Bild des Tages Von wegen "Staatsversagen"!

Kai Lemke ist seit 23 Jahren Polizist. Doch was ihm heute früh geschah, das hat er in seiner Dienstzeit noch nicht erlebt.


DPA

Begonnen hatte es vorgestern mit einer Routineaktion. Obermeister Lemke hatte Paul G. aus Berlin-Lankwitz gestoppt, weil der 70-jährige den Radweg auf der falschen Straßenseite benutzt hatte. Wie üblich war der Verkehrsgefährder zu Boden gebracht, gefesselt, in die Gefangenensammelstelle überführt, dort erkennungsdienstlich behandelt und nach einer Nacht im Gewahrsam auf freien Fuß gesetzt worden.

Heute Morgen nun begegneten sich die beiden wieder. Diesmal war Paul G. auf der richtigen Seite unterwegs, allerdings mit einem - siehe unseren Schnappschuss - verkehrsgefährdend beladenen Gepäckträger. Doch noch bevor der Beamte das gängige Prozedere einleiten konnte, drückte ihm der Rentner einen Teddybären in die Hand.

Obermeister Lemke am SPAM-Lesertelefon: "Der Bürger war total gerührt. Er habe gehofft, mich wieder zu treffen. Dank meines Diensteifers habe er endlich wieder Vertrauen in den handlungsfähigen Rechtsstaat." Lemke genoss den Augenblick. Aber Dienst ist Dienst. Also legte er Paul G. ein weiteres Mal die Kabelbinder an. Darauf der: "Das beruhigt mich jetzt wirklich. Von Staatsversagen kann keine Rede sein."



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