. In der verlinkten Zeitung "wurde u. a. die Versteigerung eines Grundstücks angekündigt, die im Zusammenhang mit einer Pfändung wegen Schulden stand, die Herr Mario Costeja González bei der Sozialversicherung hatte", schreibt der Europäische Gerichtshof jetzt in einer bei Google verlinkten Pressemitteilung. Da die Pfändung schon recht lange her sei, müsse Google laut "Richtlinie 95/46/EG zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten" auf Antrag des Spaniers den Link zur Zeitung wohl löschen. Gut. Sobald dies geschehen ist, kann der Spanier versuchen, den Link auf eben jene Pressemitteilung zum Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshofs zu unterbinden, der nun ebenfalls auftaucht, wenn der Spanier wieder einmal zufällig "Mario Costeja González" googelt. Unglücklicherweise malt diese Mitteilung die leidige Pfändungsgeschichte in wesentlich mehr Worten aus als die spanische Zeitung. Wenn er das geschafft hat, kann sich der Spanier der weltweiten Berichterstattung über seinen Fall widmen und den entsprechenden Google-Suchtreffern zu "Mario Costeja González", "Mario Costeja Gonzo" oder "Gronzo" oder dem tatsächlichen Namen, den Mario Costeja González inzwischen angenommen hat. Falls Google die rund 27.999 Links nicht freiwillig löscht, bleibt dem Spanier der Klageweg über die jeweils zuständigen Ländergerichte. Wenn er dann noch alle Links zu Presseberichten über eben jene Klagen irgendwie eliminieren kann, dann – voilà – wird kein Mensch mehr von der dämlichen Geschichte mit der Pfändung erfahren. Angespornt von diesem grandiosen Erfolg erwarten die Suchmaschinenbetreiber und die Gerichte der Welt schon jetzt so ein bis zwei Nachahmer. So und nun, liebe Leser, löschen Sie diesen Text bitte! Danke!



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