Ganz großer Diskurswurf Siegerehren wird Sportart!

Das Verhalten des deutschen Olympioniken Christoph Harting vor, während und nach der Medaillenübergabe hat Milliarden Zuschauer schockiert.


Wer ohne ansprechende Choreographie in den Wettkampf geht, wird niemals Siegerehrungssieger.
DPA

Wer ohne ansprechende Choreographie in den Wettkampf geht, wird niemals Siegerehrungssieger.

Nun reagiert das IOC: Das seit Jahrhunderten im Rahmenprogramm ausgeübte Siegerehren gilt ab sofort als reguläre Sportart und wird schon 2020 in Tokio zum offiziellen olympischen Programm gehören. Somit kommt es dann erstmals zu einer Siegerehrung im Siegerehren.

Bei dieser Disziplin geht es darum, sich für wenige Minuten in einen Zustand wohltemperierter Ergriffenheit und überschäumender Selbstbeherrschung zu versetzen. Die Athleten erhalten für ihre Leistungen Haltungsnoten. Bonuspunkte gibt es etwa für das Mitsingen der Nationalhymne mit bebenden Lippen oder das Freisetzen von mehr als zehn Milliliter Tränenflüssigkeit.

Absolut chancenlos ist dagegen, wer, statt eine Hand aufs Herz zu legen, seine Arme vor der Brust verschränkt oder sonstige pietätsferne Faxen macht. Wichtig ist ein perfekter Abgang: Was den Turnern der zehnfach geschraubte Tsukahara ist beim Siegerehren das formvollendet verkumpelte Abklatschen mit irgendeinem ZDF-Sportreporter.

Thomas de Maizière hat bereits "gravierende Folgen für unser Förderungssystem" angekündigt: Sämtliche deutschen Leistungsschwimmer sollten sich darauf vorbereiten, demnächst in die neue Sportart zu wechseln. Anders, so der Sportminister süffisant, "kommen die doch, vom Startblock mal abgesehen, nie auf ein Podest."



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