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31. Januar 2013, 12:22 Uhr

Neuer Berufsabschluss

Staatlich geprüfter Minderleister

Könnte nach dem Willen der Opposition bald Wirklichkeit werden: Wer den "staatl. gepr. Minderleister" in der Tasche hat, ist bei Betrieben gut angesehen.

Denn: Alle entsprechend Qualifizierten sollen einen staatlichen Lohnzuschuss erhalten. So entsteht eine "multiple Win-win-Situation", schwärmt der Urheber des Modells, Prof. Stefan Sell. SPAM kennt alle Details!

Was man mitbringen muss:

Die Ausbildung ist hart: Sie besteht aus 24 Monaten Arbeitslosigkeit und dem Erwerb von mindestens zwei Vermittlungshemmnissen. Genannt werden: "in abgelegenen Regionen wohnen" (also Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin), "Familienbindung haben" (Mutter, Vater, Hund etc.) oder auch "über 50 sein" (Tipp: Einfach Abwarten! Schon mehr als 40 % der Bevölkerung erfüllen dieses Hemmnis, Tendenz steigend).

Worauf man sich bei der Prüfung einstellen muss:

Vor dem psychologischen Dienst der Arbeitsagentur müssen Kandidaten ihren Mangel an Frustrationstoleranz und Anpassungsfähigkeit beweisen. Dem Prüfling wird zum Beispiel eine Tasse heißer Kaffee angeboten, aber der ist dann nicht nur kalt, sondern auch mit "WC-Fix" versetzt. Die prüfenden Psychologen beobachten nun genau: Schüttet der Prüfling den Kaffee über den Kopf des Prüfungsvorsitzenden, (Note 1), oder geht er schnurstracks zur Tür wieder raus, (Note 2). Achtung: Je besser die Note, umso höher soll der staatliche Lohnzuschuss ausfallen.

Was sagen die Arbeitgeber dazu:

Im Arbeitgeberverband soll der neue Abschluss verhalten positiv gesehen werden. Die allzu starre und bürokratische Ausbildung (Arbeitslosigkeit, Vermittlungshemmnisse) sollte entfallen, damit die Minderleister-Prüfung allen Arbeitnehmern bis hinauf ins mittlere Management offenstehe. Auf diese Weise ergäbe sich sogar eine "hyper-multiple Win-win-Situation".

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