Grüne Personalnöte Das Tremolo verklingt

Claudia Roths angekündigter Abschied aus der Grünen-Spitze sorgt in der Partei für Wut, Trauer & Betroffenheit.



Gestisch orientierte sich die Grünen-Frau an der Kanzlerin, allerdings fehlte ihr deren Konsequenz
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Gestisch orientierte sich die Grünen-Frau an der Kanzlerin, allerdings fehlte ihr deren Konsequenz

"Diese Gefühle sind in uns allen sehr, sehr stark, aber leider können wir sie nicht annähernd so gut ausdrücken wie die Claudia", sagt ein langjähriger Wegbegleiter. "Sie war unser konsequent emotionaler Markenkern. Wir anderen rutschen ja doch hin und wieder mal in klare Gedanken und kühle Analysen ab."

Tatsächlich ist der Rückzug der farbenfrohen Drama-Queen für die politische Kultur der Bundesrepublik mindestens so einschneidend wie das Verlöschen der FDP: Dem Vernehmen nach erwägt die Duden-Redaktion bereits, die Vokabel "Moral" aus dem Wörterbuch zu streichen, "weil es im deutschen Sprachraum dafür nun keine wirklich leidenschaftliche Anwenderin mehr gibt".

Hinter den Kulissen suchen die Grünen nun hektisch nach Ersatz. Diese Person sollte in der Lage sein, sich binnen weniger Sekunden mit bebender Stimme über jeden beliebigen Vorgang und Sachverhalt im Umkreis von 10.000 Kilometern zu empören. Nach SPAM-Informationen unterrichtet Renate Künast bereits junge Öko-Aktivisten darin, in jedem zweiten Satz organisch und selbstverständlich den Ausruf "Und das ist ein Skandal!" unterzubringen. Zudem hofft man, dass Claudia Roth nicht ganz aufhört, sondern dem Partei-Nachwuchs beratend zur Seite steht, etwa mit Tremolier-Seminaren oder einem Grundkurs in Hyperventilationstechniken.



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