Schäuble kompromissbereit Muscheln statt Mauscheln!

Die Debatte um die Abschaffung des Bargelds wird hitziger. Die Politik reagiert mit Augenmaß.


Dieser Herr wird sich ein neues Instrument suchen müssen. Denn mit Geld spielt man nicht.
DPA

Dieser Herr wird sich ein neues Instrument suchen müssen. Denn mit Geld spielt man nicht.

Verschwinden Münzen und Banknoten bald ganz?

Es gibt erste Anzeichen: 500-Euro-Scheine werden wohl bald aus dem Verkehr gezogen, Bargeldzahlungen womöglich auf 5000 Euro begrenzt. Ökonomen und Datenschützer fürchten das Schlimmste: Der Staat könne dann auf elektronischem Wege nicht nur private Geldvermögen nach Belieben manipulieren, sondern auch das Konsumverhalten jedes Bürgers lückenlos kontrollieren.

Nun gehen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bundesregierung einen großen Schritt auf ihre Kritiker zu:

Ab 2020 sollen Muscheln, Glasperlen und Pfeilspitzen als offizielle Zahlungsmittel gelten!

Wolfgang Schäuble hält diese Innovation für einen vernünftigen Kompromiss: "Wir verabschieden uns vom historisch überkommenen und missbrauchsanfälligen Bargeld, ohne in die Privatsphäre und Freiheitsrechte der Menschen einzugreifen. Vertrauen ist der Anfang von allem. Wer dadurch ruhiger schläft, kann sich seine Pfeilspitzen ins Kopfkissen nähen."

Hoffnungen, dass mit der Umstellung auch ein Ausstieg aus der europäischen Gemeinschaftswährung verbunden sei, erteilt der Finanzminister allerdings eine Absage. Man plane "die Zucht einer einheitlichen, streng genormten EU-Muschel".

Klärungsbedürftig sind indes noch praktische Fragen, etwa eine Ausnahmeregelung zur Vereinfachung größerer Anschaffungen: So soll es möglich sein, einen Induktionskochherd unbürokratisch mit drei Kühen und einer Gans zu bezahlen.



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